09.11.2009

Roger Schawinski gibt Startschuss für zweite Stufe

Roger Schawinski baut sein Radio 1 aus. Am Montag informierte er die Medien über den Sendebetrieb ab Üetliberg, die geplante Erweiterung des Sendegebiets Richtung Glarus, den Ausbau seiner Redaktion und den Start der neuen Werbekampagne. Alles läuft aber nicht nach Plan, wie Recherchen von "persoenlich.com" zeigen. Energy-Mitarbeiter lassen sich von ihm nicht abwerben. Zudem: Radio 1 könnte bald aus Teilen des Kabelnetzes der Cablecom verbannt werden. Zum Bericht:

Nachdem Energy Zürich am Freitag über den Kauf der RMC-Konzession informierte, lud Radio-1-Chef Roger Schawinski am Montag die Medien ein und informierte detailliert über seine Ausbaupläne. Schawinski hatte gute Nachrichten: Am Montag vergrösserte er das Sendegebiet auf einen Schlag. Punkt 9 Uhr nahm sein Radio den Sendebetrieb ab Üetliberg auf. Damit steigt das Hörerpotenzial von rund 350'000 auf gegen 900'000 Personen. Im geplanten Endausbau werden es 1,4 Millionen sein.

Der Endausbau für das Sendegebiet Zürich/Glarus ist auf Mitte 2010 geplant. Diesen bewerkstelligt Radio 1 zusammen mit Radio 24 und Radio Zürisee, weil das Projekt alles andere als billig ist. "Für die technische Erschliessung zahlt jeder Radiosender je 1,5 Millionen Franken", sagte Schawinski. Bisher sendete Radio 1 im Verbreitungsgebiet des ehemaligen Radio Tropic vor allem in und um Zürich. Letzte Woche konnte der Sendebetrieb in der Region Winterthur aufgenommen werden. Dort ist Radio 1 über die Frequenz 102,1 Megahertz zu empfangen, in Zürich und Umgebung auf 93,6 MHz. Als nächstes wird der Betrieb auf dem Etzel für das gesamte Zürcher Oberland aufgenommen.

Nebst dem Ausbau des Sendegebiets investiert Schawinski auch in die Redaktion. Seit Montag ist der bisherige Redaktionsleiter Sandro Brotz neu Chefredaktor. Sein Stellvertreter bleibt Iwan Santoro. Auch erste Verstärkung wurden kommunizieren: Samuel Volken - bisher Chef vom Dienst bei Radio Top - wird die Redaktion verstärken. Ebenfalls von Radio Top kommt Moderatorin Sharon Zucker. Das Redaktions-Team werde auf mindestens 12 und das Moderatoren-Team auf 10 Personen ausgebaut. Weiter Zuzüge wollte Radio 1 noch nicht kommunizieren. Man sei aber mit "heissen Kandidaten" im Gespräch.

Einfach scheint die Suche nach fähigem Personal allerdings nicht zu sein. Wie "persoenlich.com" weiss, versuchte Schawinski Mitarbeiter beim von ihm verschmähten Konkurrenten Energy Zürich abzuwerben. Ohne Erfolg. Schawinski will von einer Abwerbeaktion nichts wissen. Er stellt sich eher als Retter hin: "Abwerben? Bisher wurde doch von Energy laufend laut geklagt, dass Ende Jahr 60 Leute auf der Strasse stehen werden."

Wirtschaftlich geht es dem Radio wieder besser. Sechsstellige Verluste wie noch vor einem Jahr gehören der Vergangenheit an. "Wir schreiben momentan schwarze Zahlen", sagte Schawinski. Auf die in der Sonntagspresse zu lesenden Aussagen von Andy Lehmann, CEO der Zürcher Mediaagentur Aegis Media, wonach die Zielgruppe der Erwachsenen in der Schweiz bereits mit Radio DRS 1 und DRS 2 bestens versorgt sei, konterte Schawinski: "Wir machen ein urbanes Radio für die grösste und wichtigste Region der Schweiz. Unser Programm ist in keiner Weise vergleichbar mit den genannten DRS-Sendern. Unser Konzept ist langfristig angelegt – und so wird man auch eher konservative Hörer erreichen können."

Dass nicht alles optimal für das Privatradio läuft, zeigen Recherchen von "persoenlich.com". Obwohl Schawinski derzeit das Sendegebiet kontinuierlich ausbaut, droht seinem Radio die Verbannung aus dem "nationalen Kabelnetz" der Cablecom, was bedeutet, dass Radio 1 künftig ausserhalb des zugesprochenen Konzessionsgebiets nicht über Kabel empfangbar wäre. Über die konkreten Gründe konnte die Redaktion wenig in Erfahrung bringen. Die Cablecom wollte auf Anfrage keine Angaben machen. Man sei in einem laufenden Prozess und wolle vorerst nichts kommentieren. Anfangs Januar werde informiert, ob Radio 1 weiterhin ausserhalb des Konzessionsgebiets über Kabel empfangbar bleibe. Roger Schawinski teilte per Mail mit, dass bis heute keine Gespräche stattgefunden hätten. "Wir werden heute in vielen regionalen Netzen der Cablecom verbreitet. Das wird innerhalb unseres Konzessionsgebiets mit Sicherheit so bleiben, weil dort die Must Carry Rule gilt", so der Radio-1-Chef.

(Text: Christian Lüscher)

Die neue Werbekampagne von Radio 1 setzt gewohnt auf Text:


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