Der Schweizer Presserat hat 2008 zu 66 der 81 eingereichten Beschwerden Stellung bezogen. In 17 Fällen wurden Beschwerden gegen Medienberichte gutgeheissen, weil diese medienethische Grundsätze verletzten. In 29 Fällen stellte der Presserat keine Verletzung des Kodexes fest, wie Präsident Dominique von Burg am Mittwoch vor den Medien in Zürich sagte. Auf 20 Beschwerden sei der Presserat nicht eingetreten, weil sie "offensichtlich unbegründet" waren, zu spät eingereicht wurden oder weil parallel ein Gerichtsverfahren hängig war.
Deutlich zugenommen habe in den letzten Jahren die Bedeutung des Privatsphärenschutzes. Im vergangenen Jahr seien 30 Beschwerden mit diesem Motiv begründet worden. Am häufigsten beanstandet worden seien die unzulässige Identifizierung, anonyme oder sachlich nicht gerechtfertigte Anschuldigungen, die Unschuldsvermutung und die Berichterstattung über Suizide. Was letzteres anbelangt, plädiert der Presserat für Zurückhaltung. Laut von Burg sollten Medien bei Berichten über Freitode auf die Darstellung von Details verzichten.
Sechs Beschwerden gegen die Verletzung der Privatshäre wurden vom Presserat gutgeheissen. Je zwei Fälle betrafen Namensnennungen, beziehungsweise sachlich nicht gerechtfertigte Anschuldigungen sowie je einer die Privatshäre von Prsonen des öffentlichen Lebens und die Suizidberichterstattung. In vier gutgeheissenen Fällen kam der Presserat zum Schluss, dass das Medium die Sichtweise der betroffenen Person unterschlagen hatte. Bei drei Publikationen seien Meinunsäusserungen entstellt wiedergegeben worden, in je einer Publikation die Berichtigungspflicht nicht eingehalten, wichtige Informationen unterschlagen und der Opferschutz nicht berücksichtig worden.
Rat soll ein Gesicht erhalten
Als wichtiges internes Ereignis im vergangenen Jahr nannte von Burg die Erweiterung der Trägerschaft des Presserates durch die Verlegerverbände und die SRG SSR idée suisse. Damit stehe der Presserat - auch in finanzieller Hinsicht - auf einer solideren Basis.
Um dem "Presserat ein Gesicht zu geben", will von Burg die Öffentlichkeitsarbeit verstärken. Darüber hinaus wolle der Presserat durch Besuche der Redaktionen und mit Tagungen zu aktuellen Themen die berufsehtische Reflexion fördern. Der Presserat geniesse zwar hohes Ansehen, seine Arbeit habe aber wenig Auswirkungen auf die tägliche Arbeit in den Redaktionen. (sda)

