Das polnische Kulturradio "Dwojka" hat am Mittwoch ausschliesslich Vogelgezwitscher gesendet - aus Protest gegen die "mangelhafte Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks". Alle zehn Minuten wurde eine Erklärung verlesen, in der auf die dramatische finanzielle Situation des Senders aufmerksam gemacht wurde. Die Existenz des Programms sei wegen eines "dramatischen Rückgangs" der Einnahmen aus Rundfunkgebühren gefährdet.
Der webefreie Sender hat sich auf klassische Musik, Jazz und Literatur spezialisiert. Die Redaktion organisiert zahlreiche Musikfestivals, unter anderem den Warschauer Herbst. Nach Angaben von 2006 erreicht der Kulturkanal rund 1,6 Prozent der polnischen Radiohörer. Die Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk hatte nach den gewonnenen Parlamentswahlen im Herbst 2007 angekündigt, die Rundfunkgebühren abzuschaffen. Dies führte zu einem massiven Rückgang der Einnahmen. Gemäss Schätzungen bezahlen nur noch 40 Prozent der Fernseh- und Radionutzer die Gebühr.
Vor zwei Wochen konnte die Regierung zwar ein Mediengesetz durchsetzen, in dem eine Finanzierung aus dem Staatshaushalt garantiert ist. Ob dieses Gesetz bald in Kraft treten kann, ist aber unsicher, da ein Einspruch des Präsidenten Lech Kaczynski erwartet wird. (sda)

