Nach nur 74 Minuten war alles klar: Bei der Ersatzwahl für Didier Burkhalter am Mittwoch wurde der Tessiner Ignazio Cassis wie erwartet zum 117. Schweizer Bundesrat gekürt – mit 125 Stimmen. Eine unspektakuläre Wahl ohne Störmanöver. SRF und Tele Züri (mit Tele M1 und Tele Bärn) gaben ihr Bestes.
Fürs Schweizer Fernsehen moderierte und interviewte im Bundeshaus auch diesmal Susanne Wille. Für Analysen stand ihr erneut der Politologe Adrian Vatter (Uni Bern) zur Seite. Ein tadelloses Gespann. Tele-Züri-Chef Markus Gilli moderierte im Studio in Zürich. Seine Gäste: Publizistin Esther Girsberger und Politologe Andreas Ladner (Uni Lausanne). Vatter und Ladner gehören seit Jahren zu den renommiertesten Schweizer Politikwissenschaftlern. Im Bundeshaus kommentierte und interviewte Oliver Steffen für den Zürcher Kanal und seine Sender-Töchter – kompetent wie gewohnt. Aufgefallen: Eine Krawatte hätte auch seinem Kollegen Matthias Steimer beim seltenen Hochamt im Bundeshaus gut gestanden.
SRF hatte im ersten Teil der Übertragung streckenweise Ton- und Regieprobleme. Als sich der abtretende Didier Burkhalter und der frischgewählte Ignazio Cassis während den Reden ihrer Muttersprache bedienten, übersetzte Tele Züri simultan. SRF beliess es bei einer kurzen Zusammenfassung durch den Bundeshaus-Redaktor Hanspeter Trütsch. Für den Ostschweizer war es die letzte Bundesratswahl, er geht in vier Monaten in die Pension (persoenlich.com berichtete).
Um 9.30 Uhr war die Vereinigte Bundesversammlung bereits geschlossen. Die TV-Sender lieferten Interviews, Analysen und Einschätzungen am laufenden Band, bei Tele Züri bis nach 11 Uhr. In den Programmen von Telebasel, Tele Bielingue, Tele 1, Tele Top, TVO und Tele Südostschweiz liefen während der Bundesratswahl Wiederholungen und Teleshopping. Nota bene: Diese sechs Sender kassieren jährlich rund 15 Millionen Franken aus dem Gebührentopf.
Tele Züri (mit Senderfamilie) und SRF hatten zu dieser Bundesratswahl schon in den vergangenen Wochen tadellosen Infoservice geboten. Service public im besten Sinne. Am Vorabend der Wahl gab es mit dem Thema «Würde oder Bürde» den letzten «Club» mit Urs Gredig. Ihn wird man vermissen.
Nach einem langen Tag war Ignazio Cassis abends noch Gast im «Rundschau-Talk», der auf das Mittwoch-Quiz folgte. Ein weiterer magistraler Auftritt des Tessiners. Das SRF-Dreamteam Susanne Wille und Sandro Brotz versuchte, dem neuen Bundesrat auf den Zahn zu fühlen. Es blieb bei dem Versuch.

René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star». Er schreibt regelmässig TV-Kritiken für persoenlich.com.
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21.09.2017 18:11 Uhr

