18.05.2010

"Deutsche Wochenzeitung Schweiz"

Projekt gescheitert

Journalisten erhielten ihre Honorare nie.

Wie eine Seifenblase geplatzt ist die "Deutsche Wochenzeitung Schweiz". Nach einer einzigen gedruckten Ausgabe im November 2009 vegetierte die Publikation von Ljubljana (Slowenien) aus neun Wochen lang noch im Internet weiter. Nun ist auch das zu Ende. Die für eingewanderte Deutsche geschaffene Publikation ist damit Geschichte, bestätigte die designierte und nie amtierende Chefredaktorin Christina Burghagen einen Bericht im "Tages-Anzeiger" vom Dienstag. Die "an sich bestechende Idee" habe nie abgehoben. Bei einer Viertelmillion gut gebildeter Deutscher in der Schweiz hätte eine Wochenzeitung für die Auswanderergemeinde durchaus Chancen haben können.

Die eine Ausgabe der "Zeitung für Deutschlesende" (Eigenwerbung) wurde von Ringier gedruckt. Wie Konzernsprecher Stefan Hackh bestätigte, wartet das Unternehmen immer noch auf die Begleichung der Druckrechnung. Es handle sich aber nicht um einen exorbitanten Betrag. Nicht nur die Drucker warten auf ihr Geld und die Abonnenten auf ihre Zeitung: Nach Angaben Burghagens wurden auch Honorare für Journalisten nie bezahlt. Sie allein blieb auf Lohnforderungen von rund 14'000 Franken sitzen. Die Arbeit für die "Deutsche Wochenzeitung" war aufreibend, weiss sie weiter zu berichten. Die Kontakte für die Online-Ausgabe in Ljubljana seien chaotisch und mühsam gewesen.

Zuletzt habe offenbar eine "Deutsche Welt" in London die Federführung übernommen. Von dort aus sei sie zur Übernahme der Zeitung aufgefordert worden. Am Schluss stellte sich heraus, dass die Londoner Adresse falsch war, berichtet die Journalistin.

Zurück bleiben neben dem Berg unbezahlter Rechnungen viele offene Fragen. Im Zentrum: Der Chefredaktor und Initiant Ole Glausen. Dieser mit Fug und Recht als "schillernd" zu bezeichnende Mann hatte mit der Lancierung des Blatts in der Schweiz und beim nördlichen Nachbarn medial für Furore gesorgt. Die "Deutsche Wochenzeitung" habe bereits 2000 Abonnenten, erklärte Glausen. Bis Ende 2010 sollte das Blatt gar die Gewinnschwelle erreichen. Unbeachtet blieb weitherum, dass Glausen bereits mit mehreren Medienprojekten Schiffbruch erlitten hatte.

Zudem fungierte Glausen 2002 als Aushängeschild des "Nuklearen Abrüstungsforums" - damals noch unter dem Vornamen "Ueli". Das Forum wollte in Zug einen Friedenspreis an Wladimir Putin verleihen - mitten im blutigen Krieg in Tschetschenien. Indessen: Putin kam nicht und diverse geladene Politiker distanzierten sich. Wer immerhin anreiste war Michail Gorbatschow, der letzte Staatschef der Sowjetunion. Glausen ist derzeit nach Angaben Burghagens abgetaucht. Gegenüber dem "Tages- Anzeiger" erklärte er sich aber als nicht mehr zuständig für sein jüngstes Kind, die Zeitung für Deutsche.

Christina Burghagen ist überzeugt, einem Hochstapler aufgesessen zu sein. Dem Blatt-Initianten gehe es dabei wohl nicht um materiellen Gewinn. Vielmehr scheine sich Glausen gerne im Glanz der Öffentlichkeit zu sonnen. Dass in Bälde eine "Neue Deutsche Wochenzeitung" erscheinen soll, liess sich am Dienstag nicht erhärten. Ein vom "Tages-Anzeiger" aufgetriebener "Teamleiter" aus Frankfurt antwortete nicht auf eine E-Mail-Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. (sda)


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