Das Präsidium des Verbandes Schweizer Presse ist befremdet und empört über die Äusserungen von Gérard Stalder, Präsident des Schweizer Werbe-Auftraggeberverbandes an dessen Jahresmeeting vom 7. April 2005 in Zürich. Dies teilt es in einer Medienmitteilung mit. Die Schweizer Verleger protestieren gegen Stalders Vorwürfe, die sie für unwahr, einseitig und stellenweise unanständig halten. Sie bedauern, dass durch diese Entgleisung des SWA-Präsidenten das Klima der laufenden, bisher als konstruktiv empfundenen Gespräche massiv verschlechtert worden sei.
In Stalders Rede fiel den Verlegern ausser dem aggressiven Grundton auf, dass er sich fast ausschliesslich gegen die Zeitungsverleger richtete, während von den anderen Mediengattungen kaum die Rede war. Das möge mit der falschen Faktengrundlage zusammenhängen, auf der Gérard Stalder seine Argumentation aufgebaut habe. Stadler hatte behauptet, "die Verleger ässen jetzt 65 Prozent des Werbekuchens." Gemäss den neuesten Zahlen der unabhängigen Stiftung Werbestatistik Schweiz betrage demgegenüber der Anteil von Zeitungen, Publikumszeitschriften, Spezial- und Fachpresse am gesamten Schweizer Werbeaufkommen ca. 45 Prozent.
Stalder hatte überdies das "faktische Oligopol der Presse" beklagt: "Die vielgelobte Medienvielfalt als Ausdruck des helvetischen Föderalismus ist das Zeitungspapier nicht mehr wert, auf dem sie gedruckt wird.» Damit beleidige der SWA-Präsident nicht nur die Redaktionen der im internationalen Vergleich aussergewöhnlich vielfältigen Schweizer Zeitungen und Zeitschriften, sondern auch die Leser und Anzeigenkunden der Schweizer Presse und damit seine eigenen Mitglieder, findet der Verleger-Verband. Völlig ohne Grundlage sei schliesslich Stalders Behauptung, die Verleger würden "ihre Machtposition dazu ausnutzen, die im Vergleich zum Ausland ohnehin schon hohen Insertionspreise laufend weiter zu erhöhen." Folgende Punkte macht der Verband Schweizer Presse in der Pressemitteilung geltend: "Erstens liegen die Schweizer Anzeigenpreise im internationalen Vergleich eher tief, und zweitens hatten sich die meisten Zeitungs- und Zeitschriftenverleger bei ihrer Preispolitik in den letzten Jahren grosse Zurückhaltung auferlegt. Wo Preiserhöhungen vorkamen, waren sie durch erhöhte Kontaktleistungen gerechtfertigt."
Unverständlich ist dem Verband Schweizer Presse auch der Angriff Gérard Stalders auf die Integrität von Verlegern und Mediaagenturen im Zusammenhang mit marktbedingten Offerten wie Direktbuchungs- und Mehrbuchungsrabatten. Da diese Angebote öffentlich und klar kommuniziert wurden, sei der von Stalder geäusserte Verdacht, diese Rabatte würden zu Ungunsten des Kunden bei den Mediaagenturen "hängenbleiben", als Unverschämtheit zu taxieren.

