23.04.2010

"Springers Wahl für Ringier ist für uns kein Problem"

Nicht nur Ringier, auch die Edipresse-Gruppe ist in Osteuropa mit Axel Springer liiert - schon seit Jahren! Zwar kooperieren Edipresse/Springer nur in Rumänien, das ist aber der Hauptgrund, weshalb Springer und Ringier das grosse Land nicht in ihren neuen Deal integrieren konnten. Dieses Vorhaben müssen sie erst mit Edipresse regeln. Wie - ist noch offen. Tibère Adler, CEO der Edipresse-Gruppe, lässt im Gespräch mit "persoenlich.com" jedoch durchblicken, dass er den beiden keine Steine in den Weg legen will. Seine Strategie ist klar: "Wir wollen künftig nichts mehr teilen." Das Interview:
"Springers Wahl für Ringier ist für uns kein Problem"

Herr Adler, Ringier und Springer erwirtschafteten 2009 in Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Serbien zusammen einen Umsatz von etwa 414 Millionen Euro. Wie gross ist das Osteuropa-Geschäft von Edipresse?

Aktuelle Zahlen kann ich erst am 26. April kommunizieren, darum jetzt nur so viel: Trotz Wirtschaftskrise waren unsere Ergebnisse in Polen, Russland, Rumänien und in der Ukraine auch im 2009 gut, insbesondere in Polen, das sogar ein kleines Wirtschaftswachstum verzeichnete. Davon konnten auch wir profitieren. Damit Sie aber einen Vergleich zu Ringier/Springer haben: 2008 generierten wir in Osteuropa etwa 130 Millionen Euro Umsatz.

Waren Sie eigentlich überrascht, als Sie erstmals vom Deal zwischen Ringier und Springer hörten?

Überhaupt nicht, es gab schon Gerüchte. Wir ahnten, dass etwas Grosses im Gange war. Zudem ändert sich für uns wenig. In Polen, wo Springer und wir aktiv sind, gibt es wenig Berührungspunkte: Sie haben vor allem Tageszeitungen, und bei den Magazinen Wirtschaftstitel wie "NewsWeek" und "Forbes", während sich Edipresse Polen mehr auf People- oder Frauenzeitschriften konzentriert. Und Ringier war bisher nicht in Polen präsent. Umgekehrt sind wir nicht in den andern Ländern, die unter den Deal fallen. Die Konkurrenzlage ist also dieselbe geblieben.

Nun wollen die beiden aber in den nächsten Jahren 350 Millionen Euro in diese Märkte investieren - also auch in Polen. Das wird Edipresse tangieren. Oder haben Sie aus Ihrem Schweiz-Deal mit Tamedia so viel Geld zur Verfügung, dass Sie in Osteuropa einen ähnlichen Betrag investieren können?

(lacht) Wir müssen erst sehen, wie wir dieses Geld einsetzen. Im Ernst: Nein, Edipresse hat nicht so viel zur Verfügung. Das Duo Ringier/Springer wird zweifellos eine solide Investitionskraft haben, um Neuakquisitionen zu tätigen. Sie haben ja grosse Pläne im Onlinebereich. Doch Geld allein ist noch keine Garantie für Erfolg. Deshalb sind wir überhaupt nicht besorgt.

Wie beurteilen Sie den Deal heute, mit etwas zeitlichem Abstand?

Das Konzept eines 50:50-Joint Ventures macht für die beiden Unternehmen durchaus Sinn. Für uns ist interessant, dass Springer in Russland allein bleibt - anscheinend wollte sich Ringier dort nicht beteiligen. Und auch Rumänien ist nicht Teil des Deals, obwohl sowohl Ringier als auch Springer dort präsent sind. Ringier hat dort ein grosses Geschäft, machte 2009 aber hohe Verluste. Springer wiederum hält 40 Prozent an einem Joint Venture mit uns. Rumänien ist somit noch ein ungeschriebenes Kapitels. Jedenfalls weiss ich nicht, was Ringier und Springer dort machen möchten.

Springer-CEO Matthias Döpfner sagte an der Pressekonferenz vom 24. März, Rumänien sei - auch wegen des Joint Ventures mit Edipresse - nicht Teil des Deals mit Ringier. Springer müsse diese Situation erst bereinigen. Wie geht es konkret weiter?

(lacht) Das werden wir nun mit Springer besprechen, wir verstehen uns gut. Ich wusste allerdings nicht, dass Herr Döpfner das gesagt hatte. Wir müssen also erst herausfinden, welches Springers Absichten in Rumänien sind.

Hat Herr Döpfner bisher nie davon gesprochen, dass er aus eurem Joint Venture aussteigen will?

Das will ich im Moment nicht kommentieren. Ich kenne zudem Ringiers Absicht nicht, sie haben dort ja ein paar Titel verkauft.

Ringier hat mitgeteilt, in Rumänien bleiben zu wollen, sie werden aber weiter restrukturieren.

