22.05.2009

Zeitungskrise

Müller Martini baut 150 Stellen ab

Scharfe Kritik der Gewerkschaft.

Müller Martini, Herstellerin von Systemen für die Druckverarbeitung und den Versand, baut rund 150 Stellen ab. Betroffen sind die Standorte Zofingen AG, Stans NW und Hasle LU. Wie viele Entlassungen ausgesprochen werden müssen, sei noch nicht klar, sagte eine Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Zuerst müsste mit den Sozialpartnern verhandelt werden.

Doch sicher sei, dass der Abbau nicht ausschliesslich über natürliche Fluktuation erfolgen könne. Ein Teil der 2000 in der Schweiz beschäftigten Mitarbeitenden werde die Kündigung erhalten. Grund: Weltweit sinken bei Zeitungen die Auflagen und die Anzeigenerlöse. Investitionen würden gestoppt und Projekte verschoben.

In einer Mitteilung gibt sich Müller Martini auch für die Zukunft eher pessimistisch: Es sehe danach aus, dass "in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht mit einer nachhaltigen Erholung der Geschäftstätigkeit auf das frühere Niveau gerechnet werden darf". Mit dem jetzigen Abbau schaffe Müller Martini, Arbeitgeberin von weltweit 4000 Personen, die Voraussetzungen, um im veränderten Umfeld "dem Weltmarkt auch in Zukunft technisch und preislich marktgerechte Produkte anbieten zu können."

Mit der Restrukturierung hatte Müller Martini bereits im Februar begonnen: Am Standort Felben TG wurden 60 Stellen abgebaut, 30 Leute erhielten die Kündigung.

Harte Kritik

Die Gewerkschaften Syna und Unia kritisieren vergangene und geplante Entlassungen in Mitteilungen scharf. Sie habe "vom grossen und traditionellen Familienunternehmen mehr Durchhaltewille erwartet", schreibt Syna. Das Unternehmen löse konjunkturelle Probleme mit Entlassungen, statt auf ausgedehnte Kurzarbeit zu setzen, schreiben die Gewerkschafter von Unia. Bereits Anfang des Jahrzehnts habe Müller Martini mit "einem ähnlichen Kahlschlag" auf die schwache Wirtschaftslage reagiert.

Unia nennt auch die Anzahl Mitarbeitenden, die in den einzelnen Werken betroffen sein sollen: So seien es am Standort Zofingen mit rund 850 Beschäftigen 88, in Stans 40 von 120 Produktions-Mitarbeitenden und in Hasle 11. Die Unternehmenssprecherin bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA diese Grössenordnungen, betonte aber, dass noch keine Kündigungen ausgesprochen seien. Zudem werde auch die zu Jahresbeginn eingeführte Kurzarbeit in allen Werken weiter geführt. Die Verhandlungen mit den Sozialpartnern laufen noch bis am 10. Juni. (sda)


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