"Das Schweizer Fernsehen hatte 2008 ein sehr erfolgreiches Jahr." Mit diesen Worten begrüsste Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre die Journalisten zur Jahresmedienkonferenz zum vergangenen Programmjahr. "Wenn 'Tag und Nacht' auch funktioniert hätte, würden wir vielleicht vom erfolgreichsten Jahr überhaupt sprechen." Die Nachfolgeserie von "Lüthi und Blanc" konnte die Erwartungen nicht erfüllen und wird nach der ersten Staffel eingestellt.
Als "Flop" des Jahres 2008 bezeichnete Deltenre die Eigenproduktion "Tag und Nacht", die beim Publikum durchfiel und bis zu ihrer Absetzung im Sommer ins sonntägliche Vorabendprogramm verschoben wurde. "Dass es den Leuten nicht gefallen hat, schmerzt natürlich", sagte sie. Die Serien-Eigenproduktion sei damit aber nicht gestorben. Eine Projektgruppe sei momentan daran, ein Nachfolgekonzept zu erarbeiten. "Wir wollen Serien produzieren, solange wir es finanzieren können." Der Zeitpunkt sei allerdings noch offen.
Höherer Marktanteil - weniger Werbeeinnahmen
Den Erfolg von SF belegte Deltenre in erster Linie mit dem gestiegenen Marktanteil gegenüber dem Vorjahr (von 33.5% auf 34.2%). Zudem bescheinigt eine Imagestudie dem Sender gute Noten. SF ist beim Publikum in allen Sparten der Sender der ersten Wahl. Der Beliebtheit beim Publikum stehen die gesunkenen Werbeeinnahmen gegenüber.
Die SF-Vermarkterin publisuisse konnte 2008 5 Prozent weniger Werbeumsatz generieren als 2007. Der Einbruch erfolgte vor allem im letzten Quartal. Bei der Fernsehwerbung für die Programme der SRG resultierte ein Nettoumsatz von 293 Millionen Franken. Deltenre räumte ein, dass SF bei der TV-Werbung in Zukunft im besten Falle stabile Werte erwarte, aber kein Wachstum.
Konkurrenzumfeld wird immer grösser
Die Fernsehdirektorin strich heraus, dass der leicht gestiegene Marktanteil des Schweizer Fernsehens hoch einzustufen sei, weil Telecontrol nur die TV-Rezeption über den klassischen Kanal misst. Medien würden vermehrt aber auch über andere Medien konsumiert. Auch bei SF werden laut Deltenre Programme auch immer öfter über Podcast oder die Sender-Website zeitverschoben angeschaut.
Neben den neuen Medien, muss sich SF aber auch gegen immer mehr Sender, die in der Schweiz empfangen werden können durchsetzen. Laut Angaben von Publica Data werden hierzulande momentan 93 Sender mindestens einmal eingeschaltet. Dass es schwierig ist, in diesem Umfeld Marktanteile zu halten, zeigt laut Deltenre auch ein Blick über die Grenze. So haben die deutschen Sendern in ihren Heimmärkten kaum Marktanteile dazu gewonnen.
Seitenhieb auf Roger Schawinski
Eine Ausnahme bildet Sat.1. Der Sender hat wie das Schweizer Fernsehen den Marktanteil um 0,7 Prozent steigern können. Dies verleitete Deltenre zur Klammerbemerkung: "Seit Roger Schawinski nicht mehr alles selber macht, geht es dem Sender wieder besser." Dies war wohl ein Seitenhieb auf den Kommentar des Medienpioniers im "Tages-Anzeiger" zur angestrebten Fusion von SF und Radio DRS.
Ingrid Deltenre liebäugelt bekanntlich mit dem Job einer "Superdirektorin" für Fernsehen und Radio. Schawinskis Meinung: "Es ist für Kenner der Materie schlicht nicht vorstellbar, wie eine einzige Person die Programmverantwortung für einen solchen unübersehbar grossen täglichen Output auf seriöse Weise übernehmen kann."
(Text: Stefan Wyss)
--> SF: Programm 2009 im Zeichen der Swissness

