In den letzten Wochen spekulilerten die Medien heftig über mögliche Nachfolger von Armin Walpen. Jetzt ist er bekannt. Roger de Weck wird Ende Jahr der mächtigste Medienmanager im Land.
Der gewählte Roger De Weck wohnt in Zürich, ist verheiratet und Vater von vier erwachsenen Kindern. Er ist in Freiburg geboren worden und in Genf und Zürich zweisprachig aufgewachsen. De Weck hat an der Universität St. Gallen Wirtschaft studiert (lic.oec. HSG) und in Hamburg ein Trainee als Verlagskaufmann absolviert. Er ist Ehrendoktor der Universität Luzern.
Bei der "Tribune de Genève" fing er im Journalismus an, später schrieb er auch für "24 heures", "Die Weltwoche" und als Pariser Korrespondent für "Die Zeit". 1990 übernahm er die Leitung des "Zeit"- Wirtschaftsressorts in Hamburg. 1992 wurde er Chefredaktor des "Tages- Anzeigers" und Mitglied der Konzernleitung der Tamedia. 1997 wechselte er als Chefredaktor zurück zur "Zeit". Seit 2001 ist er freier Publizist und arbeitet für Fernsehen, Radio und Presse im In- und Ausland, unter anderem als Kolumnist für die Zeitschrift "persönlich".
2004 wurde er Präsident des Stiftungsrats des angesehenen Institut universitaire de hautes études internationales in Genf, das er mit dem Institut universitaire d'études du déve- loppement fusionieren half. Heute präsidiert er das fusionierte Institut de hautes études internationales et du développement (Graduate Institute) mit rund 900 Studierenden und 45 Professoren. Beim "Tages-Anzeiger" in Zürich, bei der "Zeit" in Hamburg und beim Institut in Genf hat de Weck aktives Change Management betrieben und im Team mit Erfolg tiefgreifende Neustrukturierungen und Reorganisationen durchgezogen.
"Wir sind überzeugt, mit Roger de Weck eine anerkannte, publizistisch versierte und integre Persönlichkeit gefunden zu haben, die aber auch über Erfahrungen als Führungspersönlichkeit in Positionen mit weitreichender betriebs- und finanzwirtschaftlicher Verantwortung verfügt und damit unserem Anforderungsprofil weitgehend entspricht. De Weck ist Garant für einen verantwortungsvollen Journalismus mit entsprechender Werthaltung. Dank seiner Affinität zu gesellschaftspolitischen Themen, seiner Herkunft in der Romandie und seiner breiten Vernetzung in Politik und Wirtschaft, Kultur und Wissen-schaft kann er unser Medienunternehmen ideal weiterbringen", erläutert Jean-Bernard Münch, Verwaltungsratspräsident von SRG SSR.
"Ich freue mich auf die grosse Aufgabe, in die ich meine Erfahrungen aus unterschiedlichen Medien einbringen kann. Führung ist für mich die Fähigkeit zuzuhören, die verschiedenen Aspekte und Ansichten offen zu diskutieren, dann aber klar zu entscheiden und den Entscheid ohne Verzug umzusetzen", erklärt Roger de Weck und fügt an: "In unserem viersprachigen Land hat die SRG SSR den staatspolitischen Auftrag, zum eidgenössischen Zusammenhalt und zur politischen und gesellschaftlichen Meinungsbildung beizutragen. Das ist Service public und service au public. Eine Verpflichtung, die ich mit Respekt annehme und der ich mit Sorgfalt und Konsequenz gerecht werden will."
Im festen Nominationsausschuss sassen vier der neun Verwaltungsräte: VR-Präsident Jean-Bernard Münch seines Zeichens Politikwissenschafter , der ehemalige Luzerner Staatsschreiber Viktor Baumeler, der ehemalige jurassische Regierungsrat Jean-François Roth sowie SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi. Die fünf weiteren VR-Mitglieder sind der ehemalige Tessiner Staatsrat Claudio Generali, Ex-Swiss-Ski-Präsident Duri Bezzola, die Juristin und ehemalige DRS-Redaktorin Elisabeth Veya, die Professorin für Medienmanagement Lucy Küng und der ehemalige Finanzdirektor des Kantons Bern, Hans Lauri. Gygi und Lauri sind vom Bundesrat bestimmte VR-Mitglieder.
Als der scheidende Generaldirektor Armin Walpen 1996 gewählt wurde, war es noch Sache des Bundesrats, den Vorschlag zu bestätigen. Dass dies nun in der Kompetenz der Delegiertenversammlung liegt, geht auf Strukturänderungen innerhalb der SRG zurück.
Bei der SRG warten auf den neuen Generaldirektor nun grosse Herausforderungen. So werden Fernsehen und Radio bis 2011 in einem Konvergenz- Projekt organisatorisch und publizistisch zusammengelegt. Auch finanziell ist die Lage angespannt: Die SRG schloss 2009 erneut mit einem Defizit ab (46,7 Millionen Franken). Dabei schwindet das Eigenkapital, und die Schulden wachsen. Ebenfalls ins Haus steht eine Debatte über eine Erhöhung der Empfangsgebühren. Der SRG-Generaldirektor ist Chef eines Unternehmens mit 6100 Angestellten, acht TV- und 18 Radioprogrammen. Er verdient knapp 600'000 Franken im Jahr. Die SRG setzt jährlich rund 1,6 Milliarden Franken um.
Der neu gewählte SRG-Generaldirektor Roger de Weck geniesst Rückendeckung von Medienminister Moritz Leuenberger. Er begrüsse die Wahl de Wecks, teilte der SP-Bundesrat am Dienstag mit. Auf de Weck warte allerdings keine leichte Aufgabe: "Die SRG ist in finanziellen Schwierigkeiten und politisch wie auch wirtschaftlich enorm unter Druck", schreibt Leuenberger. Insbesondere die grosse Konkurrenz ausländischer Sender sei eine Herausforderung. In dieser schwierigen Situation sei die journalistische Qualität ein wertvolles Gut, das unbedingt zu wahren sei. Die Wahl von Roger de Weck lasse ihn hoffen, dass dies gelinge, hielt Leuenberger fest.

