05.07.2009

"Bund"

Rätselhaftes Schreibverbot für Journalist

Berner Kantonsregierung und "Bund"-Chef in der Kritik.

"Bund"-Redaktor Richard Aschinger ist für die Berner Kantonsregierung ein journalistischer Dorn im Auge. Es geht um die Berichterstattung des nicht unumstrittenen Neubau des S-Bahnhofes unter dem Berner SBB-Bahnhof. Seit 2006 hatte Aschinger in mehreren Artikeln Zweifel an der Realisierbarkeit und am Sinn des Milliardenprojektes geäussert.

Wie die "NZZ am Sonntag" schreibt, sehr zum Ärger der Baudirektorin Barbara Egger (sp.), die auf den Journalisten gar nicht gut zu sprechen sei. Im November 2008 beispielsweise erteilte Egger Aschinger an einer Pressekonferenz eine minutenlange Schelte. Am 12. Juni kam es offenbar zur erneuten Eskalation. Nach einem neuen Artikel von Aschinger, intervenierte Regierungssprecher Christian Kräuchi bei Chefredaktor Artur K. Vogel. Daraufhin untersagte Vogel Aschinger, den "Bund" an einer Medienkonferenz (MK) von Egger zu vertreten, die drei Tage später stattfand. Im "Bund"-Intranet heisst es dazu, Kräuchi habe gedroht: "Regierungsrätin Egger werde den an der MK öffentlich abkanzeln, falls Richard Aschinger erscheine."

Diese Darstellung stimme nicht, sagen Kräuchi und Vogel. Kräuchi habe kein Schreibverbot gefordert. Vielmehr, sagt Vogel, habe er entschieden, zwei andere Journalisten an die Medienkonferenz zu delegieren, "um die Situation zu deeskalieren und weil auch die beiden Gewähr für eine sachdienliche Berichterstattung boten".

Pikanterweise wurde an der Medienkonferenz ein Gutachten präsentiert, das Aschingers Kritik teilweise bestätigt, wie tags darauf ausgerechnet das Konkurrenzblatt "Berner Zeitung" konstatierte, schreibt die "NZZaS". Nach einer "Bund"-internen Debatte über die Pressefreiheit darf inzwischen auch Aschinger wieder über das Thema schreiben. Die Regierung hingegen hat nun auch noch Beschwerde beim Presserat gegen den "Bund" eingereicht. Laut Kräuchi wehrt sie sich nicht gegen Kritik, sondern gegen gewisse Aspekte in den Artikeln, die falsch seien. Aschinger äusserte sich nicht zur Affäre. (Quelle: "NZZaS")


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