29.11.2019

Aus von «Late Update»

«Tages-Anzeiger» kritisiert SRF

Die Absetzung von Michael Elsener sei «eine krachende Niederlage fürs Schweizer Fernsehen» und sie könne mit dem FDP-Witz zusammenhängen. SRF sieht das anders: «Etwaige politische Interventionen, in welcher Form auch immer, haben keinen Einfluss».
Aus von «Late Update»: «Tages-Anzeiger» kritisiert SRF
Gebraucht, aber nicht unbrauchbar: Michael Elsener posiert mit einem Kartonschild vor dem SRF-Fernsehstudio in Zürich. (Bild: Twitter/@michaelelsener)
von Loric Lehmann

Nachdem bekannt wurde, dass das Schweizer Fernsehen keine weitere Staffel von Michael Elseners «Late Update» mehr produzieren wird, analysierte der «Tages-Anzeiger» den Entscheid in einem Kommentar. Redaktor Andreas Tobler schreibt, er verstehe die Absetzung der Satire-Sendung im Qualitätsmassstab zwar, jedoch müsse man auch sehen, dass die Quoten von «Deville» zuletzt etwa auf ähnlichem Niveau lagen.

Ausserdem habe «Deville» viel länger Zeit gehabt, um sich zu etablieren, so Tobler weiter. «Deville» hatte zuerst für sechs Staffeln den Sendeplatz am Freitagabend zu Verfügung, bevor es auf den Sonntagabend wechselte. Deshalb sei die Absetzung von «Late Update» nicht nur überhastet, sondern auch «eine krachende Niederlage fürs Schweizer Fernsehen». Denn bei «Late Update» handelt es sich im Gegensatz von «Deville» um eine Eigenproduktion des SRF.

«Keine Witze mehr über die FDP»

Ebenfalls sei die Absetzung einen Monat nach der Intervention von FDP-Präsidentin Petra Gössi bei SRF-Chef Gilles Marchand wohl kein Zufall: Nach einem Sketch auf Kosten der Freisinnigen habe sich Gössi beim SRF beschwert, wie die «SonntagsZeitung» aufdeckte. «Völlig daneben» sei dieser gewesen, sagte die FDP-Präsidentin der SoZ, da dieser «fälschlicherweise» den Eindruck erwecke, «dass Liberalismus und Eigenverantwortung die Tötung von Menschen in Kauf nehmen würden».

Daher sei Elsener, so die SoZ, angewiesen worden, er dürfe keine Witze mehr über die FDP machen. Michael Elsener wollte sich auf Anfrage von persoenlich.com nicht zur Absetzung seiner Sendung äussern.

«Weniger Entwicklungspotenzial als Deville»

Von SRF äusserte sich Tom Schmidlin, Bereichsleiter Entwicklung & Comedy. Er sagt, die Quoten hätten beim Entscheid keine Rolle gespielt. «Wir haben uns für «Deville» entschieden, weil wir bei dieser Sendung ein grösseres Entwicklungspotenzial sehen», so Schmidlin.

Und was sagt er zur politischen Dimension? Wie viel hatte der Entscheid mit der Intervention von FDP-Präsidentin Petra Gössi nach einem Sketch auf Kosten der FDP zu tun? «Satirefreiheit ist das höchste Gut für Comedy-Schaffende. Etwaige politische Interventionen, in welcher Form auch immer, haben keinen Einfluss auf unser Satire-Programm», so Schmidlin auf die entsprechende Frage.

Er ist auch nicht der Meinung, dass Elsener im Gegensatz zu «Deville» weniger Zeit hatte, sich zu etablieren: «Die Entscheidung die wir getroffen haben, hängt nicht mit der Etablierung der Formate zusammen, sondern mit deren Entwicklungspotenzial.»

Schmidlin stellt für 2021 eine weitere Comedy-Eigenproduktion in Aussicht. SRF werde weiterhin die «Comedy Talent Show» produzieren und auch ein zweite Staffel «Tabu» sei in Planung – zu dem eine Vielzahl an Radio- und Onlineformaten.



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Kommentare

  • Peter Müller, 29.11.2019 09:43 Uhr
    Late update war besser als Deville. Aber das ist ja auch nicht schwierig.

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