10.11.2019

SRF

Regionale Web-Auftritte werden eingestellt

Stattdessen will SRF regionale Geschichten «gut sichtbar auf der Front von srf.ch» platzieren. Dazu müssten die Redaktoren ihre Arbeitsweise ändern. Sie sollen sich «von den schnellen News-Deskern hin zu Autorinnen mit überregionaler Strahlkraft» entwickeln.
SRF: Regionale Web-Auftritte werden eingestellt
Regionale Inhalte aus Graubünden, Basel, St. Gallen und Schaffhausen werden künftig über die Social-Media-Kanäle von SRF News verbreitet. (Bild: Keystone: Anthony Anex)

Die Leitung von Schweizer Radio und Fernsehen SRF hat laut der «SonntagsZeitung» «eine weitere Zentralisierung» beschlossen. Sie habe den Lokalredaktoren mitgeteilt, dass sämtliche regionalen Internetportale eingestellt würden. SRF wolle auch die erst kürzlich als Pilotprojekt lancierten Facebook-Auftritte der SRF-Regionalredaktionen in Basel, Bern und St. Gallen abschaffen. Zudem solle es künftig im Regionalbereich auch keine reinen Online-Redaktoren mehr geben.

Mitarbeitende übten Kritik

Zur Begründung habe die SRF-Führung in einer Mitarbeiterinformation angegeben, dass eine «umfassende quantitative Analyse der Markt- und Publikumsforschung» ergeben habe, dass die Artikel auf den Regionalseiten kaum Reichweite generierten. Die SRF-Chefs hätten aber betont, dass es sich bei der Abschaffung der regionalen Seiten explizit nicht um ein Sparprogramm handle. Zahlreiche Mitarbeiter hätten intern daraufhin aber offen Kritik an dem Entscheid geübt, heisst es in der «SonntagsZeitung»: «Erstaunlich viele kritisieren die Zentralisierung im internen Blog offen und undiplomatisch. So schreibt ein SRF-Mitarbeiter, es liege in der Natur der Sache, dass kleine lokale Geschichten nicht so häufig angeklickt werden wie die nationalen.» Ein anderer Mitarbeiter mache darauf aufmerksam, dass etwa in der Region Aargau-Solothurn nach diesem Abbau die kleinen News-Geschichten aus den Gemeinden online fast ausschliesslich den Tageszeitungen überlassen würden. Medienvielfalt gehe anders.

«Keine Zentralisierung»

Das sei nicht so, hält SRF am Sonntagvormittag gegenüber persoenlich.com fest. Bei der der Präsentation der neuen Strategie bei den Regionalredaktionen habe sich gezeigt, dass die Mehrheit der betroffenen Mitarbeitenden diese Neuausrichtung begrüsse, so Mediensprecher Stefan Wyss.

Er betont, dass sie – anders als die «SonntagsZeitung» geschrieben hatte – keine  «Zentralisierung» sei: «Die regionalen Inhalte werden auch weiter in den Regionen produziert.» Von der Neuausrichtung seien die regionalen Radio- und TV-Sendungen nicht betroffen, es gehe lediglich um die regionalen Web-Unterseiten auf srf.ch. Überhaupt sei es so, dass es bei den SRF-Regionalredaktionen nie reine Online-Redaktoren gegeben habe, es sei «schon immer bimedial für Broadcast und Online gearbeitet» worden.

Mehr aufwändige Themen

Die neue Strategie umreisst Wyss wie folgt: Die regionalen Web-Auftritte respektive Landingpages werden eingestellt. Stattdessen würden regionale Geschichten «gut sichtbar auf der Front von srf.ch und srf.ch/news platziert». Das gleiche gelte für die Facebook-Auftritte der Regionalredaktionen in Basel, Bern und St. Gallen. Regionale Inhalte würden künftig auf den Social-Media-Kanälen von SRF News verbreitet.

Die Anzahl regionaler Geschichten – das betrifft vor allem Kurz-News – werde bewusst reduziert zu Gunsten aufwändigerer Recherchen oder überregionaler Themen. «Das heisst, die Regionalredaktionen investieren künftig weniger Ressourcen in regionale Kurz-News, dafür mehr Ressourcen in aufwändige Hintergründe bei grossen regionalen Themen», so SRF-Sprecher Wyss. So würden die regionalen Inhalte sogar an Bedeutung gewinnen, weil sie für das Publikum in der ganzen Deutschschweiz aufbereitet würden.

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Darüber hinaus betont Wyss auch gegenüber persoenlich.com, dass das «explizit kein Sparprogramm» sei. «Es gibt keinen Stellenabbau.» Die digitale Produktion werde weiterhin mit dem gleichen Aufwand betrieben. Allerdings ändere sich das Jobprofil der regionalen Online-Redaktorinnen und -Redaktoren «von den schnellen News-Deskern hin zu Autorinnen mit überregionaler Strahlkraft». (eh)



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Kommentare

  • Robert Weingart , 10.11.2019 20:46 Uhr
    Das geht wohl nur, wenn man auf Leute mit Erfahrung setzt. Ob SRF dafür bereit ist, entsprechende Löhne zu zahlen?

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