"Razzia bei Schawinski" titelte der Blick am Samstag. Sind Sie nun in die Illegalität abgerutscht?
Nein, überhaupt nicht. Die Blick-Schlagzeile war völlig daneben, die Polizei hat weder mein eigenes Haus durchsucht noch eines, das mir gehört. Viele Freunde haben mich besorgt angerufen, was geschehen sei. Am Donnerstagabend habe ich erfahren, dass das Bakom (Bundesamt für Kommunikation) mit einem Durchsuchungsbefehl in den Büros der Belcom 60 Ordner mit den Tele-24-Jahresrechnungen von 2001 abtransportieren wollte, weil möglicherweise gewisse Werbeinnahmen falsch abgerechnet wurden. Mein Anwalt liess darauf die Ordner versiegeln.
Dann darf das Bakom Ihre Buchhaltung nicht kontrollieren?
Das haben die schon im Dezember gemacht. Die sind zu uns gekommen. Wir wollen lediglich, dass Sie die Ordner in Zürich kontrollieren und nicht nach Biel abtransportieren. Ich habe beim Bundesgericht eine Beschwerde wegen Unverhältnismässigkeit eingereicht. Das Urteil erwarte ich in einigen Wochen.
Was war dann der Grund für diese Hausdurchsuchung?
Das Bakom erhebt bei allen Privatsendern eine Gebühr von 0.5 Prozent aller Werbeeinnahmen. Diskussionspunkt sind die Werbeeinnahmen des Jahres 2001. Bis anfangs Dezember 2002 hat sich das Bakom nicht gemeldet, am 9. Dezember erhielt die damalige Finanzchefin Brigitte Aeschlimann einen Anruf aus Biel, einige Tage später kamen drei Leute vorbei. Frau Aeschlimann hat dem Bakom mitgeteilt, dass die Sache bis Ende Januar 2003 bereinigt werden soll, da sie auf dieses Datum den Job wechsle und sie allein alle Details kenne, weil sie die Deklarationen ausgefüllt hat. Das Bakom hat sich aber erst im Februar mit einem Hausdurchsuchungsbefehl gemeldet.
Dann wussten Sie aber immer, dass es Fehler in der Buchhaltung gibt?
Nein, das weiss ich nicht. Sollte es in den Augen des Bakom einen Fehler von -- ich sage einmal -- einer Million Franken in den anzugebenden Werbeeinahmen geben, würde der effektive Fehlbetrag lediglich 5000 Franken betragen. Während den letzten 20 Jahren hatte ich niemals solche Probleme mit den Behörden, auch mit dem Bakom nicht. Die Sache mit dieser Gebühr ist alles andere als einfach. So haben wir während vielen Jahren -- wie ich jetzt erfahren habe -- auch für die Sponsoringeinnahmen Gebühren abgeliefert, obwohl die gar nicht unter diese Regelung fallen. Wir haben also in diesem Bereich zu viel bezahlt. Das zeigt, wie unklar die Richtlinien für uns als Medienbetreiber sind. Unsere Finanzchefin hat sich nie geweigert, über solche Fragen zu reden.
Was sind dann Ihrer Meinung nach die Motive für diese Hausdurchsuchung?
Ich weiss es nicht. Vielleicht will man mich noch etwas auf Trab halten, vielleicht genügt es dem Bakom nicht, dass Tele 24 eingegangen ist. Vielleicht aber haben die Beamten im Bakom etwas zu wenig Arbeit, jetzt, wo es weniger Sender gibt. Offenbar hat man zuerst alle Sender in der Westschweiz kontrolliert. Nun ist die Deutschschweiz dran. Zuerst ist man -- natürlich -- bei uns eingefahren. Ich verstehe ja, dass man solche scharfen Kontrollen bei Sendern macht, die Bundesgelder via Splittinggebühren beziehen, und die zuerst einen Verlust ausweisen müssen. Dort ist das Bakom immer wieder auf Unregelmässigkeiten gestossen, ohne dass die in die Presse gelangt sind. Wir hingegen haben in all den Jahren nicht einen einzigen Franken erhalten, sondern nur immer Geld abgeliefert.
Wie ist Ihre Beziehung zum Bakom heute?
Bakom-Direktor Furrer habe ich immer als sehr offen und meistens auch als fair empfunden. Vielleicht fehle ich denen im Bakom einfach; doch mit einem Hausdurchsuchungsbefehl einzumarschieren, ist eine seltsame Art einer Wiederaufnahme des Kontakts. Ich habe von der Sache erst hinterher erfahren, da ich ja seit anderthalb Jahren überhaupt nicht mehr involviert bin. Ansprechsperson war Brigitte Aeschlimann, unsere CFO, die glücklicherweise noch über ein Jahr lang dabei geblieben ist.
Wie hat die Tamedia als neuer Besitzer von Tele Züri auf den ganzen Fall reagiert?
Ich hatte keinen Kontakt zur Tamedia -- ich jedenfalls bin schockiert.

