Die Publikation eines Geheimdokuments im SonntagsBlick wird zum Fall für die Militärjustiz. Ermittelt wird gegen den Chefredaktor und zwei Journalisten der Zeitung und die unbekannte Täterschaft, die der Zeitung das Papier zuspielte.
Eine Voruntersuchung wurde gegen Christoph Grenacher, Chefredaktor des SonntagsBlick, sowie zwei Journalisten des Blatts eröffnet, die den Artikel unterzeichnet hatten. Sie stehen im Verdacht, militärische Geheimnisse veröffentlicht zu haben, wie das Oberauditorat der Schweizer Armee am Montagabend mitteilte.
Die Zeitung habe am Sonntag ein Dokument publiziert, dass der militärischen Geheimhaltung unterstehe, so das Oberauditorat weiter. Laut dem Artikel soll das Dokument Beweis dafür sein, dass in Europa CIA-Gefängnisse existieren und die Schweiz davon wisse, aber darüber schweige.
Grenacher übernimmt Verantwortung
Die Massnahme des Oberauditorats erstaune nicht, schrieb SonntagsBlick-Chefredaktor Christoph Grenacher in einer Stellungnahme. Er übernehme für die Publikation allerdings die alleinige Verantwortung. Die Chefredaktion habe das öffentliche Interesse höher gewichtet als die Staatsschutzinteressen der Schweiz.
Beim zweiten Verfahren gegen Unbekannt handelt es sich formell um eine vorläufige Beweisaufnahme. Auf diesem Weg soll ermittelt werden, wie der geheim klassierte Fax aus dem ägyptischen Aussenministerium an den "SonntagsBlick" gelangte.
Die beiden Verfahren dürften nach Angaben von Martin Immenhauser, Chef Medien und Information des Oberauditorates, unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Man gehe heute davon aus, dass eine allfällige Hauptverhandlung gegen den SonntagsBlick noch in diesem Jahr stattfinden könne.
Dagegen sei offen, wie lange zweite die Untersuchung zum Informationsleck dauere. Falls der oder die Urheber ermittelt werden könnten, werde das Verfahren zur Voruntersuchung, sagte Immenhauser. Der Sachverhalt sei derzeit aber völlig unbekannt.
Verteidigungsminister Samuel Schmid hatte am Sonntag eine Administrativuntersuchung angekündigt. Auf dieses Verfahren verzichte das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport angesichts der beiden Strafuntersuchungen vorläufig, sagte Sprecher Sebastian Hueber am Montag.

