18.09.2009

Energy Zürich

Schwarzer Tag für den Ringier-Sender

Marc Walder und Dani Büchi geben sich kämpferisch.

Im Zürcher Radiokrieg geht Radio 1 als grosser Sieger hervor. Düster sieht es für den Verlierer Energy Zürich aus. Bis Ende Dezember darf das Jugendradio über UKW senden. Dann ist Schluss. Zwar gaben sich an der Medienkonferenz Ringier-Schweiz-Chef Marc Walder und Energy -Geschäftsführer Dani Büchi kämpferisch, doch blicken sie beide nicht sehr zuversichtlich in die Zukunft. Walder : "Es gibt keine Alternativen mehr. Energy Zürich ist tot. Es ist das Ende einer erfolgreichen Radiogeschichte." Walder und Büchi waren den Tränen nah. Der Bericht:

"Energy Zürich kämpft" steht gross projeziert auf der Wand im Eingangsbereich. Um 11 Uhr lud Energy Zürich die hiesigen Medien zur Medienkonferenz. Ringier-Schweiz-Chef Marc Walder und Energy-Geschäftsführer Dani Büchi machten einen angespannten Eindruck.

"Es ist kein erfreulicher Tag für Energy Zürich", begrüsste Büchi die Journalisten. Sämtliche Rügen von Energy Zürich seien vom Bundesverwaltungsgericht abgewiesen worden. Auch keiner der vom Gericht bemängelten Punkte reichte aus, den Konzessionsentscheid des UVEK umzustossen. Mit dem Urteil stehen dem Jugendsender keine Rechtsmittel mehr zur Verfügung. Büchi in Tränen: "Energy Zürich erhält definitiv keine UKW-Konzession und muss den Sendebetrieb Ende Dezember einstellen." "Es gibt keine Alternativen mehr. Energy Zürich ist tot. Es ist das Ende einer erfolgreichen Radiogeschichte", so Marc Walder.

Was das für den Ringier-Sender bedeutet? 60 junge Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsstelle, sollte keine Übergangslösung gefunden werden. Wie die Ringier-Oberen an der Medienkonferenz sagen, wolle man den Übergang von der analogen zur digitalen Verbreitungstechnologie vorantreiben. Mit DAB+ werde am 15. Oktober eine neue Technologie lanciert. Energy Zürich übernimmt dabei eine Leaderfunktion. Ringier engagiert sich für die Etablierung, die in England bereits weit fortgeschritten ist. Damit Energy Zürich den Technologiewechsel schafft, fordert die Ringer-Führung zwingend eine UKW-Übergangslösung, damit sich die technologische Umrüstung finanzieren lässt.

Marc Walder spricht von einem medienpolitisch schwarzen Tag. Mit den Konzessionsentscheiden in Bern, Basel und Zürich sei das Gesetzt ad absurdum geführt worden. In Deutschland sei dies unmöglich. Ein gut geführter und etablierter Sender müsse nicht um seine Konzession bangen, wenn er nicht gerade kriminell wirtschafte. "Ich bin nicht sehr zuversichtlich, was die Zukunft von Energy Zürich betrifft", sagt Walder vor den Medien. In der nächsten Woche werde über weitere Schritte entschieden. Welchen Weg man politisch einschlagen möchte, darüber konnte Walder keine konkreten Antworten liefern. "Es hat noch nie in der Schweizer Mediengeschichte einen solchen Fall gegeben", so Walder.

Der Ringier-Schweiz-Chef kritisiert den Entscheid nicht nur aus medienpolitischer Sicht. Er weist auch auf das verloren gegangene Vertrauen der Investoren hin. Für Walder ist klar, dass sich Geldgeber in Zukunft gut überlegen, in ein Radio zu investieren. Ein Punkt, der vom extra aus Paris angereisten NRJ-Chef Christophe Montague aufgegriffen wurde: "Wir haben immer gedacht, dass eine Investition im Schweizer Markt so sicher sei wie das Geld, welches man auf eine Schweizer Bank bringt. Das Vertrauen in den Rechtsstaat ist bei uns Investoren erschüttert worden." (cl)


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