02.02.2006

Karikaturen

Schweizer Medien für Meinungsäusserungsfreiheit

Kommentare zum Streit.

In Kommentaren und Äusserungen zum Streit um Mohammed-Karikaturen verteidigen Schweizer Medienvertreter die Meinungsäusserungsfreiheit. Der stellvertretende Chefredaktor des Tages-Anzeigers, Roland Schlumpf, sieht aber auch Grenzen. "Menschen aus einem anderen Kulturkreis wurden durch die Karikaturen offensichtlich verletzt", erklärte Schlumpf auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Deshalb habe man sich beim Tages-Anzeiger nach mehrfacher Überlegung nun definitiv entschieden, die Karikaturen nicht zu publizieren.

Schlumpf räumte ein, dass der Entscheid schwerer gefallen wäre, wenn es sich um einen eigenen Karikaturisten gehandelt hätte. Trotzdem habe der Tages-Anzeiger in den letzten Jahren einige Papst-Karikaturen seines früheren Karikaturisten Nico aus Rücksicht auf gläubige Christen nicht publiziert. Gerade bei einer anderen Religion sei bei der Veröffentlichung von Karikaturen grössere Vorsicht geboten, da die Reaktionen schwieriger abzuschätzen seien.

Wenn die Reaktionen dann so heftig ausfallen, wie im Fall der Mohammed-Karikaturen, müssten die Medien auch Rücksicht nehmen, erklärt der Berner Medienprofessor Roger Blum. Sicher müsse über die Geschichte berichtet werden, aber es müsse nicht durch die nochmalige Publikation Öl ins Feuer gegossen werden.

Keine Provokation

Anderes sieht das die Freiburger Zeitung La Liberté. Sie freut sich in ihrem Kommentar, dass andere europäische Zeitungen die umstrittenen Karikaturen abgedruckt haben. Das zeige, dass die Selbstzensur noch nicht vollständig das Zepter übernommen habe. Allerdings halten sowohl La Liberté wie auch 24 Heures fest, dass unnötige Provokationen vermieden werden sollten. Die Freiheit sei sicher heilig, aber sie dürfe auch nicht alles erlauben. Sie ende dort, wo das Gesetz beginne.

24 Heures befindet: "Alles kann karikiert werden. Selbst Gott". In diesem Streit träfen zwei Welten aufeinander, die sich nicht verstünden. "Der Westen, der der Meinungsäusserungsfreiheit einen wichtigen Platz einräumt und die islamische Welt, für die die Abbildung von Gott und seinem Propheten einem Verbrechen gleich kommt.

Nicht Freiheiten beschränken


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen