26.05.2010

CNN

Sender wird 30 Jahre alt

Der Sender, der die TV-News neu erfand.

Larry King, der CNN-Dauertalker, ist alt und grau geworden - schon längst lockt er nicht mehr so viele Zuschauer an wie früher. Christiane Amanpour, die weltberühmte Kriegsreporterin, verlässt ihren Sender ausgerechnet zum 30. Jubiläum und geht zum Konkurrenten ABC. Und auch mit den Quoten ist es bei CNN längst nicht mehr, wie es einmal war - immer häufiger liegt im Heimatland USA der rechtslastige Widersacher Fox News vorn. So schnell kommen heute Fernsehsender in die Jahre.

Es ist nicht lange her, da war keine Superlative gut genug für CNN: Der Sender, der die TV-Nachrichten neu erfand. Der Sender, der erstmals "Krieg live" in die Wohnstuben flimmern liess. Überhaupt: Der erste Sender, der 24 Stunden nonstop Nachrichten brachte. "Eine Revolution", wie Medienwissenschaftler einhellig meinen. Am 1. Juni 1980 ging CNN (Cable News Network) erstmals über den Sender - längst machen Nachahmer zu Hause die Führungsrolle streitig. Aber wie meint Firmengründer Ted Turner? "Nachgeahmt zu werden, ist für viele von uns das grösste Kompliment."

Es war die Nacht zum 17. Januar 1991, als sich der Sender ins Bewusstsein des globalen TV-Zuschauers katapultierte. "Es tut sich was am Himmel von Bagdad", waren die ersten Worte des Reporters Bernie Shaw. "Der Himmel über Bagdad ist hell erleuchtet." Da begann ein Bombenkrieg im Nahen Osten - und Millionen TV- Zuschauer weltweit war direkt dabei; hautnah. Niemand, der moderne TV-News machen wollte, konnte mehr hinter CNN zurück. Der Anspruch der Zuschauer an Fernsehnachrichten hatte sich über Nacht verändert. "Es genügt nicht mehr, darüber zu reden. Wir müssen die Nachrichten zeigen", meinte Steve Friedman, Ex-Produzent bei CBS neidlos.

Ted Turner erntete zunächst nur ein mildes Lächeln als er seine 24-Stunden-News- Idee umsetzte. Doch auch damit löste er eine Medien-Revolution aus, deren Tragweite 30 Jahre später vielen kaum mehr bewusst ist. "Vorher musste man sich vor die Glotze setzen, wenn es Zeit war", so Friedman. Nachrichten gab es morgens und abends. "Jetzt gibt es Nachrichten zu jeder Zeit." Nachrichten rund um die Uhr und alles live - die "CNN-Revolution" sollte auch das Verhältnis von Medien und Politik nachhaltig beeinflussen. Medienforscher sprechen vom "CNN-Effekt": Die Sender sind derart hautnah an den Ereignissen, transportieren ungefiltert Propaganda- und Gegenpropaganda, dass sie selbst zum Teil des Geschehens werden.

Vor allem die Berichterstattung im Irakfeldzug 2003, als "embedded" CNN- Journalisten (und andere) gemeinsam mit US-Truppen vorrückten, lieferte Beispiele von "Hurra-Journalismus" - hautnah dabei sein verringert eben auch den Abstand. Weiterer Aspekt des "CNN-Effekts": Die Macht der Bilder, permanent und global verfügbar, kann Regierungen zum Handeln zwingen. Eine oft beklagte Schattenseite: Erst wenn die Kameras ihren Blick auf etwas richten, wird es wirklich wahrgenommen. Wenn keine Kameras der grossen TV-Sender dabei sind, schaut die Welt im wahrsten Sinne des Wortes nicht hin.

In über 200 Ländern wird CNN derzeit empfangen, es gibt CNN in Spanisch und Türkisch, plus ein erstklassiges online-Angebot. "The most trusted name in news", nennt sich CNN noch heute - Spitzenplatz in Sachen Vertauenswürdigkeit wird dem Sender in Umfragen nach wie vor bestätigt. 1996 verkaufte Turner sein Imperium für 7,4 Milliarden Dollar an Time Warner. Unlängst bedauerte er jedoch ganz offen, dass er mit dem Verkauf die Führung aus der Hand gegen musste. Ihm ist vor allem der steigende Anteil "seichter Themen" ein Dorn im Auge. Was er sich wünsche für die Zukunft von CNN, wurde er jüngst gefragt. Antwort: "Ich würde gerne ein bisschen mehr internationale Nachrichten sehen".


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