23.01.2018

Abbau bei der SDA

«Was bei der SDA passiert, ist ein Skandal»

Matthias Aebischer will die SDA retten. Dafür soll der Bund einspringen und nicht nur 2 Millionen, sondern eher gegen 20 Millionen Franken jährlich an Subventionen auszahlen, so der SP-Nationalrat. Mit seinem Auftritt am Dienstag in Bern wollte er der SDA-Belegschaft Mut machen.
Abbau bei der SDA: «Was bei der SDA passiert, ist ein Skandal»
Kämpferische Rede am Dienstagnachmittag in Bern: SP-Nationalrat Matthias Aebischer lobt die streikenden SDA-Mitarbeitenden. (Bild: Keystone/Peter Schneider).
von Edith Hollenstein

Herr Aebischer, über 200 SDA-Journalisten, Ehemalige, Gewerkschaften sowie Leute aus Politik und Kultur zeigten sich am Dienstag solidarisch (persoenlich.com berichtete). Wie haben Sie die Stimmung erlebt?
Auf der Redaktion der SDA arbeiten Leute, die mit dem Kopf arbeiten und nicht primär die Öffentlichkeit suchen. Dass sie nun streiken und vom SDA-Gebäude hier ins Restaurant Mappamondo gekommen sind, ist fast schon ein Kraftakt. Dieser ist wichtig, auch als Signal für die Politik. Was bei der SDA jetzt passiert, ist ein Skandal.

Nun wollen Sie mit Ihrem Vorstoss* die SDA und damit das Geschäft der Verleger retten?
Um das zu erklären, muss ich etwas ausholen: Wir haben hier in der Schweiz eine der besten Medienkulturen – wenn nicht die beste weltweit. Es gibt hier Medienvielfalt und Meinungsfreiheit. Es kann geschrieben und gesagt werden, was man will. Zudem gibt es eine hohe Qualität bei den Medien – und daran hat die SDA einen sehr hohen Anteil. Fast alle Zeitungen, Onlineportale oder Radios verwenden die Meldungen der SDA. Viele Leser wissen nicht, dass etwa bei «20 Minuten» ein sehr grosser Anteil der Inhalte die SDA geschrieben hat. Und jetzt will man ein Drittel der Stellen streichen und glaubt gleichzeitig, dass die Qualität gleich bleiben wird?

Da wollen Sie ansetzen.
Ja, hier muss die Politik sich überlegen, was sie will. Wie gesagt ist die SDA in Sachen Medienqualität ein ganz wichtiger Faktor. Darum sollte sich der Bund stärker an ihr beteiligen, zum Beispiel über einen Teil aus dem Mediengebühren-Topf. Ziel muss sein, dass die SDA mit der jetzigen journalistischen Qualität überleben kann.

Sie wollen also keine rein staatliche Finanzierung der SDA.
Nein, ideal wäre, wenn das die Verleger mit dem Bund zusammen machen.

Ein solches Modell hat ja Bundesrätin Doris Leuthard in Aussicht gestellt: Künftig gibt es für die SDA jährlich 2 Millionen Franken Subvention. Damit kommt man aber nicht besonders weit.
Ja, es geht nicht um 2 Millionen sondern eher um 20 Millionen Franken jährlich. In unserem Modell wäre der Bund ein starker Aktionär und könnte auch Bedingungen definieren. Zum Beispiel eben, dass die SDA den Aktionären weiterhin keine Dividenden ausbezahlt. Ein Medienunternehmen wie die SDA muss ein Non-Profit-Unternehmen sein.

Sie haben Angst, dass künftig die österreichische Agentur APA profitiert.
Im aktuellen Modell wird das Unternehmen «betriebswirtschaftlich fit getrimmt», wie man so schön sagt. Was als Gewinn bleibt, fliesst bei der fusionierten SDA-Keystone als Dividende an die Aktionäre, substantiell auch an den neuen SDA-Investor APA, die österreichische Nachrichtenagentur. Und das dank Entlassungen und somit auf Kosten der Qualität. Das ist doch skandalös! Vor diesem neuen Hintergrund muss der Bundesrat seine Geldflüsse nochmals überprüfen und zwar von Grund auf.

