Von den fünf Gesuchen, die eine zehnjährige Konzession für ein Jugendradio in der Stadt Zürich beantragen, bevorzugt der Zürcher Regierungsrat jenes von DJ Radio, dem zweitgesetzten Music First aber immerhin das Potential attestiert, einen UKW-Sender aufbauen und längerfristig betreiben zu können. Man befürchtete allerdings, dass sich das Mutterhaus Radio 105 Music First "als Expansionsinstrument zunutze" machen werde, wie dies die Finanzierung durch den italienischen Partner von Radio 105 nahe lege.
Wie Giuseppe Scaglione, Geschäftsführer von Radio 105 und Initiant von Music First, gegenüber "persoenlich.com" ausführt, kann er die Argumentation des Zürcher Regierungsrats nicht nachvollziehen. Music First solle ein völlig eigenständiges Programm für die Zürcher Jugend werden. Scaglione: "Das Konzept sieht nicht vor, 'Programmfenster' von Radio 105 aufzuschalten. Es sind täglich 20 Stunden Eigenproduktionen aus Zürich und für Zürich vorgesehen, weit mehr, als jedes andere Gesuch anbieten kann".
Auch die geäusserte Befürchtung des Zürcher Regierungsrats, Music First könnte vorallem auf Main Stream setzen, kann Scaglione nicht verstehen: "Wir haben in unserem Gesuch klar herausgestrichen, dass Music First kein 'more of the same' sondern ein eigenständiges, neues und innovatives Jugendradio sein wird. Es ist aber so konzipiert, dass es nicht nur einer einzigen Teil-Zielgruppe innerhalb der heterogenen Jugend gefällt, sondern die Mehrheit bzw. verschiedene Gruppen zu überzeugen vermag."
Seit Jahrzehnten habe sich erwiesen, dass die Musik-Mischung die entscheidende Rolle spiele, ob und welches Publikum erreicht werde, so der Music First-Initiant weiter. Die Musik trage ein Programm und mache einen Grossteil der Sendezeit, der vermittelten Stimmung und Identifikation aus. Von daher müsse jede realistische Radio-Konzeption bei der Musik ansetzen, wolle sie eine publikumsgerechte und marktgerechte Basis gewährleisten.
Scaglione: "Music First wird genau den Musik-Mix anbieten, welcher die ganze Jugend Zürichs anspricht und verschiedene Stile auf eine geschickte Art zusammenfügt, was eine nicht zu unterschätzende 'Kunst' ist". Ein reines Einsparten-Programm, wie es z.B. DJ-Radio für Liebhaber elektronischer Musik realisiere und vorsehe, entsprechte nicht den Bedürfnisssen der Mehrheit der Jugend und sei somit nicht wirklich jugendnah, sagt Scaglione und verweist auf eine repräsentative Studie der IHA unter 15- bis 24-Jährigen in Zürich. In dieser Studie wurden die Jugendlichen u.a. befragt, welches der bestehenden Radioprogramme sie am liebsten auf UKW hören möchten: 4 Prozent entschieden sich für DJ Radio, 42 Prozent für Radio 105
"Music First wird der spezifischen Zürcher Situation gerecht werden und einen eigenen, 105-unabhängigen Music-Sound abmischen", ist sich Scaglione sicher. Angesichts des Wandels der Musik-Stile und -Moden sei eine Kontinuität bei einem Einsparten-Programm jedoch weder programmlich gegeben noch wirtschaftlich gesichert. Auch für die Werbewirtschaft sei ein Einspartenprogramm wenig attraktiv.

