19.05.2009

"Roger Schawinski hat mich überrascht"

Der Deutsche Ernst-Marcus Thomas, Chefredaktor von Star TV und Moderator der Sendung "EMT-Talk", hat ein neues Projekt lanciert: Im Doppelpack mit Eva Camenzind will er Unternehmen und ihren Protagonisten künftig zu einer besseren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit verhelfen. Im Gespräch mit "persönlich.com" verrät er, wie die Deutsch-Schweizerische Partnerschaft funktionieren soll, wie er die Schweizer zum Plaudern bringt und warum er sich hierzulande wie eine "Einmann-Kapelle" fühlt. Das Interview:
"Roger Schawinski hat mich überrascht"

Herr Thomas, Sie leben in Amsterdam, moderierten bei ZDF, ARD sowie an verschiedenen Anlässen und sind Chefredaktor von Star TV. Wie bringen Sie alles unter einen Hut?

Durch eine unglaubliche Planung, ganz viel Logistik und Freude am Reisen. Die Zeit im Flugzeug oder Zug kann ich bestens nutzen, um konzentriert etwas zu lesen oder vorzubereiten. Ich bin eine sehr mobile Einheit und nur deshalb ist das Ganze möglich. Aber es ist manchmal schon etwas verrückt. Es gibt Momente, in denen ich nicht mehr genau weiss, wo ich denn nun eigentlich gerade bin (lacht).

Mit dem "ZDF Fernsehgarten" haben Sie eine "grosse Kiste" moderiert. Was reizte Sie am "kleinen" Star TV?

Die Idee ist vor gut drei Jahren entstanden: Zu diesem Zeitpunkt hat Claudia Lässer den Sender verlassen und mich als Nachfolger empfohlen. Der Star TV-Geschäftsführer Paul Grau hatte dann die Idee, eine Talkshow mit einem deutschen Moderator, der Schweizer Prominente empfängt, ins Leben zu rufen. Das Konzept, dass ein Moderator auf Hochdeutsch fragt und die Gäste auf "Schwyzerdütsch" antworten, war damals neu und ist immer noch einzigartig. Für Abenteuer und Experimente bin ich immer zu haben, so entstand das Engagement. Es gibt ja nicht viele deutsche Moderatoren in der Schweiz und dass ich dann sozusagen als Pionier so eine Sendung mitmachen kann, das reizt mich sehr.

Warum überhaupt der Schritt in die Schweiz. Ist der Deutsche Fernsehmarkt nicht attraktiver?

Die richtige Mischung ist das ganze Geheimnis. Das Schöne in der Schweiz ist, dass ich alles selber machen kann. Ich lade auch die Gäste selber ein. Daraus entstehen tolle persönliche Kontakte und Geschichten. Wenn ich zum Beispiel den Schweizer Seidenkönig, Andi Stutz, bei mir in der Sendung haben will, muss ich am Abend vor der Show mit ihm etwas trinken gehen. Zur Vorbereitung (lacht). Das ist sein Wunsch und sonst kommt er einfach nicht. So etwas wäre in Deutschland undenkbar.

Wie läuft es denn bei deutschen Talk-Shows?

Die gesamte Machart ist schon komplett anders. Bei der NDR-Talkshow beispielsweise steckt ein riesiger Stab von Menschen dahinter, welche die Sendung vorbereiten. Als Moderator liest man eigentlich nur noch die Dossiers durch und präsentiert dann die Sendung. In der Schweiz fühle ich mich eher wie eine Einmann-Kappelle. Es ist schon etwas besonderes, wenn man fast alles alleine machen kann.

Inwiefern unterscheiden sich die Schweizer Promis von den deutschen/internationalen Stars?

Was die Gäste betrifft, ist in der Schweiz alles ein bisschen familiärer. Das merke ich auch, wenn ich in der Schweiz Anlässe moderiere. Das hat Vor- und Nachteile. Am Anfang hatte ich massive Schwierigkeiten, die Gäste überhaupt zu mir in die Sendung zu bekommen. Mittlerweile krieg ich gar nicht mehr alle Leute unter, denn ich habe ja nur vier Sendungen pro Monat. Heute kommt es nur noch äusserst selten vor, dass ich jemanden nicht bekomme. Das meine ich mit familiär. Der "EMT Talk" hat sich herum gesprochen und jetzt kommen die Gäste auch gern.

