Peter Rothenbühler, Direktionsmitglied von Edipresse, hat für das Newsnetz den neuen "Tages-Anzeiger" unter die Lupe genommen. Erst konstatiert er, dass das Lifting total gelungen sei, denn man merke nichts davon. Nach zwei Tagen werde niemand mehr wissen, wie der "Tagi" vorher ausgesehen habe. Im Detail klingt die Kritik dann noch kritischer: Man habe die Anpassungen eher mutlos angepackt. Einem Vergleich mit der "Financial Times", die sich mit ihrem Relaunch von einem tristen Traditionstitel zu einer "anmutigen, moderen Qualitätszeitung mit Pep" gewandelt habe, halte der "Tagi" nicht stand.
Nur bei der erneuerten Agenda-Rubrik erkennt er Frische und Mut. Ansonsten verschafft ihm seine "Lieblingszeitung" mit Trennstrichen über den Seitentiteln neuerdings Kopfschmerzen, und er vermisst sehnlichst den Kommentar auf der Frontseite. Die sehe nach ihrer Reduktion auf Nachrichteninhalte und ein Bild nun aus wie die Bluewin-Homepage. Man könne nicht "mehr Analyse", "mehr Eigenleistung" und das "Setzen von Schwerpunkten" predigen und das einzige Element, das auf Seite eins eine journalistische Visage hat, den Kommentar, wegnehmen, befindet der frühere Chefredator von "Le Matin" und der "Schweizer Illustrierten".
Zuletzt kommt er zum Schluss: "Tagi und NZZ gleichen sich immer mehr." Noch eine Reform auf beiden Seiten, und man könne die beiden Blätter fusionieren.

