06.09.2005

Deutschland

Politik-Show im TV lässt Wähler kalt

Welchen Einfluss haben TV-Duelle auf das Wahlergebnis?

Das Fernsehen ist unbestritten die wichtigste Arena der Politik im Wahlkampf. 21 Mio. Zuseher haben in Deutschland am Sonntag die Diskussion zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seiner Herausfordererin Angela Merkel mitverfolgt. Knapp 62 Mio. Deutsche sind am 18. September Wahl berechtigt, rund 2,6 Mio. davon zum ersten Mal. Um immer mehr Politik verdrossene, aber nicht unbedingt an Politik uninteressierte Menschen zu erreichen, wird nicht nur die Politik selbst, sondern auch die Berichterstattung über Politik immer mehr mit Unterhaltung aufgepeppt. Die Frage drängt sich auf, welchen Einfluss solche Medienevents auf die Wahlentscheidung der Bürger haben?

"Politik kann unglaublich langweilig und sehr komplex sein", so Christian Schicha, Medienwissenschaftler an der Universität Marburg, im Gespräch mit pressetext. Im "Kampf um Aufmerksamkeit" sei daher "symbolische Politikinszenierung" nur verständlich und keineswegs neu. Eine jüngere Entwicklung sei jedoch, dass politische Berichterstattung immer mehr Elemente der Sportberichterstattung aufweist: eine TV-Diskussion wird zum Duell, das Studio zur Wahlkampfarena. "Amerikanisierung" ist der Begriff den Politikwissenschaftler dafür gerne verwenden. Der Wahlkampf wird zum "Horse Race", zum Kopf-an-Kopf-Rennen der Spitzenkandidaten und das Fernsehen zum wichtigsten Austragungsort des Wahlkampfes. Die Unterhaltungselemente nehmen zu. "Auch seriöse Politikmagazine arbeiten zunehmend mit Satire", so Schicha. Darüber hinaus entdeckt auch der Unterhaltungssektor Politik immer mehr als Nische. Schicha nennt als Beispiel die "Harald Schmidt Show", die politischer geworden sei. Wie pressetext berichtete, wird auch Stefan Raab eine "TV total Bundestagswahl" vor der Wahl inszenieren.

Den Einfluss auf das Wahlverhalten dieser Medienevents hält Schicha jedoch für gering, jedenfalls für "nicht Wahl entscheidend". TV-Events wie das Duell der Spitzenkandidaten seien bereits "irgendwie ein Ritual" in Medienwahlkämpfen. Schicha glaubt nicht an eine "große Auswirkung des TV-Duells auf die Wahl". Es sei zudem schwer zu sagen, ob bestehenden Kandidatenpräferenzen durch derartige Medienevents geschwächt oder verfestigt werden. Tendenziell glaubt der Medienwissenschafter eher an eine Verfestigung. Noch schwerer sei eine Aussage über den Einfluss von popkultureller Unterhaltung, etwa der "TV total Bundestagswahl", auf die Wahl. Hier sei anzunehmen, dass es sich um ein eher junges und politisch desinteressiertes Publikum handelt. Jedenfalls seien popkulturelle Ausflüge in die Politik "nicht mehrheitsfähig", so Schicha im pressetext-Interview.


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