Ich schliesse daraus, dass das Ringier-Business dort noch sehr defizitär ist. Vielleicht haben Springer und Ringier auch vereinbart, dass sie ihre Rumänien-Geschäfte erst dann an ihr neues Joint Venture ankoppeln, wenn sie Gewinn machen.

Das würde bedingen, dass Springer aus dem Joint Venture mit Edipresse aussteigt. Wie ist dort der allfällige Ausstieg eines Partners geregelt?

Dazu will ich nichts sagen. Nur so viel: Rumänien wird bestimmt zum Gesprächsstoff werden.

Interpretiere ich richtig: Als Sie vom Ringier/Springer-Deal hörten, galt Ihre grösste Sorge Rumänien?

Nein. Denn wir führten schon vorher Gespräche über die Zukunft unseres Joint Ventures in Rumänien, allerdings nahm Springer nie klar Stellung. Nun ist mir klar, warum: Sie mussten zuerst den grossen Deal mit Ringier unter Dach bringen und sind erst jetzt in der Lage, sich zu äussern.

Einmal angenommen, Springer trennt sich in Rumänien von Edipresse, löst (wie auch immer) den eigenen Anteil heraus und bringt diesen zusammen mit Ringiers Rumäniengeschäft in das neue Joint Venture ein. Was wäre die Konsequenz für Edipresse in Rumänien und im übrigen Osteuropa? Bleiben Sie dort? Suchen Sie neue Partner?

Klar ist schon jetzt: Wir wollen auf jeden Fall in Russland, in der Ukraine und in Polen bleiben. In diesen drei Ländern sind wir mittlerweile selbständig, halten also unsere jeweiligen Portfolios zu 100 Prozent in den eigenen Händen. Das wollen wir so beibehalten. Wir hegen weder Verkaufsabsichten noch wollen wir mit jemandem ein Joint Venture eingehen noch sehen wir andere Deals vor. Das entspricht übrigens einer Strategie, die wir international verfolgen, auch in der Schweiz, wie der Deal mit Tamedia zeigt. Wir streben an, in jedem Land, in dem wir heute präsent sind, eine klare Besitzlage zu schaffen: Entweder wir erhalten 100 Prozent am jeweiligen Portfolio - oder wir steigen aus.

Was heisst das nun für Rumänien?

Das werden wir jetzt mit Springer diskutieren. Sagen wir es mal so: Dort könnte sich durchaus noch etwas bewegen.

Ist man seitens Edipresse enttäuscht, dass Springer in Osteuropa nun plötzlich enger mit Ringier zusammen spannt?

Überhaupt nicht. Das kommt uns sogar entgegen. Seit wir uns für den Tamedia-Deal entschieden haben, wollen wir im internationalen Feld überhaupt nichts mehr teilen. Das war ein bewusster Entscheid unserer Aktionäre. Springers Wahl für Ringier ist für uns somit weder eine Überraschung noch ein Problem. Wir bereuen auch nichts.

Dennoch: Käme Gruner + Jahr, allenfalls auch Bauer als mögliche Partner in Osteuropa in Frage? Oder allenfalls in Spanien?

Bloss rein theoretisch.

Edipresse zieht es also vor, künftig ganz allein in die Welt hinaus zu gehen?

Ja.

Neben Boulevardzeitungen und Online fokussiert das Duo Ringier/Springer in Osteuropa vor allem auf People- und Frauenmagazine. In diesem Bereich hat Edipresse das eine oder andere Produkt, das für die beiden durchaus von Interesse sein könnte.

Das müssen Sie Ringier und Springer fragen. Ich weiss nicht, was deren Prioritäten sind. Ich will nicht überheblich sein, glaube aber, dass unsere Aktivitäten in Polen für jeden interessant wären, auch für den deutschen Verlag Bauer. Aber wir wollen gar nicht verkaufen.

Verkaufen ist das eine, tauschen das andere. Letztes Jahr haben Sie mit Marquard Media zwei Titel getauscht. Wäre das auch eine Option gegenüber Ringier/Springer?

Sie haben recht, das haben wir letztes Jahr mit Marquard in Polen gemacht - eine Strategie, die wir theoretisch weiterverfolgen könnten - doch wenn, dann nur punktuell. Wir hegen jedenfalls keine Absichten. Allfällige anderslautende Gerüchte kann ich klar dementieren: Bezüglich des Osteuropageschäftes gibt es seitens Edipresse weder Verkaufs- oder Tauschgespräche noch die Bereitschaft dazu.

Erlauben Sie, dass ich dennoch konkreter nachfrage: Vor einem Jahr sagte Christian Unger in einem Interview, dass das Edipresse-Auslandgeschäft für Ringier punktuell interessant sei. Gab es unterdessen Gespräche?

Nein, es gab keine Deals. Ein Fragezeichen steht einzig über Rumänien.

(Interview: Markus Knöpfli)


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