19.05.2005

"Sie+Er ist eine deutliche Verbesserung"

Vor dem Start von Sie + Er hat "persoenlich.com" mit SonntagsBlick-Chefredaktor Christoph Grenacher über die Lancierung des neuen Magazins gesprochen. Nun drei Wochen nach dem Launch und aufgekommener Kritik folgt die Nachfrage bei Bernhard Weissberg, Ringier-Bereichsleiter Zeitungen, wie er den Start und die Kritik beurteilt, und wo noch Verbesserungspotenzial vorhanden ist.
"Sie+Er ist eine deutliche Verbesserung"

Das neue Magazin ist am 1. Mai gestartet, inzwischen sind drei Ausgaben erschienen. Wie sieht die Resonanz aus, die Sie bisher bekommen haben?

Sehr gut! Sie+Er ist eine deutliche Verbesserung zum bisherigen Magazin. Und das Heft wird jede Woche besser. Das merken die Leserinnen und Leser. Und das stellen auch die Werbetreibenden fest. Jetzt hoffen wir, dass sie dann auch handeln...

Was erhoffen Sie sich durch das neue Magazin? Welche Vorgaben müssen Sie erreichen?

Publizistische Projekte sind immer langfristig angelegt. Wir denken in Jahren, nicht Wochen. Wir erwarten mittelfristig eine leichte Steigerung der Auflage und zusätzliche Anzeigen. Klar, wenn wir keine solche Ziele hätten, würden wir auch nichts Neues machen.

Gibt es nicht schon genügend solche Magazine?

"Solche Magazine"? Wo denn? Zeigen Sie mir ein Magazin, dass so über die Schweiz und die Welt berichtet. Es gibt bei uns kein Verlag, der im "Stern"-Stil eine populäre Illustrierte macht. Es gibt die deutschen Magazine, da Spielen Schweizer Themen keine Rolle. Da sind wir höchstens die Grüezi-Schweizer. Nein, jetzt gibt's die Sie+Er und die Schweizer Illustrierte, die ein hervorragend gemachtes People-Magazin ist. Die zwei stehen prima nebeneinander. Beide mit rund einer Million Leser. Was wollen Sie mehr!

Peter Rothenbühler hat im Facts dem neuen SoBli-Magazin nur eine kurze Lebensdauer prophezeit. Wie lange gibt es Sie + Er noch?

Ich würde gerne mal eine kritische Analyse darüber lesen, wie Peter Rothenbühler den Le Matin macht. Man sollte die Leute an ihren Taten messen, nicht an ihren Worten. Wie gesagt, Sie+Er ist ein langfristiges Projekt.

Kennen die deutschen Blattmacher das sonntägliche Lesebedürfnis der Schweizer?

Der Grossteil der Sie+Er-Redaktion hat schon bislang für den SonntagsBlick gearbeitet. Die Blattmacher wohnen hier, leben hier, lieben hier. Ich denke, da klebt genug "Swissness" an den Sohlen. Und dann darfs heute in einer globalisierten Welt auch ein Hauch Weltduft sein, der durchs Blatt wabert, oder?

Sie wollen in Sie+Er klassische Reportagen bringen. Ist das SonntagsBlick-Publikum dafür das richtige Zielpublikum?

Pardon, für wie blöd halten Sie eigentlich die SonntagsBlick-Leser? Sollen die nicht fähig sein, eine Reportage zu lesen? Der SonntagsBlick hat rund eine Million Leser aus allen Schichten. Die sind jeden Sonntag neugierig, was denn ihre Zeitung ihnen Neues bringt. Dazu gehören News, Analysen. Porträts, Interview und vor allem auch Reportagen. Also die gut erzählte Geschichte ohne Mätzchen und Manierismen. Geschichten haben sich schon die Pfahlbauer am Lagerfeuer erzählt. Die Menschen lieben Geschichten. Nun, ich denke, dass SonntagsBlick-Leser auch Menschen sind -- oder was denken Sie?

Jetzt hat Sie+Er mit Marcel Maerz einen eigenen Chefredaktor. Gibt es keine Kompetenzgerangel?

Eine der grossen Qualitäten eines Chefredaktors muss sein, Dinge, grosse Dinge auch zuzulassen. Diese Qualität hat Sobli-Chef Christoph Grenacher. Er hat zugelassen und lässt zu, dass eine Crew eine komplettes Magazin herstellt, ohne dass er selbst jeden einzelnen Entscheid gefällt hat. Da heisst aber nicht, dass Grenacher sich nicht mit der Sie+Er-Mannschaft bespricht und Einfluss nimmt. Das ist doch selbstverständlich so. Und es funktioniert!

Die Produktion von Sie + Er ist sehr teuer. Wann wird der Preis des SonntagBlick angehoben?

Darüber haben wir noch nicht gesprochen. Zuerst soll das neue Angebot wirken.

Wo sehen sie bei Sie + Er noch Verbesserungspotenzial?

Wie bei jedem publizistischen Projekt: Überall! Mann kann immer noch besser werden. Wenn man denkt, man habe das Ziel erreicht, wird man selbstgefällig und stürzt ab.


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