Herr Büchi, Roger Schawinski erhebt harte Vorwürfe gegen Energy Zürich. Man sei in einem Mailing an Kunden geschäftsschädigend, ehrverletzend und antisemitisch gegenüber Radio 1 vorgegangen. Arbeitet Energy Zürich unlauter?
Nein, überhaupt nicht. Die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen. Energy Zürich ist zum ersten Mal das stärkste Schweizer Privatradio in der werberelevanten Zielgruppe. Darauf sind wir stolz und haben dies entsprechend unseren Kunden kommuniziert. Radio 1 stört sich an einer Präsentation, in der wir Radio 1, Energy Zürich und die anderen Sender miteinander vergleichen. Energy Zürich gewinnt Hörer, Radio 1 verliert Hörer. Inhaltlich gibt es daran nichts auszusetzen und mit dem ganzen Tumult will man nun von diesen Tatsachen ablenken. Das bedauern wir.
Er kritisiert, Energy Zürich stelle falsche Zahlenvergleiche an. Warum sehen Sie sich im Recht?
Die Zahlen sind die hochoffiziellen Zahlen der Publica Data. Es gibt nicht Recht oder Unrecht. Wir haben lediglich kommuniziert, was erhoben wurde. Die Zielgruppe der 15-49-Jährigen ist zudem keine Erfindung von Energy Zürich, sondern des Marktes. Wir verstehen deshalb den ganzen Lärm nicht.
Was werfen Sie Roger Schawinski respektive Radio 1 konkret vor?
Wir werfen Radio 1 gar nichts vor. Wir haben die Zahlen der Zürcher Sender in Relation gestellt, weil im Markt Unsicherheit vorherrschte und darüber ist Radio 1 anscheinend nicht erfreut.
Können Sie Roger Schawinskis Unmut nachvollziehen?
In Anbetracht der Hörerzahlen von Radio 1 und der Fakten in unserer Präsentation habe ich gewisses Verständnis, dass Roger Schawinski dies nicht einfach hinnimmt. Ein solcher Unmut wegen einer Präsentation ist trotzdem schwer nachvollziehbar.
Das Werbemailing sei bösartig gewesen. Was sagen Sie dazu?
Ist es bösartig, wenn man die Kunden über die Leistungswerte der verschiedenen Sender informiert? Nein, im Gegenteil. Die Kunden haben ein Recht darauf zu wissen, wo sie wie viel für ihr Geld bekommen. Das haben wir kommuniziert, nicht mehr und nicht weniger.
Weshalb schickten Sie ein solches Werbemailing plus Fotomontage an die Kunden?
Wir haben die Präsentation illustriert. Einige Karikaturen daraus stammen aus einem vor Wochen im "Tages-Anzeiger" publizierten Artikel.
Mit der Fotomontage spielen Sie auf den Mann. War das wirklich nötig?
Radio 1 ist Roger Schawinski. Das Radio und die Person sind eine Einheit und davon profitiert der Sender in den meisten Fällen wie zum Beispiel auch bei der Vergabe der Konzession, als die Person Roger Schawinski vom UVEK als Garant für journalistische Qualität gewertet wurde.
Roger Schawinski sieht sich als Opfer von Antisemitismus. Ist der Verdacht so abwegig?
Jeder der die Präsentation gesehen hat erkennt, dass dieser Vorwurf absolut haltlos ist.
Wie würden Sie reagieren, wenn eine solche Karikatur von Ihnen an Kunden ginge?
Roger Schawinski ist eine Person, die oft in der Öffentlichkeit steht und mit seinen Bewertungen und Kommentaren gerne polarisiert. Eine Karikatur von mir würde kaum interessieren - aber wenn es eine gäbe, dann würde ich versuchen dies sportlich zu nehmen. So wie dies viele Prominente, Politiker, Manager, Showstars und Sportler täglich tun.
Würden Sie das Werbemailing wieder in Auftrag geben?
Selbstverständlich. Ziel war es, dass wir die Kunden über den Markt in Zürich und über die Hörerzahlen der Sender informieren und aufzeigen, dass Radio 1 mit seinen Zahlen gegenüber den anderen Sendern schlicht nicht mithalten kann. Egal in welcher Zielgruppe und egal in welchem Sendegebiet. Da kann man argumentieren wie man will, daran ändert sich nichts.
Energy Zürich verschickte das Werbemailing angeblich zweimal.
Das ist falsch. Wir haben das Mailing nicht zweimal verschickt. Zudem ging das Mailing mit dem Vergleich von Radio 1 und Energy Zürich nur an eine Handvoll Kunden.
Wie stehen Sie zu einer juristischen Klage?
Wir wissen nichts davon und sehen einer Klage aber gelassen entgegen. Die Vorwürfe sind haltlos. Roger Schawinski schlüpft nun in die Opferrolle und spricht von einem Angriff von Ringier. Das Mailing und die Präsentation sind aber von Energy Zürich und haben nichts mit Ringier zu tun. Es geht hier um die Situation zwischen den Zürcher Radiosendern. Ringier Schweiz Chef Marc Walder hat das Mailing zum Beispiel erst gesehen, als Roger Schawinski bei ihm protestierte.
Der Rekurs-Entscheid betreffend Konzession für Energy Zürich steht noch aus. Liegen die Nerven bei Energy Zürich blank?
Von blank liegenden Nerven kann keine Rede sein. Energy Zürich ist auf Erfolgskurs. Noch nie hatten wir so gute Hörerzahlen, das Geschäft läuft und unsere Mitarbeiter sind optimistisch und zeigen Kampfgeist. Zum perfekten Glück fehlt uns nun noch die Konzession und da sind wir zuversichtlich.
(Interview: Christian Lüscher)
Anmerkung der Redaktion: Hier finden Sie die in die Kritik geratene Präsentation von Energy Zürich. Radio 1 hat auf den Werbeaussand mit einer detaillierten Stellungnahme reagiert.

