Herr Trüb, was muss man sich unter einem "multimedialen Medienverbund für Wirtschaftsinteressierte" vorstellen?
Die Tageszeitung ist als elektronische Zeitung gedacht. Sie wird interaktiv sein und Audio- sowie Video-Elemente aufweisen, mit Datenbanken verbunden sein, Linksammlungen umfassen und mit personalisierten Angeboten neue Möglichkeiten für Werbekunden offerieren. Das ist die Grundidee, die hinter dem Projekt steht. Da das Ganze technologisch noch in den Kinderschuhen steckt, wird es neben der elektronischen Zeitung auch eine klassische Tageszeitung geben. Die elektronische Plattform besitzt dabei noch ein wenig Experimentalcharakter. Zugleich arbeiten wir an einer Applikation für Mobile Phones und werden auch einen täglichen Podcast anbieten wie auch ein Mini-TV-Programm.
Wird Cash daily auch im Fernsehen ausgestrahlt?
Im klassischen TV nicht, nein. Da wir im Internet nicht auf eine Konzessionen angewiesen sind, werden wir im Web bewegte Bilder zeigen. Diesen Umweg nehmen wir, nachdem man uns in der Schweiz keine Sendeplätze zur Verfügung stellen wollte.
Was geschieht nun mit der Wochenzeitung Cash?
Cash und Cash daily werden redaktionell völlig getrennt voneinander arbeiten. Cash wird dabei auch in Zukunft das Hauptprodukt sein. Die Leser werden weiterhin Recherche-Geschichten, Scoops, Analysen, grosse Interviews und einen ausführlichen Service-Teil exklusiv in Cash finden. Cash daily dagegen macht ausschliesslich Tagesjournalismus. Sicherlich aber werden die guten Geschichten von Cash auch in Cash daily angerissen und -- sofern es sich lohnt -- am Freitag in der Tageszeitung nachgezogen. Wir gehen davon aus, dass wir mit dem neuen Verbund Cash daily neue Leser an Cash heranführen können.
Können Sie Angaben zum Umfang der Zeitung machen?
Die Zeitung in Tabloid-Form wird 20-24 Seiten umfassen.
Welche Inhalte dürfen wirtschaftsinteressierte Leser von Cash daily erwarten?
Wir werden uns vollumfänglich auf Wirtschaftsthemen konzentrieren. Der Leser wird in Cash daily weder "General Interest News" finden, noch "Me too"-Inhalte. Vielmehr wollen wir das Publikum mit viel Eigenleistung gewinnen.
Wieviele Personen wird Ringier für das Projekt Cash daily einstellen?
Ich gehe davon aus, dass es ca. 15-20 Personen sein werden. Die Zahl hängt davon ab, welche Teile ausgelagert werden.
Michael Ringier sagte unlängst in einem Interview, das Projekt Cash daily werde "nicht ganz billig" sein. Wann wird das Grossprojekt schwarze Zahlen schreiben?
Das Haus Ringier ist bereit, die für das Projekt notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Finanzierung wird dabei ganz klassisch über Anzeigen geschehen. Wie immer legen wir uns dabei nicht fest, zu welchem Zeitpunkt der Break-Even erreicht sein muss. Wichtig ist vielmehr, dass der Trend stimmt. In diesem Fall werden wir das Projekt finanzieren, bis es erfolgreich ist. Das kann zwei Jahre dauern, aber auch drei oder fünf.
In der Vergangenheit war davon die Rede, dass Sponsoren von Cash daily im redaktionellen Teil eine Vorzugsbehandlung zugesichert wurde...
Ich habe diese Berichte mit grossem Interesse gelesen und mich gewundert, dass mich kein Journalist je zu diesem Thema befragt hat. Nachdem Sie mich nun aber fragen, kann ich es ihnen ja sagen: Es wird keine Sponsoren für dieses Projekt geben. Was geschrieben wurde, stimmt nicht. Selbstverständlich aber wünschen wir uns gute Partner.
Sie rechnen mit einer Million Kontakten in der Woche. Ist das Bedürfnis nach einer täglichen Wirtschaftsberichterstattung in der Schweiz tatsächlich so gross?
Die Wemf nennt eine unglaubliche Zahl von 1.9 Millionen Leserinnen und Leser, die in einem erweiterten Sinne Wirtschaftsnachrichten lesen. Und es gibt in der Schweiz 1.5 Millionen Haushalte, die Aktien oder Fonds besitzen. Unser Ziel ist es, für den Medienverbund eine Million Leser zu gewinnen, wobei darunter auch Stammleser zu finden sein werden. Wir werden also sicherlich eine riesige Community schaffen können.
Ringier hat noch ein zweites Gratiszeitungsprojekt in Planung. Was passiert damit?
Die beiden Projekte haben nichts miteinander zu tun, denn Cash daily gehört nicht in der Kategorie Gratiszeitungen. Für uns entscheidend war, einen interaktiven Medienverbund aufzubauen. Das ist eine Weltpremiere. Noch kein anderes Medienhaus auf der Welt hat bisher ein vergleichbares Projekt lanciert. Cash daily wird also Pioniercharakter für uns besitzen. Mit einem klassischen Gratiszeitungsprojekt aber hat dies nichts zu tun. Deshalb werden die beiden Projekte im Hause Ringier getrennt voneinander behandelt. Das eine Projekt beeinflusst das andere in keiner Art und Weise.
(Interview: David Vonplon)

