Die aktuelle Studie analysiert die neu gestarteten TV-Shows von Anfang September bis Ende Oktober 2005 und zählt in den untersuchten Ländern Australien, Frankreich, Grossbritannien, Deutschland, Italien, Niederlande, Schweden, Spanien und den USA insgesamt 507 neue Programme (Alle Programme im Bereich Fiction, Factual und Entertainment ohne Sport- und Newssendungen sowie TV-und Kinofilme). Für Deutschland wurden 38 neue TV-Formate ermittelt.
TV-Saison 2005/2006 startete im September mit bewährten Konzepten
Die neue TV-Saison begann in allen untersuchten Ländern zunächst ohne grosse Überraschungen. Der in der Saison 2004/2005 bei allen TV-Genres ausgeprägte Trend zu mehr Realitätsbezug, zu Lebens- und Alltagsnähe, setzte sich weiter fort. Ganz gleich, ob es sich um Doku-Formate, Entertainmentprogramme oder Sendungen im Fiction-Bereich handelt: sie alle zeichnen sich nach wie vor durch ein hohes Mass an Wirklichkeitsbezug hinsichtlich der Themen und durch Authentizität bei der Darstellung aus. Gerade diese Formate schaffen es, die gesamte Familie vor den Bildschirmen zu versammeln und sich in deren Lebensalltag fest einzubinden.
Fiction-Formate mit den besten Einschaltquoten und kreativsten Ideen
Bereits in der vergangenen TV-Saison gehörten Fiction-Formate zu den meistgesehenen Programmen. Im Untersuchungszeitraum September bis Oktober 2005 waren sie erneut die grössten Quotenbringer und belegten Spitzenpositionen in sechs der neun untersuchten Länder.
Trotz des naturgemäss fiktiven Charakters ihrer Inhalte geben sich Fiction-Formate lebensnäher und realitätsbezogener denn je. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion werden immer fliessender. Eine der erfolgreichsten Sendungen der Herbstsaison ist die US-Serie "Prison Break" des Senders FOX. "Prison Break nimmt den Zuschauer quasi mit ins Gefängnis, lässt ihn am Gefängnisalltag und bei der Aufklärung von Verbrechen teilhaben.
Ein anderer Quotenhit im TV-Herbst 2005 ist die Sitcom "My Name is Earl" des amerikanischen Senders NBC. Earl, der in seinem Leben zumeist viele falsche Entscheidungen getroffen hatte, tat einmal das richtige: er spielte Lotto und gewann. Heikle und komische Situationen sind vorprogrammiert.
Zu den besonders erfolgreichen neuen Formaten im Bereich Fiction gehören zudem Science Fiction-Formate und Programme, die paranormale bzw. übersinnliche Inhalte thematisieren. Sie haben sich im Herbst 2005 fest in den Programmplänen etabliert.
Das Sci-Fi-Drama "Invasion des amerikanischen Senders ABC ist dafür eines der erfolgreichsten Beispiele. Einer Kleinstadt in Florida droht nach einem Hurrican eine Invasion von Ausserirdischen. Auch die Mini-Polizeiserie "Class of 762 auf ITV in Grossbritannien, bei der mysteriöse Serienmorde an ehemaligen Schülern des gleichen Jahrgangs 1976 begangen werden, konnte gute Quoten erzielen.
Unterhaltungs- u. Quizshows melden sich mit guten Quoten zurück
Entertainmentformate erzielten in der vergangenen TV-Saison 2004/2005 nur mässige Erfolge. Im Herbst 2005 ist jedoch ein behutsamer Aufwärtstrend zu beobachten. Vor allem Unterhaltungsshows (Shows mit Musikanteil) sind in der Gunst des Fernsehpublikums wieder gestiegen. Einen erheblichen Anteil daran hat die Rückbesinnung auf bewährte und schon früher erfolgreiche Sendekonzepte.
Besonders gut konnten sich Quiz- und Gameshows positionieren. Die Anzahl der neu gestarteten Formate hat sich in diesem Segment zum Vergleichszeitraum 2004 nahezu verdoppelt. Zu den erfolgreichsten Gameshows gehört das beliebte britische Format "Ant & Decs Game Show Marathon" des Senders ITV, das anlässlich des 50jährigen Jubiläums von ITV neu aufgelegt wurde.
Ein anderes populäres Beispiel ist die italienische Show "Mr. Archimede" auf RAI 1 nach dem Vorbild der Sat.1-Show "Clever (Die Show, die Wissen schafft)", in der jeweils zwei Teams auf humorvolle Art in einen wissenschaftlichen Wettstreit treten.
Coaching-Formate immer vielfältiger und mit ungewöhnlichen Konzepten
Personal-Help-Formate, in denen Experten oder Therapeuten auf unterhaltende Art Alltags- und Lebenshilfe bieten, sind aus den Programmplänen nicht mehr wegzudenken. Dass die "Supernanny" bei der Erziehung der Kinder hilft und es auch Nannys für die Zähmung von Haustieren gibt ( z.B. "Ein Coach für Tiere" auf Pro7 oder "Its me or the dog" auf Channel 4 in Grossbritannien), gehört längst zum Fernsehalltag.
Wenn aber ein bekannter Hunde-Coach mit Dressurmethoden für Tiere computersüchtige und hausarbeitsscheue Ehemänner "auf Trab" bringt, wie in der BBC-Sendung "Bring your husband to heel" (BBC2), sind polarisierende Reaktionen vorprogrammiert.
Die Spielarten der im Herbst 2005 so zahlreich wie noch nie gestarteten Coaching-Konzepte werden immer vielfältiger und ungewöhnlicher. Allerdings liefen viele Coaching-Sendungen längst nicht mehr so erfolgreich wie in der letz-ten TV-Saison.
Zahlreiche neue Doku-Formate, teils aber mit fragwürdigen Konzepten
Mehr als 40 Prozent der im September und Oktober 2005 neu gesichteten Programmfor-mate sind Dokumentationen und Magazinsendungen. Doku-Formate der unterschiedlichsten Art liegen wie auch in der vergangenen TV-Saison weiter im Trend und sind durch immer aufwändigere Produktionen längst zu massenattraktiven Programmen geworden.
Bei den TV-Magazinen gibt es zudem eine auffällige Entwicklung hin zu besonders "schrägen" Sendekonzepten. Ein sehr extremes Beispiel ist die in den Niederlanden erst vor kurzem gestartete Sendung "Spuiten en Slikken" auf NED 2 (übersetzt etwa "Fixen und Schlucken").

