Moritz Leuenberger nimmt die SRG in die Pflicht: Die geplante engere Zusammenarbeit von Radio und TV müsse erst strukturell konzipiert werden, bevor man über Personalfragen rede. Und auch SRG-intern wird Kritik an Generaldirektor Armin Walpen laut.
Seit Wochen gibt das Projekt Medienkonvergenz bei den SRG-Medien zu reden. Für Unruhe bei den Radioangestellten sorgten insbesondere von den Medien verbreitete Gerüchte, Fernsehchefin Ingrid Deltenre solle im Zuge der geplanten Restrukturierung neue Generalintendantin von Radio und TV werden.
Bevor jedoch derartige Personalentscheide gefällt würden, solle die SRG-Spitze zunächst strukturelle Entscheide fällen, fordert Medienminister Moritz Leuenberger in einem am Freitag im "Tages-Anzeiger" erschienenen Interview. Publizistisch berge das Konvergenzprojekt nämlich Risiken. Umstrukturierungen müssten von den Konsumenten und den Mitarbeitenden akzeptiert werden. Bei personellen Fragen und auch, was das Tempo der Reform betreffe, sei deshalb grösste Vorsicht geboten.
Übergangschef als mögliche Lösung
Erleichtert werde die Restrukturierung, wenn sie nicht vom künftigen Superintendenten oder der Superintendentin durchgeführt werde, sagte Leuenberger. Dann nämlich könne der künftige Chef von Radio und TV nicht seine persönlichen Interessen ins Projekt Medienkonvergenz einbringen. Ein solcher Übergangschef könne eine externe Person sein oder jemand, der nachher nicht für die Umsetzung des Projekts Medienkonvergenz verantwortlich sei. Solche Fragen müsse aber der SRG-Verwaltunsrat klären.
Chancen biete das Projekt Medienkonvergenz vor allem im Onlinebereich, sagte Leuenberger weiter. Nicht jedes Radio- und Fernsehprogramm müsse seinen eigenen Internetauftritt haben. Auch bei den Anschaffungen, im Gebäudebereich oder bei der Technik könne man Synergien besser nutzen. Bei einer Überprüfung durch den Bund habe sich 2006 ja gezeigt, dass in diesen Bereichen Einsparpotenzial vorhanden ist.
Unterstützung auch bei der SRG
Mit seinen Forderungen stösst Leuenberger auch innerhalb der SRG auf Zustimmung: Es gebe schon seit langem ein grosses ungenutztes Sparpotenzial bei der SRG, sagte Dieter Niedermann, Vorsitzender der Präsidenten der SRG Deutschschweiz, in einem am Freitag in der "Berner Zeitung" erschienenen Interview.
Sparen könne man etwa bei der Liegenschaftsverwaltung und beim Personalwesen. Rein betriebswirtschaftlich mache eine Zentralisierung zwar auch bei Radio und TV Sinn. Doch Fernsehen und Radio stellten nicht einfach Ravioli her, sondern trügen zur Meinungsbildung bei.
Harsche Kritik übt Niedermann an SRG-Generaldirektor Armin Walpen. Bis heute seien nicht einmal die Entscheidungsgremien der SRG Deutschschweiz offiziell informiert worden. "Man erwartet offenbar von uns, dass wir den Projekten zustimmen, ohne sie vorher studiert zu haben", sagte Niedermann weiter. Kritisch äussert er sich auch zum Führungsstil Walpens. Dieser sei bereit, seine Macht "bis an die Grenzen" auszuspielen. (sda)

