Das rätoromanische Radio und Fernsehen der SRG SSR idée suisse steht gefestigt in der Medienlandschaft. Die Sendungen finden beim Publikum hohe Beachtung. Sorgen bereitet der kleinsten SRG-Einheit die Abnahme jener Personen, die Romanisch verstehen. Bernard Cathomas, Direktor von Radio e Televisiun Rumantscha (RTR), kann im Mai die Geschäfte Mariano Tschuor übergeben und in der Gewissheit in Pension gehen, dem Nachfolger ein geordnetes Haus zu überlassen. 2008 hat RTR die führende Stellung bei der rätoromanisch sprechenden Bevölkerung erneut ausgebaut.
Eine repräsentative Befragung von über 2000 Personen ergab, dass die Hörerschaft von Radio Rumantsch von 57 Prozent im Jahr 2007 auf 62 Prozent im Jahr 2008 gestiegen ist. 2008 war das erste volle Jahr, in dem das Radio rund um die Uhr präsent war. Das Sendevolumen stieg von 7172 auf 8784 Stunden, wie Direktor Cathomas am Dienstag in Chur sagte.
Eigener Kanal auf der Wunschliste
Nicht erreicht wurde der angestrebte Ausbau der Sendezeit für das rätoromanische Fernsehen. Der SRG fehlt das dafür notwendige Geld, wie Cathomas erklärte. Trotzdem bleibe die Diskussion für mehr Sendezeit auf einem besonderen Kanal aktuell. Sorgen bereitet den Radio- und Fernsehmachern der Rückgang jener Personen, die Rätoromanisch verstehen. Dieser Bevölkerungsanteil sank im Kanton Graubünden von 41 Prozent im Jahr 2000 auf mittlerweile noch 33 Prozent. Laut Cathomas liegt in diesem Rückgang das "grösste Risiko" von RTR.
Zum zweiten Mal ein Gewinn
Setzt sich der Trend ungebrochen fort, könnte eines Tages die Frage der Existenzberechtigung von RTR auftauchen. Im Moment sei die Sprachgemeinschaft aber stark, auch im Selbstbewusstsein. Das "Problem der kleinsten Zahl" stelle sich noch lange nicht, betonte Cathomas. RTR beschäftigt 163 Personen, verteilt auf 123 Vollzeitstellen. Die Jahresrechnung schloss bei einem Umsatz von rund 23,5 Millionen Franken zum zweiten Mal in Folge mit einem Überschuss ab. 2008 betrug er 463 000 Franken. Der Anteil von RTR am SRG-Gesamtbudget beläuft sich auf 1,3 Prozent. Bei einem landesweiten Bevölkerungsanteil von rund einem Prozent sei der Minderheitenbonus bescheiden, sagte Cathomas. (sda)

