Herr Hug, Sie sind vor einigen Tagen wie angekündigt mit dem Onlineportal linth24.ch gestartet. Wie sind die ersten Reaktionen?
Sehr erfreulich. Wobei uns gleich zum Start gerade noch die News entgegenkam, dass der Leiter der Kesb Linth per sofort freigestellt wurde. Da mich die Stadt und die Kesb als damaliger Chefredaktor der «Obersee Nachrichten» wegen unserer wahrheitsgetreuen Berichte zur Kesb eingeklagt haben, interessierten sich natürlich viele in unserem Erscheinungsgebiet, was Chefredaktor Mario Aldrovandi und ich zu diesem Thema zu sagen haben. Und das ist nicht wenig.
Worauf fokussieren Sie sich mit Ihrem Portal?
Auf total regionale und lokale Information, wobei wir auch übergeordnete Themen wie Kantonspolitik oder Stellen und so weiter aufbauen wollen.
Wie ist das Interesse auf dem Werbemarkt?
Erfreulich. Wobei der aktive Werbeverkauf erst auf anfangs nächsten Jahres anläuft. Im Moment suchen wir noch den besten Werbeverkäufer, der gerne in einer wunderbaren Region Wunder vollbringt.
Mit welchen Kosten rechnen Sie für das erste Betriebsjahr?
Rund 200'000 Franken, wobei wir mit dem Aufbau von Kosten natürlich vorsichtig sind. Zudem sollte es auch noch einige Einnahmen geben.
Ähnliche Portale wie barfi.ch mussten am Ende ihren Betrieb einstellen. Macht Ihnen dies keine Angst?
Christian Heeb von Barfi sagte ja auf persoenlich.com klar, weshalb unter anderem sein übrigens sehr gut gemachtes Portal Schiffbruch erlitt: Nicht zuletzt wegen der Orientierung Richtung grosser Werbekunden, statt sich mit gutem Verkaufspersonal an die lokalen KMUs zu wenden. Ausserdem haben sich die Barfi-Macher mit rund zehn Angestellten ziemlich mutig verhalten. Ich denke, lokale Online-Portale brauchen Zeit und vielleicht auch etwas Bescheidenheit. Die grossen Würfe können zu Gunsten eines vernünftigen Aufbaus auch etwas warten. Übrigens, wie Sie wissen war das auch bei persoenlich.com so. Aus einem bescheidenen Anfang ist heute eine grosse, erfreuliche Sache geworden.
«Wir hatten schon einige Titelstorys, die wacker zu reden gaben»
Mit Mario Aldrovandi haben Sie einen bewährten Chefredaktor und Mitverleger an Ihrer Seite. Werden Sie noch mehr Leute einstellen?
Wir suchen noch einen Praktikanten für die Redaktion. Bis jetzt aber arbeitet Mario alleine. Und wenn man auf linth24.ch schaut, sieht man, dass wir ganz schön vorwärtskommen. Wir hatten schon einige Titelstorys, die wacker zu reden gaben. Nicht zuletzt unsere vielen Insider-Informationen zum Kesb-Debakel der Stadt Rapperswil-Jona.
Ihr Abschied bei den «Obersee Nachrichten» verlief bekanntlich nicht in Minne. Ist linth24.ch vor allem gegen die ON gerichtet?
Ich richte meine geschäftlichen Aktivitäten nie gegen etwas, sondern immer für etwas. Mir geht es um die lokale Information. Und vor allem ist linth24.ch nur ein Teil unserer in Gründung befindlichen Gesellschaft, die mit über einer Million Franken Kapital ausgestattet ist. Uns geht es um einen Verbund von lokalen Portalen. Wir wollen uns mit anderen Regionen vernetzen.
Die Redaktion der ON und von linth24.ch befinden sich momentan immer noch im selben Gebäude am Hauptplatz 5 in Rapperswil. Gibt es keine Reibereien?
Nein, linth24.ch ist ein Stock über den «Obersee Nachrichten» eingezogen. Das Bürogebäude hier am Hauptplatz gehört mir, also konnte ich darin problemlos meine neue Firma ansiedeln. Umgekehrt werden die ON auf Ende Jahr in ein Industriequartier nach Jona ausziehen. Ab dann ist linth24.ch am Hauptplatz von Rapperswil der Boss.
«Wenn uns das nächste Thema unter den Nägeln brennt greifen wir zu»
Sie haben sich vor allem als Kämpfer gegen die Kesb und für die Neunutzung des Rapperswiler Schlosses publizistisch schweizweit einen Namen gemacht. Planen Sie bereits wieder eine ähnliche Aktion?
Ich setzte mich mit meinen lokalen Zeitungsmedien schon für viele Themen ein. Zwei haben Sie genannt. Andere waren die Gründung des schweizweit bekannten Blues’n’jazz in Rapperswil, die Fusion von Rapperswil und Jona oder den Eishockyclub der Lakers und so weiter. Ich habe stets die Meinung vertreten, dass sich ein Medium einmischen soll. Das schafft Freunde und Feinde, viel Aufmerksamkeit und Emotionen. Wenn uns das nächste Thema unter den Nägeln brennt, greifen wir zu. Vielleicht sind es die staatlichen Kassenschlager, die Radarkästen der Polizei. Kürzlich hat Vater Staat in Schmerikon an einer ausgeklügelten, absolut ungefährlichen Stelle in 48 Tagen fast 800'000 Franken eingenommen hat. Der Kanton holt sich fast 50 Prozent der Bussen-Einnahmen aus seinen mobilen Radarmessanlagen aus dem Linthgebiet. Das finden wir natürlich nicht so lustig. Verkehrssicherheit muss sein, was aber wie Abzockerei aussieht, gefällt uns nicht. Es ist also immer wieder mit uns zu rechnen.
Wenn Sie zugesagt hätten, wären Sie vor zwei Jahren zum Rapperswiler Stadtpräsidenten gewählt worden. Haben Sie diese Absage nie bereut?
Nein, ich glaubte, andere könnten das besser. Und ausserdem fühle ich mich inmitten der Medien pudelwohl.