Muss man die Schweizer Gäste, im Vergleich zu Deutschland eher mit Samthandschuhen anfassen?

Nein. Das war auch die ursprüngliche Idee von Paul Grau: Ich habe als Deutscher vielleicht eine direktere und unbefangenere Art zu fragen und will auch mal hinter die Kulissen blicken. Die Gäste haben sich von meinen offenen Fragen jedenfalls noch nie vor den Kopf gestossen gefühlt, sondern erzählen mir auch ganz gerne mal etwas Persönlicheres. Meine Erfahrung ist, so wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück.

Sie sind nun also seit 2006 Gastgeber im "EMT Talk". Welcher Gast überraschte Sie am meisten?

Das sind einige. Wer mich aber zum Beispiel sehr positiv überrascht hat ist Roger Schawinski. Da dachte ich im Vorfeld "um Himmels willen, da muss ich mich wohl warm anziehen", denn er galt so ein bisschen als Stinkstiefel. Dann war der aber super nett und wir führten ein wirklich tolles Gespräch, das mir sehr viel Spass gemacht hat.

Ein spezieller Gast war auch Eva Camenzind…

Eva Camenzind war vor einiger Zeit einmal bei mir im "EMT-Talk". Wir haben uns so gut verstanden, dass die Idee entstand, etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen. So als echte Deutsch-Schweizer-"Mélange".

Und was ist nun aus dieser Mischung entstanden?

Wir bieten ein Medientraining an. Das reicht von Grundlagentraining für Menschen, die vor die Kamera treten müssen, über Interviewtraining bis hin zu Krisenmanagement. Ich bringe meine Erfahrung aus Deutschland mit ein, sie steuert ihre Schweizer Erfahrung bei. Sie gibt Tipps auf "Schwyzerdütsch" und ich auf Hochdeutsch. Wir sind der Meinung, dass dies eine tolle Mischung ist, deshalb beraten wir sämtliche Kunden im Doppelpack.

Wer ist die Zielgruppe?

Alle Menschen, die mit Medien zu tun haben und die ihre Wirkung nach aussen verbessern wollen oder müssen, wenn es um die öffentliche Wahrnehmung geht. Hier bieten wir unsere Hilfe an.

Haben Sie mit Eva Camenzind eine Firma gegründet? Welchen Namen trägt das "Kind"?

Keine Firma, kein Name – wir bieten einfach zusammen diese Dienstleistung an. Vermarktet wird das Angebot über die Agentur Contcept GmbH.

Zurück zu Star TV: Der Sender strahlte früher auch Erotik-Produktionen aus und hat sich so ein Schmuddel-Image eingefangen.

Das finde ich sehr bedauerlich, denn das ist ja wirklich Vergangenheit. In der Zwischenzeit hat sich generell viel geändert beim Sender. Die beste Möglichkeit, sich ein Bild zu machen, wäre es, einfach wieder einmal einzuschalten und zu schauen, was wir eigentlich machen.

Mal steht Sportfernsehen auf dem Programm, mal sind Film, Mode oder Games im Fokus. Wie positioniert sich der Sender denn genau?

Wir machen ein junges Programm! Dieser Linie sind wir immer treu geblieben. Egal ob die Sendung sich um Kino, Extremsportarten oder Games dreht, Zielgruppe ist immer das junge Publikum.

Der Sender setzt immer noch auf Call-In-Shows. Ein notwendiges Übel?

Das ist immer ein Spagat. Wir würden diese Game-Sendungen gerne weiter reduzieren. Andererseits muss man schon klar sehen, dass der Sender auch Geld braucht, um aufwendige Magazine wie "Neu im Kino" oder den "EMT Talk" überhaupt produzieren zu können.

(Interview: Corinne Bauer)


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