In der Westschweiz gehen dieser Tage neue regionale Fernsehformate privater Anbieter an den Start. Im Wallis strahlt der Sender "Canal 9" neu auch Sendungen auf Deutsch fürs Oberwallis aus. In der Waadt und Freiburg will "La télé" die SRG-Sender konkurrenzieren.
"La télé" ist aus dem Zusammenschluss der bisherigen Waadtländer Regionalsender ICI TV, Canal Nord Vaudois und TVRL entstanden. Die Eidgenossenschaft sorgte mit der Konzessionsvergabe dafür, dass "La télé" den Waadtländer Rahmen sprengt und im Kanton Freiburg aktiv wird.
800'000 potenzielle Zuseher
Der Sender, der hauptsächlich von Edipresse und von der Verlegerin der Freiburger Tageszeitung "La Liberté" (Imprimerie St-Paul) getragen wird, zählt in diesem Konzessionsgebiet laut eigenen Angaben 800'000 potenzielle Zuschauerinnen und Zuschauer. Damit deckt "La télé" einen ansehnlichen Teil des Hauptsendegebiets der SRG-Kanäle TSR1 und TSR2 ab. Die Verantwortlichen des neuen Sender verhehlen nicht, dass sie die staatlichen Kanäle bedrängen wollen.
Ihr Flaggschiff wird eine mit Nachrichten angereicherte Talk-Show sein, die zwischen 18.30 und 20.30 Uhr ausgestrahlt wird. Präsentiert und geleitet wird das Format von einem ehemaligen Anchorman des welschen Radios RSR, Fathi Derder. Wie bei der RSR will Derder mit der Sendung selber Akzente setzen. Er will nicht nur über Geschehenes berichten, sondern die Aktualität mit Eigenberichten und Interviews vorantreiben.
Kantonsgrenzen überwinden
Im Vordergrund steht nun in einer ersten Phase, die Bevölkerung in der Waadt und Freiburg vom Sinn des kantonsübergreifenden Kanals zu überzeugen. Die erste Sendung vom Mittwochabend mit 200 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft will deshalb der Frage nachgehen, was die Waadtländer und die Freiburger verbindet.
Welchen Marktanteil "La télé" der TSR abjagen will, wollte der Direktor Christophe Rasch nicht im voraus sagen. Für die Produktion der Sendungen stehen Rasch vorerst 40 Mitarbeitende - wovon 15 Journalisten - und 6,4 Millionen Franken zur Verfügung. Die budgetierten Einnahmen betragen nur 5,5 Millionen. Davon fliessen 3,2 Millionen aus Gebührengeldern. Das strukturelle Defizit soll mittelfristig über steigende Werbeeinnahmen abgebaut werden.
Sprachbarriere im Wallis soll fallen
Auch im Wallis müssen bisherige Grenzen überwunden werden, wenn die privaten Fernsehmacher Erfolg haben wollen. Im Bergkanton ist es gar die Sprachbarriere, die "Canal 9" einreissen will. Der bislang ausschliesslich im welschen Kantonsteil verankerte Sender, strahlt am (heutigen) Montag erstmals eine halbstündige Informationssendung auf Deutsch aus. Vorgesehen sind Nachrichten, ein Wetterbericht sowie aktuelle Bilder ohne Kommentar. Bis in zwei Jahren soll die Sendung fürs Oberwallis eine Stunde dauern.
Gemäss Konzessionsantrag sieht sich "Canal 9" als Brückenbauer zwischen den Kantonsteilen. Um diesem Vorsatz nachzuleben, sind sowohl die deutsche als auch die französische Redaktion gehalten, täglich ein Thema aus dem anderen Kantonsteil zu behandeln. (sda)

