17.02.2023

Story Killers

Spanische Firma lässt Artikel verschwinden

Eliminalia geht mit dreisten Methoden gegen Journalisten vor – auch in der Schweiz. Dies zeigen internationale Recherchen, an denen auch der Recherchedesk von Tamedia oder das Westschweizer Fernsehen RTS beteiligt war.
Story Killers: Spanische Firma lässt Artikel verschwinden
Eliminalia lässt unliebsame digitale Spuren verschwinden, auch in der Schweiz. (Bild: Pixabay)

Eliminalia, eine spanische Firma für Reputationsmanagement, hat systematisch Informationen von öffentlichem Interesse aus dem Internet verschwinden lassen. Die Firma arbeitete «für Betrüger, Folterer oder korrupte Politiker auf der ganzen Welt», wie es im Tages-Anzeiger heisst. Die Recherche ist Teil des investigativen Projekts «Story Killers» von Forbidden Stories. Am Recherche-Netzwerk waren 30 Medien aus 20 Ländern beteiligt – darunter der Recherchedesk von Tamedia oder das Westschweizer Fernsehen RTS.

Von den total 1500 Kundinnen und Kunden hat RTS deren 43 in der Schweiz identifiziert. Darunter sei ein Zirkuskünstler, der kürzlich wegen unsittlicher Berührung eines Minderjährigen verurteilt worden war. Eliminalia verkaufe ihre Dienstleistungen an Gauner, sagte Sébastien Fanti, Experte für digitales Recht, gegenüber RTS: «Sie verwischt journalistische Recherchen, sie löscht die Wahrheit. Diese Firma ist ein digitaler Auftragskiller.»

Eliminalia behauptet, Zeitungsartikel im Internet löschen zu können. Laut Recherchen des Netzwerks Forbidden Stories forderte Eliminalia beispielsweise Journalisten direkt auf, gewisse Inhalte vom Netz zu nehmen – ansonsten würden gerichtliche Strafen drohen. Ausserdem wurden Google-Algorithmen «so beeinflusst, dass die Suchmaschine die positiven Beiträge über gewisse Klienten vor den negativen anzeigte», heisst es im Tages-Anzeiger.

Eliminalia strich 2019 seine Schweizer Niederlassung aus dem Handelsregister. An gleicher Adresse ist heute eine Firma mit dem gleichen Geschäftsmodell. Versuche des Recherche-Konsortiums, von Eliminalia Antworten zu erhalten, sind gescheitert. (cbe)


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