23.01.2018

Abbau bei der SDA

Redaktion streikt und wird prominent unterstützt

Drei Stunden lang haben die Mitarbeitenden ihre Arbeit niedergelegt. Rund 200 Personen solidarisierten sich an der Protestveranstaltung in Bern – darunter Politiker, Journalisten und Kulturschaffende. Nun will die Reko zuerst nochmals den «Puls der Redaktion fühlen».
Abbau bei der SDA: Redaktion streikt und wird prominent unterstützt
Rund 200 Personen waren vor Ort: Zahlreiche Journalisten, Politiker und weitere Anwesende im Saal des Mappamondo in Bern. (Bild: Keystone/Peter Schneider)
Michèle Widmer und Edith Hollenstein



Am Dienstagnachmittag hat die SDA-Redaktion ihre Drohung wahr gemacht und während drei Stunden gestreikt. Am Montag hatte die Führung der SDA die Forderungen der Redaktionskommission abgelehnt. Die Hauptforderung bestand darin, dass das Ausmass und der Zeitpunkt der Kündigungen Teil der Verhandlungen werden müssen. Die SDA muss rund 36 von 150 Vollzeitstellen abbauen. Rund 80 Mitarbeiter sind davon betroffen. Bis Ende Monat wird über Frühpensionierungen und Entlassungen informiert. Nur beim Sozialplan habe sich die Direktion in einigen Punkten verhandlungsbereit gezeigt, schreiben Mediengewerkschaft Syndicom und Journalistenverband Impressum in einer Mitteilung.

«Wir starten Stufe eins und führen einen Warnstreik durch», sagte Reko-Mitglied Sebastian Gänger am Dienstagmorgen auf Anfrage von persoenlich.com. Der Inlandredaktor ist zurzeit für die SDA am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos, ist aber in regem Austausch mit seinen Kollegen in Bern. Mit seinen Kollegen klappte er um 14 Uhr das Laptop zu - obwohl kurzfristig ein Point de Press mit Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann angekündigt worden war.




Oswald Sigg, Matthias Aebischer und Büne Huber

Die SDA-Kolleginnen und Kollegen in Bern versammelten sich um kurz vor 14 Uhr, um gemeinsam der Länggassstrasse entlang zum Lokal Mappamondo zu marschieren. Mit dabei waren Vertreter der Gewerkschaften, andere Journalisten sowie verschiedene Politiker. Die Grünen-Präsidentin Regula Rytz hielt eine kämpferische Rede für die SDA. Auch der frühere Bundesratssprecher Oswald Sigg trat ans Mikrofon. Später hat SP-Politiker Matthias Aebischer vor den Anwesenden gesprochen. Der ehemalige SRF-Journalist forderte die Regierung in Bern auf, nochmals grundsätzlich zu überlegen, was sie will. Die SDA sei in Sachen Medienqualität ein ganz wichtiger Faktor. Darum sollte sich der Bund stärker an ihr beteiligen, «zum Beispiel über einen Teil aus dem Mediengebühren-Topf. Ziel muss sein, dass die SDA mit der jetzigen journalistischen Qualität überleben kann», sagte Aebischer am Rande im Interview mit persoenlich.com. Er plant, dass es aus seinem Vorstoss eine Motion der gesamten SP-Fraktion geben wird. Auch Kulturschaffende solidarisierten sich mit der SDA. Büne Huber von Patent Ochsner befand sich im Saal.

Insgesamt kamen über 200 Personen im Mappamondo zusammen. Immer wieder mussten Redaktorinnen oder Redaktoren der SDA den Saal für ihr Mitarbeitergespräch mit der Führung verlassen. 10 Minuten pro Person hat die Direktion dafür eingeplant.

Dienstliche Anweisung von Direktion

Die Direktion hatte vom Streik erfahren und am Vormittag eine dienstliche Anweisung an die Mitarbeitenden verschickt. Darin machte die Führung darauf aufmerksam, dass ein rechtswidriger Streik Rechtsfolgen haben kann. Zudem wollte sie vermeiden, dass die Redaktion den SDA-Kanal «zweckentfremdet». «Über den Nachrichtenkanal der SDA dürfen nur Meldungen gemäss den üblichen journalistischen Kriterien verbreitet werden», heisst es im Mail, das persoenlich.com vorliegt. Entsprechend sei die Nutzung des Kanals zur Kommunikation und Propagierung von Arbeitskampfmassnahmen unzulässig. Und: Alle Meldungen müssten ab sofort und bis auf weiteres durch die Redaktionsleitung freigegeben werden. Über den Twitteraccount Inside_SDA/ATS lässt die Reko verlauten, dass die geplante Aktion rechtsmässig ist.

Die SDA informierte ihre Kunden über den «Notdienst» am Nachmittag aufgrund des Streiks. «Die Direktion hat am Mittag eine Kadersitzung einberufen und die Ressortleiter dazu angehalten, die Mitarbeiter gehen zu lassen, den Dienst aber aufrechtzuerhalten», sagte Reko-Sprecher Sebastian Gänger am Nachmittag. Am Abend wurde über die SDA eine Mitteilung über den Streik verschickt.

«Puls der Redaktion fühlen»

Angesprochen auf ein Fazit sagte Gänger: «Wir sind überwältigt von der breiten Solidarität für die SDA.» Wie es nun weitergeht und ob Stufe zwei - ein länger dauernder Streik - durchgeführt wird, wusste der Reko-Sprecher noch nicht. «Nach dem Warnstreik müssen wir zuerst einmal den Puls der Redaktion fühlen», sagte er.

Zurzeit würden Kündigungsgespräche laufen, welche für einzelne Mitarbeiter sehr emotional seien. Klar ist aber: «Die Reko hat letzte Woche mit nur acht Gegenstimmen und vier Enthaltungen das Mandat für Kampfmassnahmen erhalten.» Das beinhalte auch Stufe zwei.

Schwab nicht überrascht

CEO Schwab zeigte sich nicht überrascht von der Arbeitsniederlegung. Er verstehe, dass die SDA-Mitarbeitenden mit den Änderungen nicht zufrieden seien. Ihre Aktion sei legitim, sagte Schwab auf Anfrage der Nachrichtenagentur.

Zum weiteren Vorgehen sagte Schwab, die neuen Vorschläge der Redaktions-Kommission würden geprüft. Er könne sich vorstellen, dass beim Sozialplan noch weitere Einigungen gefunden werden könnten. «Die Türe ist offen, so wie sie schon immer offen war», sagte Schwab. Am Umfang des Sozialplans von zwei Millionen Franken dürfte sich aber nichts ändern.



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Kommentare

  • martina müller, 23.01.2018 17:05 Uhr
    stell dir vor die sda streikt - und keiner merkts. sda ist doch auch so ein dinosaurier, wie patriarchen oder analog tv schauen .... bald alle weggestorben!
Kommentarfunktion wurde geschlossen

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