01.03.2010

OnlineReports

SVP Riehen boykottiert Basler Nachrichtenportal

Grund: Berichterstattung sei tendenziös und einseitig negativ.

"Ja, es stimmt, ich habe Herrn Knechtli ein Mail geschickt, in dem ich ihm mitteilte, dass er von uns keine Presseinformationen mehr erhält", sagt Aaron Agnolazza, Pressesprecher der SVP Riehen (BS). Diese Massnahme sei unbefristet. Weiter hielt Agnolazza fest, dass der Inhalt seines Mails auf dem Portal richtig widergegeben sei.

Demnach war ein Kommentar des Basler Journalisten Peter Knechtli Grund für den Entscheid der Ortspartei, das regionale Nachrichtenportal Onlinereports aus dem Presseverteiler zu streichen. Die SVP Riehen habe sich "zu diesem Schritt entschlossen, weil Ihre Berichterstattung oftmals tendenziös und einseitig negativ gegenüber der SVP Riehen und Ihren Mandatsträgern ist", schrieb Agnolazza am 28. Februar an Knechtli.

Knechtli selbst reagierte, indem er am 1. März den Boykott auf seinem Portal postwendend publik machte und auch kurz kommentierte. Onlinereports werde sich durch den SVP-Boykott nicht an die Kandare nehmen lassen, schrieb er. Zudem sei der Vorwurf der tendenziösen Berichterstattung nicht belegbar: Zuvor habe Onlinereports erst einmal einen Exponenten der SVP Riehen kritisch gewürdigt. Von der Kantonalen SVP war am Montag keine Stellungnahme erhältlich. Und bei der SVP Schweiz hatte man keine Kenntnis vom Boykott der Riehener Ortspartei. Man könne deshalb zum konkreten Fall nicht Stellung nehmen, sagte Pressesprecherin Silvia Bär. Grundsätzlich aber handle jede Ortsparteil eigenverantwortlich, die SVP-Zentrale mache den einzelnen Sektionen oder Ortsparteien keine Vorgaben punkto Pressearbeit. Möglicherweise habe der Boykott aber eine längere Vorgeschichte, mutmasste sie.

Und wie hält es die Parteizentrale der SVP Schweiz selbst – hat sie auch schon kritische Medien aus dem Verteiler gekippt? "Nein, wir handhaben das nicht so", sagte Bär und liess leise Verwunderung über die Riehener Ortspartei durchschimmern. Normalerweise sei ja jede Partei froh über die Echos in den Medien, meinte sie. Was hingegen schon vorgekommen sei: Dass SVP-Exponenten einzelnen Medien keine Statements oder Interviews mehr gegeben hätten. Etwa dann, wenn man den Eindruck gewonnen habe, ein Journalist wolle die Aussagen bloss dazu benützen, um eine vorgefertigte These zu stützen. Konkret erinnert sich Bär daran, dass sowohl Christoph Blocher als auch Ueli Maurer dem "Blick" eine Zeit lang keine Auskunft oder Interviews mehr gaben. (Text: Markus Knöpfli)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen