08.11.2023

CH Media

Medienhaus kündigt Abbau von 150 Stellen an

Wegen starken Umsatzeinbussen in den Kernmärkten im Entertainment und Publishing sieht sich CH Media gezwungen im ersten Quartal 2024 die Kosten zu reduzieren. Gespart wird insbesondere beim Personal – 150 Vollzeitstellen sollen über alle Bereiche hinweg wegfallen.
CH Media: Medienhaus kündigt Abbau von 150 Stellen an
Die Mitarbeitenden von CH Media wurden am Mittwochvormittag über den geplanten Stellenabbau informiert. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Weil der Umsatz deutlich zurückgegangen ist, spart CH Media Kosten ein und baut Stellen ab. Geplant ist ein Abbau von 150 Stellen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

Der Abbau erfolge unter dem Vorbehalt der Ergebnisse des Konsultationsverfahrens, das nun gestartet wird. Für die Mitarbeitenden komme der gültige Sozialplan zur Anwendung, schrieb CH Media in einer Mitteilung.

Voraussichtlich 90 Kündigungen

Vorgesehen sei, im ersten Quartal 2024 über alle Bereiche der Deutschschweiz, wo knapp 2000 Mitarbeitende beschäftigt sind, rund 150 Vollzeitstellen abzubauen, davon etwa 90 durch Kündigungen.

CEO Michael Wanner wurde in einer Medienmitteilung wie folgt zitiert: «Der Verwaltungsrat und die Unternehmensleitung sind zum Schluss gekommen, dass wir die Kosten deutlich senken müssen und es dafür einschneidende Massnahmen braucht. Ich bedaure diesen Schritt, erachte ihn aber für die Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens als unvermeidbar.»

Im Exklusiv-Interview mit persoenlich.com bezeichnete es Wanner als «fahrlässig, jetzt nicht zu reagieren.» Der schwache Geschäftsgang habe sich leider akzentuiert, insbesondere wegen fehlender Werbeeinnahmen im traditionell umsatzstärksten dritten Trimester.

Verlust wegen fehlender Werbeeinnahmen

Bereits im ersten Halbjahr 2023 habe CH Media einen Verlust von 6,9 Millionen Franken verzeichnen müssen, hiess es. Die Lage habe sich seither vor allem wegen fehlender Werbeeinnahmen zusätzlich akzentuiert. Eine Erholung des Werbemarktes sei kurzfristig nicht zu erwarten, weshalb nun «die Kostenstruktur gesenkt» werde, um «weiterhin notwendige Investitionen für die Zukunft tätigen zu können.»

Die bisherigen, zahlreichen Sparmassnahmen hätten nicht ausgereicht um einen grösseren Personalabbau zu vermeiden, schrieb das Unternehmen im Communiqué weiter. CH Media wolle weiterhin in die Digitalisierung der publizistischen Angebote sowie den Ausbau des Bereichs Entertainment investieren, um den Herausforderungen des Medienwandels begegnen zu können. Nach einer Konsolidierungsphase rechne das Unternehmen 2025 wieder mit positiven Ergebnissen.

Die Gewerkschaft Syndicom fordert CH Media in einer Mitteilung auf, das Konsultationsverfahren unter Einbezug der Gewerkschaft vorzunehmen, mit dem Ziel, den Umfang des Personalabbaus zu verringern. Ausserdem müsse ein guter, neuer Sozialplan ausgearbeitet werden, um die Folgen für das betroffene Personal möglichst zu mindern. 

Impressum bezeichnet den Entscheid von CH Media als «zweite Hiobsbotschaft innert kürzester Zeit, die den Medienarbeitsplatz Schweiz erschüttert». Dabei bezieht sich der Berufsverband auf die Sparmassnahmen und Entlassungen von Medienhaus Tamedia und 20 Minuten (persoenlich.com berichtete).

Bedauern und Erwartungen bei Kantonen

Reaktionen gab es auch von Kantonsbehörden. Der Aargauer Regierungsrat bedauert den Stellenabbau beim Unternehmen, das seinen Hauptsitz im Aargau hat, wie die Staatskanzlei Aargau auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte. Die Regierung hoffe, dass «mit den für die betroffenen Mitarbeitenden schmerzlichen Massnahmen die wirtschaftliche Situation des Unternehmens stabilisiert werden» könne und erwarte sozialverträgliche Lösungen.

Der Luzerner Regierungsrat zeigte sich «besorgt» über den Personalabbau und dessen Auswirkungen auf den Redaktionsstandort Luzern. Dass dieser erhalten bleibe, sei für die Luzerner Regierung prioritär. «Diese Zusicherung - namentlich auch, dass die Luzerner Zeitung für CH Media zum publizistischen Kerngeschäft zählt - haben wir von Michael Wanner erhalten», liess sich Regierungsrat Fabian Peter in einer Mitteilung zitieren. (sda/wid)


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KOMMENTARE

Victor Brunner
09.11.2023 10:01 Uhr
Ein Desaster, erst hemmungslos ohne solide finanzielle Grundlage expandieren, dann das Messer beim Personal ansetzen!
Fredy Broder
08.11.2023 20:27 Uhr
Ja in diesem Betrieb hatte es von Anfang an zuviele Leute die daa Gefühl hatten,dass Sie zu sagen hätten. Jeder der Chef isr,hatte wieder einen Chef,der auch einen Chef hat. Beispiel Radiio. Da hat man es Absolut verbockt,auf Regional zu setzen so wie früher bei Radio Rii zum Beispiel. Unerfahrene Event Manager in diesem Gross Betrieb haben mitgeholfen,dass Volksnahe Radio von früher im Meer zu versenken. Lieber klein und fein,als Aufgeblasen und Schwerfällig.
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