24.06.2009

Medienforscher

Schweizer Fernsehen als Vorbild für ORF

Grossbritannien als Musterbeispiel für öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Der krisengebeutelte ORF sollte sich ein Beispiel an den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in Grossbritannien, Deutschland oder der Schweiz nehmen. Zu diesem Schluss kommt das Medienforschungsprojekt "Public Value" des Instituts für Journalismus und Medienmanagement der FH Wien. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk komme europaweit mehr und mehr unter Druck, allerdings gebe es in Österreich in vielen Punkten besonderen Nachholbedarf.

"Wir wollen mit unseren fünf Thesen, die wir in den vergangenen sechs Monaten erarbeitet haben, zunächst einmal zu einer Versachlichung der ORF-Diskussion beitragen", sagt Reinhard Christl, Leiter des Instituts für Journalismus und Medienmanagement, im Zuge der Pressekonferenz. Die BBC, aber auch Sender wie ZDF und SRG gelten laut den Medienforschern als positive Beispiele für einen funktionierenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit klaren Richtlinien.

Auftrag muss aktualisiert werden

Für die Zukunft des ORF brauche es eine Präzisierung und regelmässige Aktualisierung des öffentlich-rechtlichen Auftrags. Darüber hinaus bedarf es einer regulierten Selbstregulierung mit externer Kontrolle, so die zweite These. Nur dadurch werde auch die redaktionelle Unabhängigkeit gewährleistet und ein hoher Grad an Verbindlichkeit geschaffen.

Auch bei der praktischen Umsetzung des abstrakten öffentlich-rechtlichen Auftrags fehle es in Österreich derzeit an konkreten Vorgaben. In Deutschland etwa verpflichtet sich das ZDF in seinen Programmleitlinien zu bestimmten Programmquoten -- die Hauptsendezeit muss demnach zu 40 Prozent aus Informationssendungen bestehen.

Nutzen muss nachgewiesen werden

Infolge müssten die Medienangebote einer Evaluierung unterzogen werden. Der öffentliche Nutzern (Public Value) muss nachgewiesen werden können, allein um die Gebührenfinanzierung zu rechtfertigen, argumentieren die Forscher. Auch hier gilt die BBC mit ihrem "Public Value Test" als grosses Vorbild. Der Nutzen der Angebote müsse für die Gesellschaft und den Einzelnen sichtbar gemacht werden.

Da der ORF der Allgemeinheit gehört, sollte es auch mehr Transparenz und öffentliche Auseinandersetzung geben, so die fünfte These aus dem Forschungsprojekt. In Österreich laufe vieles sehr geheimniskrämerisch ab, während sowohl in den deutschsprachigen Nachbarländern als auch in Grossbritannien deutlich stärker auf Transparenz geachtet werde. (pte)


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