Zum Einstieg bitte ein Aktientipp: Die HandelsZeitung gehört dem Axel Springer Verlag. Würden Sie dessen Aktien zum Kauf empfehlen?
Selbstverständlich! (lacht)
Sie haben als Autor für verschiedene Medien gleichzeitig gearbeitet. Jetzt sind Sie in die Redaktionsroutine eines einzigen Titels eingebunden. Wie schwer fällt Ihnen diese Umstellung?
Überhaupt nicht. Denn ich trug vor meiner Zeit als Kolumnist für die SonntagsZeitung und andere Titel ja schon Führungsverantwortung. So etwa als Chefredaktor der Tele-24-Börsensendungen "Money" und "MoneyTalk" und als Chief Operating Officer der Belcom. An diese Erfahrung kann ich jetzt gut anknüpfen, die Umstellung fällt mir daher nicht schwer.
Dennoch: Sie schreiben gerne, werden als Chefredaktor vermutlich aber weniger dazu kommen. Werden Sie das nicht vermissen?
Einerseits stimmt es natürlich, dass man als Chefredaktor Führungsaufgaben hat, die Mitarbeiter motivieren, Impulse liefern, Visionen geben und den Titel gegen Aussen vertreten soll. Das mache ich gerne. Andererseits werde ich als Chefredaktor auch meine journalistische Vorbildfunktion wahrnehmen. Das sieht man auch in der aktuellen Ausgabe, der ersten von mir verantworteten.
Mit anderen Worten: Als Chefredaktor der HandelsZeitung sind Sie eigentlich unterfordert.
Ich bin es mir aus meiner Tätigkeit etwa für den Tages-Anzeiger oder die elektronischen Medien gewohnt, speditiv zu arbeiten.
Ihr Vorgänger hatte sein Amt 16 Jahre lang inne. Wieviel Sitzfleisch haben Sie?
(Lacht) Ich habe mich für mehrere Jahre verpflichtet. Wie viele es genau sind, ist nicht wichtig. Zentral ist, dass ich eine Vision habe. Ich stehe mit meinem Namen für diesen Titel und identifiziere mich mit ihm.
Welches ist denn Ihre Vision?
Die beste -- aber nicht die grösste -- Wirtschaftszeitung der Schweiz zu machen. Wesentlich ist für mich der Qualitätsanspruch. Wir wollen die hohe Glaubwürdigkeit, die wir bei unserer Zielgruppe -- den gegenwärtigen und zukünftigen Führungskräften -- geniessen, behalten und ausbauen. Dazu werde ich weitere Impulse liefern. Zudem muss das Blatt newsmässig stärker werden. Denn neben den für uns zentralen Management-Themen muss eine gute Wirtschaftszeitung Geschichten liefern. Wichtig ist drittens, Mehrwert zu schaffen. Der Leser muss nach der Lektüre den Eindruck haben, etwas gelernt zu haben.
Auf welche Art, mit welchen Gefässen lassen sich diese Ziele -- Qualität, News, Mehrwert -- in der Praxis umsetzen?
Es geht nicht um Gefässe. Erstens war ich beim Relaunch des Blatts im September bereits involviert. Und zweitens sind wir im Gegensatz zu anderen Titeln nicht in der Krise. So besitzen wir auch in der schwierigen konjunkturellen Situation eine gute Ausgangslage. Heute geht es darum, unseren Kampagnen-Claim "Argumente für Entscheider" in die Realität umzusetzen. Daran müssen wir inhaltlich weiter arbeiten. Im Bezug auf den Qualitätsanspruch ist Faktentreue das A und O. Unser Publikum ist selber in der Wirtschaft tätig und erkennt genau, wenn eine Geschichte nicht stimmt. Aus diesem Grund wollen wir Primeurs auch nicht um jeden Preis, denn das birgt die Gefahr von Enten. Mehrwert wiederum möchten wir mit deutlich mehr Service schaffen: Im Management-Bund etwa mit Führungsgrundsätzen, denn das ist es, was Entscheider wünschen.
Wie wahren Sie bei dieser Nähe zur Wirtschaft die kritische Distanz?
Wir sind wirtschaftsfreundlich, aber nicht unkritisch. Man kann kritisch sein, ohne plump, frech oder boulevardesk aufzutreten. Kritik soll sachlich, und nicht personenbezogen sein. Wir wollen das absolute Gegenteil einer Boulevardzeitung sein, und einen intellektuellen Ansatz verfolgen.
Sie stehen mit Ihrem Namen für die HandelsZeitung ein, haben Sie gesagt. Ist das nötig? War der Titel bisher zu wenig profiliert?
Es ist generell sicher von Vorteil, wenn man der Chefredaktor nicht erst vorstellen muss. Diesen Vorteil habe ich, ausserdem verdanke ich meiner Zeit beim Fernsehen ein weites Kontaktnetz.
Beabsichtigen Sie auch, das Image Ihrer Zeitung zu ändern?
Nochmals: Die HandelsZeitung kommt nicht aus der Krise, weshalb ich das Blatt auch nicht auf den Kopf stellen muss -- einige Mitkonkurrenten haben es da schwerer. Aber neue inhaltliche Impulse sind sehr wichtig, und unsere Zeitung wird lebendiger werden. Das versuchte ja auch schon der Relaunch.
Krise oder nicht -- immerhin hat auch die HandelsZeitung an Auflage verloren...
Sonnenklar. Das ging aber allen Wirtschaftstiteln so. Unsere Zeitung schreibt jedoch schwarze Zahlen. Wir kommen jetzt auf eine gute Basis -- auch wenn es natürlich immer noch besser werden könnte.
Sie haben beim Relaunch mitgewirkt. Demnach werden Sie nun kaum mehr viel verändern -- oder?
Doch, ich werde kontinuierlich kleine Anpassungen vornehmen. Mein Hauptaugenmerk liegt jedoch, wie gesagt, primär auf der inhaltlichen Arbeit. Und da sind wir jetzt dran.

