17.01.2021

SRF

So wirbt SRF für seine News-App

SRF sei «frei von ideologischen, politischen und wirtschaftlichen Interessen», heisst es in einem Imagespot, der am Ende dazu auffordert, die SRF News App herunterzuladen. So viel Werbung wäre gar nicht nötig. Denn srf.ch ist jetzt schon die Nummer eins.
von Edith Hollenstein

«Digital first» gilt im Leutschenbach. Endgültig und unmissverständlich seit August 2020, als SRF-Direktorin Nathalie Wappler das digitale Transformationsprojekt «SRF 2024» vorgestellt hatte (persoenlich.com berichtete).

Ein wichtiges Tool, mit dem das Publikum online auf SRF-Inhalte zugreifen kann, ist die App «SRF News». Dass SRF diese stark pushen will, sorgte im September für Aufsehen. Die NZZ hatte darüber berichtet, dass SRF «einen Angriff auf andere private Newsangebote plant».

«Wir gehen tiefer», so das Versprechen

Mit einem vielleicht ein wenig aufgeblasenen, aber sicher sehr gefühlsbetonten Werbespot will SRF nun SRF-News und so auch ihre News-App bekannter machen. «Wir kratzen nicht nur an der Oberfläche, wir decken auf. (…) Wir prüfen unsere Quellen, recherchieren sorgfältig und ausgewogen. Wir gehen tiefer», so das Versprechen im Film, der im letzten Jahr lanciert wurde und seit Januar in einer aktualisierten Version immer wieder im Umfeld von quotenstarken Sendungen über den Bildschirm flimmert. Wenn globale Krisen die Nachrichtenlage ständig verändern, sei «echter Qualitätsjournalismus wichtiger denn je», so die Off-Stimme, während Bilder von medizinischem Personal in Corona-Schutzanzügen zu sehen sind, gefolgt von Screenshots aus «10 vor 10», «Schweiz aktuell» und der «Tagesschau» mit den Moderatoren Arthur Honegger, Katharina Locher und Cornelia Boesch.


Damit nicht genug (der Spot dauert schliesslich eineinhalb Minuten): «Frei von ideologischen, politischen und wirtschaftlichen Interessen sind wir der Wahrheit verpflichtet (…) mit einem unabhängigen Blick auf die Welt», so die Off-Stimme in feierlichem Ton, bevor am Schluss der Call-to-Action eingeblendet wird: «SRF News App – jetzt downloaden».

Nutzer von Privaten abwerben

Wie die NZZ in ihrem Artikel vom Herbst berichtete, hatte sich SRF das Ziel gesetzt, ihre News-App bis Ende 2021 zu überarbeiten und sie so attraktiv zu machen, dass «mindestens die Hälfte der Deutschschweizer die neue News-App nutzen». Kritisiert wurde damals nicht primär, dass SRF seine Online-Angebote ausbaut und verbessert, sondern dass SRF für diese Expansion die Nutzer von bestehenden privaten Newsangeboten wie 20 Minuten, Watson oder blick.ch abwerben will.

Verschiedene Möglichkeiten zeigen

SRF will seinen neuen Spot vorzugsweise nicht als Werbespot bezeichnen, das sei ein «Imagespot». Die Priorisierung von SRF News liege darin begründet, dass es sich dabei um «die übergreifende Marke für die Themen der Tagesaktualität und der Breaking News auf allen Ausspielkanälen» handle, erklärt SRF-Sprecher Stefan Wyss. «Unsere App ist nebst vielen News-Angeboten im TV und Radio einfach ein weiterer Ausspielkanal unserer Newsberichterstattung. Um für die Nutzerin und den Nutzer den favorisierten Zugang zu gewährleisten, zeigen wir im Spot die unterschiedlichen Möglichkeiten auf, um unsere Newsinhalte zu konsumieren», so Wyss weiter.

Srf.ch ist Nummer eins

Dass sich SRF mit prominenter Eigenwerbung so stark ins Zeug legt, ist eigentlich gar nicht mehr nötig. Die öffentliche Rundfunkanstalt hat nämlich, von vielen gar nicht richtig bemerkt, 20min.ch, die langjährige Nummer eins unter den Schweizer Newsportalen, bereits überholt:

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Srf.ch war im zweiten Halbjahr 2020 die reichweitenstärkste Schweizer Newswebsite. Sie erreichte 3,5 Millionen Nutzerinnen und Nutzer (NET-Metrix 2020-2) und steht damit deutlich vor 20min.ch, blick.ch und nzz.ch.



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Kommentare

  • Stefan Berger, 18.01.2021 07:57 Uhr
    Werbung ist also gar nicht mehr nötig, wenn man die Nummer eins ist? Tolle Aussage vom Branchenportal Nummer eins!
Kommentarfunktion wurde geschlossen

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