Sie treten in die SZ-Gesamtanzeigenleitung ein. Welcher wird Ihr Aufgabenbereich sein?
Ich werde mich vor allem um die Anzeigenleitung gegen innen kümmern, wozu die Restrukturierung und die Neuorganisation gehören. Zudem leite ich das operative Management aller internen Prozesse, die Verkaufssteuerung sowie die Budgetierung.
Welche vordringlichen Aufgaben erwarten Sie, welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Um der dramatischen Entwicklung auf dem Inseratemarkt begegnen zu können, müssen wir uns intern so aufstellen, dass wir effizient und rasch reagieren können. Dabei ist vor allem wichtig, dass all unsere Aktivitäten auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtet werden. Das heisst ausgedeutscht: schnelle Reaktionszeiten, erhöhter Servicegedanke und schneller sein als die Konkurrenz.
Wie kommen Sie als Schweizer zu dieser Stelle?
Ich habe vor 15 Monaten eine eigene Firma gegründet, die sich auf den operativen Turnaround und das Crisis Management konzentriert. In dieser Funktion bin ich seit Februar diesen Jahres bei einer Hundertprozent-Tochter des Süddeutschen Verlages in Paris tätig gewesen. Der schwierige Turnaround ist nun seit Juli geschafft, und offenbar hat man das in München positiv zur Kenntnis genommen. Deshalb werde ich jetzt für das Flaggschiff, sprich die Süddeutsche Zeitung, eingesetzt.
Man kennt Sie als ehemaligen Manager bei Denner. Welche Erfahrungen haben Sie im Medienbereich?
Das Engagement bei Denner war zu kurz, um Spuren zu hinterlassen. Dies wird dort auch gar nicht gewünscht... Sie haben aber Recht: Ich bin tatsächlich mehr ein Konsumgütermann, der mit Berufsstationen bei NutraSweet, Master Foods oder auch als Mitglied der Konzernleitung der Feldschlösschen-Gruppe Nahrungsmitteln selbstverständlich nicht abgeneigt ist (lacht). Was man aber vielleicht weniger weiss, ist, dass ich meine ersten beruflichen Gehversuche als kaufmännischer Lehrling bei der Schweizer Annoncen AG ASSA -- damals Konkurrenz der Publicitas -- gemacht habe. Nach der Lehre war ich einige Zeit für dieselbe Firma in der Westschweiz tätig, bevor ich dann in den Konsumgütermarkt eingestiegen bin. Im übrigen habe ich auch als Marketingverantwortlicher viel mit Begriffen wie Reichweite, Zielpublikum oder Werbeträgerentscheid zu tun gehabt und mich so gesehen nie wirklich von dieser Branche entfernt.
Zeitungen sind in der Krise, und auch die SZ leidet. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?
Das fünfte Wort in Ihrer Frage (lacht). Wie schon erwähnt, beschäftigt sich meine eigene Firma mit genau diesem Problem, setzt sich mit genau diesen Sachfragen auseinander. In einer Krise sind Zupacken, Ändern, Neuausrichten, Aufbauen gefragt -- weniger Titel, Status und Strategien. Und wer mich kennt, weiss, dass ich gerne zupacke.
Mit SZ-Geschäftsführer Klaus Josef Lutz sitzt in München bereits ein Landsmann von Ihnen an der Spitze. Wie kommt es, dass die Süddeutsche Zeitung gleich zwei Schweizer in der Geschäftsleitung hat?
Da sind Sie nicht ganz richtig informiert. Lutz lebt zwar in der Schweiz und pendelt nach München, ist aber ein waschechter Bayer. Er ist seinerzeit als Turnaround-Manager mit Burda-Erfahrung für ein längerfristiges Mandat im St. Gallischen Rheintal in die Schweiz gezogen. Wenn Sie mit Lutz persönlich gesprochen hätten, würden Sie jedoch schnell merken, wo seine wahren Wurzeln sind...

