Wenn es in den letzten zwei Jahrzehnten etwas aus der Optik der Medienwissenschaft zu beleuchten gab, war Roger Blum zur Stelle. Ende Januar geht der Berner Publizisitkprofessor in Pension und zieht nach Köln. Verstummen wird er deswegen nicht. Auf die Frage, welche Gefühle bei ihm das Wort "emeritiert" auslöse, antwortet der abtretende Leiter des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Bern (IKMB): "Nicht so schlechte. Ich habe das nun 20 Jahre lang gemacht und freue mich auf die Zeit, die nun kommt."
So will er endlich das längst geplante Buch mit einem Vergleich des politischen Journalismus in sechs Ländern schreiben. Blum bleibt zudem Präsident der Unabhängigen Beschwerde Instanz (UBI). Und er will wieder als Journalist arbeiten. Er möchte zu medienwissenschaftlichen Themen publizieren. Weiterhin beabsichtigt er, Kolumnen zu aktuellen politischen Themen oder Porträts von interessanten Menschen schreiben.
om Medien-Virus befallen wurde der heute 65-Jährige schon früh. Als Schüler interessierte er sich bald einmal für die Zeitungslektüre. 1956, zur Zeit des Ungarn-Aufstandes, habe er alle Zeitungen gelesen und intensiv Nachrichten gehört. Mit der Passion für das Geflecht Medien-Geschichte-Politik war die Basis für seine gesamte berufliche Laufbahn gelegt. Hundertschaften von Studierenden hat er diese Passion und seine publizistischen Werte in der Zwischenzeit mit auf den Weg zu geben versucht.
Unlängst hat er zwar in einem Vortrag die Qualität des Journalismus in der Schweiz als im Grossen und Ganzen gut gewürdigt. Als glühender Verfechter der Medienfreiheit gefällt ihm trotzdem längst nicht alles, was diese in den letzten Jahren hervorbrachte. Besonders stört er sich an der schleichenden Entpolitisierung der Zivilgesellschaft durch oberflächliche Gratismedien, die zu oft zwischen den beiden Polen "Kein Thema" und "Skandal" entschieden. Auch die Monopolisierungstendenzen in der Zeitungslandschaft vieler Regionen der Schweiz beobachtet Blum mit Sorge. (sda)