Die österreichische Beteiligung könnte nicht nur Nachteile haben. Die APA gilt als Tech-Vorreiterin. Sie betrieb einen der europaweit ersten Newsrooms und experimentiert derzeit mit Algorithmen zur Herstellung von Sportberichten. Dieses Know-how könnte die SDA voranbringen.
Ich hoffe, in Ihrer Frage steckt viel Ironie. Denn so sollte die SDA eben genau nicht werden. Zur SDA gehören keine Algorithmen, sondern Inhalte. Vielleicht sind diese Inhalte trocken. Die knackigen Schlagzeilen können meinetwegen diejenigen machen, die mit Algorithmen arbeiten. Die Redaktionen können die SDA-Meldungen verarbeiten und als Rohmaterial für ihre eigenen Texte verwenden.

Trotzdem: Die SDA könnte durchaus einen technologischen Schub brauchen. Sie ist ja nicht besonders agil und technologiegetrieben.
Das hat mit Agilität überhaupt nichts zu tun. Bei der SDA geht es um Knochenarbeit, um das Vermitteln von Inhalten. Da braucht es keine neue Technologie, sondern einen Computer und einen Menschen mit einem Hirn, der denken und Sachverhalte zusammenfassen kann.

 






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 *Im Entwurf zur Interpellation (vgl. Screenshot oben) bittet Matthias Aebischer den Bundesrat, verschiedene Fragen zur SDA, den Cheflöhnen sowie einer möglichen Subventionierung zu beantworten. Er hofft, dass es zusätzlich eine Motion der gesamten SP-Fraktion geben wird.

 



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Kommentare

  • Anita Herzig, 24.01.2018 11:43 Uhr
    Aebischers Interpellation ist zu begrüssen, wenngleich die Fragestellungen noch optimiert werden können. Der Personalabbau bei der SDA wird zwangsläufig zu einem Abbau von seriös recherchierten Beiträgen führen – zumindest mengenmässig. Bei der ganzen Diskussion scheint mir wichtig, das Volk genau aufzuklären, welch zentrale Rolle die SDA in der Schweizer Medienlandschaft spielt und woher auch der Bund den wohl grössten Teil seiner Informationen bezieht. Bund und Emek stehen hier in besonderer Verantwortung, wenn wir unsere Demokratie nicht mit gratis Pseudojournalismus an die Wand fahren wollen.
  • Roger Doelly, 24.01.2018 15:16 Uhr
    «Fast alle Zeitungen, Onlineportale oder Radios verwenden die Meldungen der SDA». Zu einem grossen Teil, wie Aebischer richtigerweise schreibt. Von welcher Medienvielfalt spricht der SP- und Ex-SRG-Mann denn nun? Und inwiefern soll das die Unabhängigkeit steigern, wenn der Staat mit (noch mehr) Subventionen bei der einzigen Schweizer Nachrichtenagentur einspringt? «In unserem Modell wäre der Bund ein starker Aktionär und könnte auch Bedingungen definieren.» Nein danke!
  • Christian Hirt, 24.01.2018 18:12 Uhr
    Schade hat das Parlament mit dem neuen RTVG einen Ballenberg für die Medienlandschaft Schweiz produziert. In der Abstimmungsfrage No Billag wird es nur Verlierer geben, egal ob ja oder nein gestimmt wird. Staatliche Medienförderung wäre unter der Prämisse einer digitalisierten Gesellschaft neu zu denken, das wäre eigentlich die Aufgabe des Parlaments. Eine SRG, die per Gesetz auf Radio und Fernsehen fokussieren muss, liegt in der heutigen Medienlandschaft mit dem Credo Online-First und der zunehmenden Medienkonvergenz ziemlich quer. Freier Auslauf für die SRG im Onlinebereich produziert massive Wettbwerbsverzerrungen. Ad hoc Übungen wie ein Versuch die SDA zu retten, bringen mehr die Hilf- und Konzeptlosigkeit zum Ausdruck, als dass sie etwas nützen. Staatliche Medienförderung müsste man unter Berücksichtigung der digitalen Medien, dem Anspruch als vierte Gewalt und der Medienvielfalt nochmals neu denken.

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