02.06.2013

SSF

Sport-Szene-Fernsehen bleibt nun doch auf Sendung

"Wir machen nur noch das, was wir uns leisten können": VR-Präsident Tom Mörker rechtfertigt den Zickzackkurs.
SSF: Sport-Szene-Fernsehen bleibt nun doch auf Sendung

Nun ist doch nicht Schluss: Mit einem neuen Finanzierungskonzept und einer Konzentration der Sendezeit auf das Hauptabendprogramm konnten die Betreiber eine Lösung finden, die eine Weiterführung des Sport-Szene-Fernsehens (SSF) ermöglicht. Noch Anfang April hatten die Betreiber Gegenteiliges verkündet. "TV-Sender vor dem Aus", heiss es damals (persoenlich.com berichtete). Warum dieses Hin und Her? Leidet dadurch nicht das Image? persoenlich.com fragte Verwaltungsratspräsident Tom Mörker:

Herr Mörker, vor einigen Wochen haben Sie das Ende des Sportfernsehens SSF angekündigt. Jetzt gehen Sie weiterhin auf Sendung. Warum dieser Zickzackkurs?
Vor zwei  Monaten sah unsere Welt tatsächlich noch ziemlich anders aus und es bestand kaum Aussicht, den Sender auf einer gesunden Basis zu führen. Es war und ist uns ein Anliegen, unsere Partner fair zu behandeln und keine Leistungen zu beziehen, die später nicht beglichen werden können. Deshalb mussten wir die Notbremse ziehen. Allerdings habe ich bei unserem letzten Gespräch im Konjunktiv gesprochen – immerhin bestand damals noch eine geringe Chance, den Sender zu retten. Diese Chance konnten wir tatsächlich nutzen. 

Was ändert sich nun?
Zum einen haben wir eine Basisfinanzierung sichern können, was uns eine gewisse wirtschaftliche Sicherheit gibt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Unterstützung der Kabelnetzbetreiber – insbesondere der upc-Cablecom und der Swisscom – welche uns die Verbreitung auf dem bisherigen Programmplatz zugesichert haben. Dazu sind wir neue Kooperationen mit Contentpartnern eingegangen, haben eine neue Lösung für unser Playout System gefunden und uns intern neu organisiert. Das SSF ist zukünftig Teil unser Produktionsfirma WebComTV, welche von Jean-Claude Bruhin zusammen mit dem bewährten SSF-Programmleiter Philip Michel geführt wird.

Worauf legen Sie Ihren programmlichen Fokus?
Sport bleibt unser Fokus. Mit Live-Übertragungen von Schweizer Sport Events, Eigenproduktionen wie unserem Fussballtalk "Zwölf" und diversen Lizenzformaten werden wir weiterhin ein Schaufenster für den Sport bleiben, welches in Ergänzung zur übrigen Sportberichterstattung einen echten Mehrwert für die Zuschauer bietet. Zudem bauen wir den Programmbereich "Szene" aus. Unter diesem Begriff fassen wir Programminhalte aus den Bereichen Kultur, Gesellschaft, Kunst und Lifestyle zusammen und planen verschiedene Sendungen. Der gemeinsame Nenner ist, dass wir mit unseren Themen bestimmte Communitys - also Szenen - ansprechen und deren spezifische Interessen bedienen möchten.  

Glauben Sie nicht, dass durch die Einstellungsankündigung der Brand SSF Schaden genommen hat?
Doch, das ist bestimmt der Fall. Wir konnten drei unterschiedliche Reaktionen feststellen: Ein ganz kleiner Teil der Leute war schadenfreudig: Diese werden wohl nie unsere Freunde werden. Etwa zwei Drittel unserer Partner und Zuschauer waren traurig über die Ankündigung und werden sich nun bestimmt über die Weiterführung freuen. Rund ein Drittel war enttäuscht. Da geht es nun darum, das Vertrauen zurück zu gewinnen. Daran werden wir nun in den nächsten Wochen und Monaten mit Hochdruck arbeiten.

Wer finanziert das Sportfernsehen?
Uns steht täglich ein Zwei-Stunden-Programm mit zwei Wiederholungen zur Verfügung, die restliche Zeit wird durch Verkaufs-Formate und Mehrwertdienste besetzt. Dies sichert uns rund 65 Prozent der Einnahmen. Daneben gibt es die üblichen TV-Spot- und Sponsoring-Angebote und "last but not least" produzieren wir gemeinsam mit Partnern neue Branded-Entertainment-Formate, welche wir auch auf weiteren Sendern ausstrahlen werden. 

Wie hoch ist das jährliche Budget?
Wir haben unser Jahresbudget um rund einen Drittel reduziert. Damit liegen wir aber noch immer in einem tiefen siebenstelligen Bereich. Fernsehmachen ist und bleibt eine teure Angelegenheit. Wir haben uns aber auf die Fahne geschrieben, dass wir nur noch Dinge produzieren wollen, bei denen auch die Finanzierung gesichert ist.

Sie glauben also, dass Sie im schwierigen Schweizer TV-Markt eine Chance haben.
Unbedingt! Die Zukunft ist digital und vernetzt, da sind wir mitten drin. Wie erwähnt  werden wir von einer sicheren Basis aus operieren, und nur das machen, was wir uns leisten können. Somit haben wir auf der einen Seite eine wirtschaftliche Sicherheit. Auf der anderen Seite bleibt die Nachfrage nach Sportinhalten bestehen und wir sprechen damit ein breites Publikum an. Zusätzlich wollen wir uns gerade im Bereich Szene mit mutigen Formaten profilieren. Dazu werden wir Im Laufe des Sommer mehr sagen können.

Wie gross ist die Unterstützung der Sportszene?
Das wird sich nun zeigen müssen. Es gibt aber tatsächlich neue Partner und Konstellationen, sowohl bei Verbänden, wie auch auf der Seite von Inhaltsproduzenten. Ein Grossteil der Sportbranche schätzt unsere Plattform und wird uns sicher auch zukünftig unterstützen. Da gibt es also ein beträchtliches Potenzial. 

Wieviele Leute beschäftigen Sie?
In der ganzen Gruppe arbeiten rund 60 Mitarbeitende. Davon beschäftigen sich etwa 20 mit digitalen Medien und TV.

Wie lange ist das Überleben des Sportfernsehens gesichert? 
Mit den neuen Verträgen sind wir für ein Jahr abgesichert und so haben wir auch budgetiert. Da wir uns aber zukünftig nur im machbaren Bereich bewegen, und keine unvernünftigen Risiken eingehen werden, bin ich von einem langen Leben des SSF überzeugt. 

Interview: Matthias Ackeret

 

 

 

 

 



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