Herr Felix, Sie sind amtsältester Medienkolumnist der Schweiz. Warum hören Sie so überraschend auf?
Das ist nur gegen aussen hin überraschend. Ich habe bereits im August Marc Walder, dem damaligen Chefredaktor des SoBli mitgeteilt, dass ich mich Ende Jahr als TV-Kolumnist verabschieden werde.
Der Grund?
Erstens: Nach 40 Jahren Autorenarbeit zum Thema Fernsehen darf man in der Tat aufhören. Zweitens ist diese Tätigkeit mit einem enormen Zeitaufwand verbunden, denn um sich über das schnelllebige Fernsehen à jour zu halten, ist das Studium zahlreicher Mediendienste erforderlich und vor allem der entsprechend gezielte TV-Konsum. Und drittens, das ist der wichtigste Grund: Ich habe viele Kataloge mit Reisedomizilen gehortet und studiert. Ab dem kommenden Jahr wollen meine Frau und ich unsere Freizeitpläne ohne Termindruck von Kolumnen-Abgabe-Terminen realisieren.
Wie hat sich die Medien- und Fernsehkritik in den letzten Jahren verändert?
Sie hat leider an Professionalität eingebüsst. Ich kenne hierzulande nur noch wenige Journalisten, die sich dem Thema sorgfältig und seriös annehmen. Darunter sind auch Namen, die meine damalige Tätigkeit als Fernsehmacher kritisiert haben. Stattdessen werden heute die TV-Programme -- teils aus medienpolitischen Gründen -- in pauschalen Rundumschlägen abgefeiert. Tendenz zunehmend.
Gab es schon Versuche der Einflussnahme von aussen?
Ja. Meistens um Bitte für positive Vorpromotion. Ich habe jedoch immer erst nach der Ausstrahlung der entsprechenden Fernsehsendungen geschrieben.
Was hat Ihnen als Kritiker am meisten Spass gemacht?
Ich habe mich nie als Kritiker, sondern als Beobachter und TV-Analyst verstanden. Viele Print-Journalisten, die von der Chefredaktion zwangsverpflichtet werden fernzusehen, hassen dieses Medium und deren Protagonisten. Vor allem auf dem Gebiet der Unterhaltung. Ich hingegen bin auch beruflich mit dem Fernsehen stets verbunden gewesen. Und das positiv. Das ging schon sehr früh los, als ich mich Mitte der 50er Jahre im Lehrerseminar Kreuzlingen dafür einsetzte, einen Fernsehapparat aufstellen zu dürfen. Umsonst. TV war damals noch völlig tabu. Damals kam der Spruch aus: Lieber ein gutes Buch lesen, als seichtes Fernsehen zu konsumieren. Als ob es nur gute Bücher gäbe.
Gab es für Sie Themen, bei welchen Sie befangen waren?
Befangen war ich nicht bei Themen, sondern eher bei den TV-Anstalten. Es fiel mir leichter, Sendungen, die von "ennet dem Bodensee" kamen, unter das mediale Vergrösserungsglas zu halten, dabei Fehlleistungen zu entdecken und diese möglichst süffig zu beschreiben. Bei SF hingegen wollte ich immer zu 300 Prozent sicher sein, dass meine Feststellungen, die manchmal auch negativ waren, stimmen. Ein kritisches Auge habe ich so oder so immer gehabt, selbst wenn es mal eine Sendung betraf, die von einem Kollegen aufgegleist wurde.
Mit den Wetteransagerinnen lagen Sie im Dauerclinch. Hat sich an dieser Front die Situation beruhigt?
Auf dem Meteo-Dach fanden anfänglich unsäglich-amateurhafte Veranstaltungen statt. Nach dem Motto: Sie stottern und schlottern. Dilettantische Leistungen zur Primetime habe ich schon immer im Visier gehabt. Heute hat sich die Sache eingependelt und die Moderationen funktionieren perfekt. Unverzeihlich ist für mich einzig der Umstand, dass die Wetterprognosen in Dialekt gesprochen werden. Das ist eine Geringschätzung der vielen Touristen, die unser Land besuchen. Und zudem frage ich mich heute ernsthaft, ob es tatsächlich sichtbare Meteo-Menschen braucht, die in die Wetterkarten hineinfuchteln. Vielleicht werden wir in Zukunft auch Fussballkommentatoren im Bild sehen, die mit den Fingern auf die Spieler zeigen.
Was haben Ihre Kritiken bewirkt?
Die Leser haben sich vielleicht über kritische Äusserungen gefreut, die Fernsehmacher natürlich über Lob und Anerkennung. Ich habe als Erster auffallende Talente prominent erwähnt. Zum Beispiel Mona Vetsch (ein Moderations-Kunstwerk auf zwei Beinen), Sven Epiney (dieser junge Mann wird sicher mal eine Samstagabendkiste moderieren) und Roman Kilchsperger (die Entdeckung des Jahres). Oder Nick Hartmann, dem ich eine erfolgreiche Zukunft als volksnaher, humorvoller Moderator voraussagte. Das spontane Bauchgefühl hat diesen TV-Leuten sicher geholfen. Generell bin ich dem Fernsehen und seinen Machern eher positiv als negativ gegenüber gestanden. Das mit dem "bösen Kritiker" stimmt also nicht, jedoch das mit dem präzisen Beobachter. Das kann man in einer Kolumnenauflistung auf meiner Homepage www.kurt-paola-felix.ch gerne nachprüfen.
Wird Ihnen die wöchentliche Kolumne nicht ein bisschen fehlen?
Nein, so wenig, wie mir die Tätigkeit als Fernsehmacher seit meinem Rückzug vor bald zwei Jahrzehnten gefehlt hat. Im Gegenteil. Ich werde von Terminen befreit sein. Das empfinde ich als Luxus.
Was sind Ihre nächsten Projekte?
Solche habe ich keine, obwohl immer wieder Anfragen vorliegen. TV-Termine nehme ich nur sehr restriktiv wahr, wenn überhaupt. Das Privatleben hat absoluten Vorrang. Und das geniesse ich zusammen mit meiner Frau ab 2009 voll und ganz. Unser Freizeit- und Privatleben wollen wir von der medialen Öffentlichkeit so gut es geht fernhalten. In dieser standen wir mehr als unser halbes Leben lang.
(Interview: Matthias Ackeret)

