30.11.2019

Journalismus in der Krise

Mehr Transparenz, statt ein Label

Ein Gütesiegel, eine Zertifizierung und ein Berufsregister: Branchenvertreter halten die Vorschläge der Eidgenössischen Medienkommission für nicht umsetzbar. Sie machen andere Vorschläge.
Journalismus in der Krise: Mehr Transparenz, statt ein Label
Otfried Jarren ist Präsident der Eidgenössischen Medienkommission (Emek). (Bild: Keystone)

Am Journalismustag in Winterthur hat die Eidgenössische Medienkommission ein 19-seitiges Diskussionspapier vorgestellt. Darin schlägt sie unter anderem eine Zertifizierung von Journalisten und ein Label für journalistische Produkte vor (persoenlich.com berichtete).

Bereits an der Podiumsdiskussion kurz nach der Präsentation des Papiers waren kritische Worte zu hören (persoenlich.com berichtete). Nun haben sich im «Tages-Anzeiger» weitere Vertreter aus der Medienbranche zu den Vorschlägen geäussert.

Medienwissenschaftler und SRG-Ombudsmann Roger Blum zweifelt vor allem an der Umsetzbarkeit der Vorschläge. Der Journalismus habe eine handwerkliche Seite, aber eben auch eine künstlerische, sagt er der Zeitung. Die Berufsdefinition müsse deshalb frei bleiben oder zumindest so flexibel gehandhabt werden, dass Quereinsteiger weiterhin zugelassen sind. Zudem dürfte eine standardisierte Ausbildung, wenn überhaupt, nicht staatlich organisiert sein, da Journalismus per Definition staatskritisch sein muss.

Schwierig wäre laut Blum zudem das Labeling von Medien oder Medienhäusern. «Wer entscheidet über die Vergabe des Labels? Und würde es wieder aberkannt, wenn eine Zeitung die Regeln ritzt oder dagegen verstösst, was auch renommierte Medien manchmal tun?» Bei einem Produkt im Supermarkt sei eine Kennzeichnung möglich, sagt Blum. «Aber Journalismus ist eben jeden Tag wieder anders.»

Blum empfiehlt stattdessen, dass die Medien über ihre Funktionsweise berichten sollen. Gleich im Bericht selber oder in dafür vorgesehenen Gefässen. Sie sollen transparent machen, wie sie arbeiten. Denselben Vorschlag macht Nick Lüthi, Chefredaktor der «Medienwoche». Redaktionen sollten in ihren Medien regelmässig darüber informieren, wie ihre Beitrage zustande kommen, warum sie welche redaktionelle Entscheide getroffen haben, ob Interessenvertreter involviert sind oder nicht.

Urs Saxer, Medienjurist und Anwalt, hält die Vorschläge der Medienkommission für «gut gemeint», aber kaum wirksam. Positives Feedback kommt von Philipp Cueni, Medienjournalist und Gründer des «Edito». Die Vorschläge der Emek würden den Journalismus stärken und seien deshalb der «absolut richtige Ansatz». (wid)



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Kommentare

  • Max Röthlisberger, 30.11.2019 20:31 Uhr
    Das wirkliche Problem sind nicht die "Journalisten", sondern die "Arbeitgeber" derjenigen. Aber das wissen die "Journalisten" natürlich auch.
  • Sebastian Renold, 01.12.2019 09:50 Uhr
    Es ist schon interessant, dass einige Vorschläge zur Reglementierung des Journalismus ausgerechnet von Leuten kommen, die sich sonst jegliche Reglementierung der Wirtschaft verbieten.

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