In seiner aktuellen Weltwoche-Kolumne verteidigt Kurt W. Zimmermann SRF-Journalist Pascal Schmitz – zumindest was dessen alte Facebook-Posts betrifft. Man solle «nicht allzu spröde sein», schreibt Zimmermann. Journalistensprache sei «keine liturgische Sprache», Journalisten seien auch in der Wortwahl keine Heiligen. Auf Redaktionen, besonders am Newsdesk, könne der Tonfall «recht ruppig sein» – das gehöre zum Beruf. Bei der Fischer-Recherche selbst sieht Zimmermann das anders: Was bei einem Mittagessen im kleinen Kreis geredet werde, gehöre nicht an die Öffentlichkeit. Er hätte die Story nicht gebracht.
Ebenfalls am Donnerstag argumentiert Daniel Ryser auf Infosperber etwas grundsätzlicher. Wer der Meinung gewesen sei, Fischer habe keine Entlassung verdient – wegen einer bezahlten Busse, einer rechtlich abgeschlossenen Sache –, der könne jetzt nicht sagen, Schmitz müsse für 15 Jahre alte Status-Updates geköpft werden. «Das ist keine Frage der Sympathie, sondern eine Frage der Logik.»
Ja, die Posts seien rassistisch – das räumt Ryser ein. Aber er stellt eine Gegenfrage: Was wisse man eigentlich über diesen Mann? Ob Schmitz seine Posts als aufrichtigen Fehler bereue, ob er sich seither verändert habe – denn Menschen veränderten sich –, das wisse niemand. «Aber selbstverständlich nehmen wir das Schlimmste an, weil das inzwischen die Grundhaltung ist, mit der wir einander begegnen.» Ryser beschreibt eine «Maschine der Makellosigkeit», die nicht Gerechtigkeit herstelle, sondern jeden bestrafe, der ihr nicht genüge – nicht durch Gerichte, sondern durch die Masse.
«Ein solider SRF-Moderator ohne Ausrutscher»
Bereits am Montag hatte Peter Rothenbühler in der NZZ Schmitz in Schutz genommen. Die alten Posts seien zwar «moralisch anfechtbar», im Umfeld von Hockey- und Fussballstadien aber «täglich zu hören». Schmitz sei inzwischen 41 und ein solider SRF-Moderator ohne Ausrutscher. Rothenbühler richtet seinen Blick auch auf den Hockeyverband: Dieser habe ursprünglich Gnade vor Recht walten lassen wollen – und sei dann unter Mediendruck eingeknickt.
Vor einigen Tagen hatte Marcel Odermatt in der Weltwoche die Debatte angestossen mit dem Titel: «Liebe Kollegen, lasst es endlich gut sein!» Er forderte Fairness für Schmitz – kritisierte aber vor allem das Schweigen der SRG-Führung.
In dieselbe Richtung argumentierte auch Markus Somm in seinem Newsletter «Somms Memo»: Die alten Posts hätten nichts mit der Glaubwürdigkeit der Recherche zu tun. Schmitz solle «sogleich wieder vor der Kamera auftreten», sonst mache sich SRF lächerlich.
Schmitz hatte im Rahmen einer Recherche das gefälschte Covid-Zertifikat von Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer aufgedeckt, der daraufhin selbst an die Öffentlichkeit trat und entlassen wurde (persoenlich.com berichtete). Die Weltwoche grub dann rund 15 Jahre alte Facebook-Posts von Schmitz aus – seither moderiert er «Schweiz aktuell» vorläufig nicht mehr. (cbe)
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