27.06.2005

NZZamSonntag

Staatsanwalt fordert Preisgabe der anonymen Quellen

Frank A. Meyer hält Vorgehensweise für einen Fehler.

Zwei Wochen nachdem die NZZamSonntag eine anonyme Aussage publizierte, wonach Marko Turina die Transplantation eines falschen Herzens im Wissen um die Risiken bewilligt hat, beschäftigt der Fall Voser weiterhin die Presse. Staatsanwalt Jaroslav Jokl will gemäss der SF-Sendung "10vor10" die NZZamSonntag via Obergericht zwingen, ihre anonymen Quellen preiszugeben. Gegenüber der Sonntagszeitung bezeichnet Strafrechtsprofessor Marcel A. Niggli das Vorgehen der Staatsanwaltschaft als ein "eigenartiges Vorgehen". Er könne nicht nachvollziehen, welche Informationen sich Jokl von den Quellen erhoffe. Und Peter Studer Präsident des Schweizer Presserates, ruft die NZZamSonntag gar zu "bürgerlichem Ungehorsam" auf, heisst es in der SonntagsZeitung.

Im Gegenzug analysiert Frank A. Meyer die Vorgehensweise der NZZamSonntag im SonntagsBlick -- und übt Kritik an deren Vorgehensweise. "Die NZZamSonntag hätte die angeblichen Zeugen von Turinas Missetat an den Staatsanwalt verweisen können, mit der Aufforderung, sie sollten doch dort zunächst einmal mit offenem Visier aussagen, was sie zu sagen hätten", rät Meyer. Der Zeitung wäre dann unbenommen gewesen, die Aussagen dann erst exklusiv zu veröffentlichen, abgesichert durch eine Vereinbarung zwischen Zeugen und Redaktion.

Dass sich die Redaktion der NZZamSonntag zur Denunziation von Turina entschieden habe, wertet Meyer als Fehler, der aber "uns Journalisten" im Eifer des Gefechtes um Auflage und Aufmerksamkeit immer mal wieder unterlaufen könne. Wer schon weiss das besser als Meyer selbst?

Mehr noch als die "fragwürdige Enthüllung" jedoch regt sich Meyer über die Einschätzung der Publikation am Freitag in der NZZ auf. Dass diese nun vom Mutterblatt als "Gesellenstück" gefeiert wird, findet Myer schlichtweg als skandalös.


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