Nicht nur Name und Erscheinungsbild des Schweizer Fernsehens sind seit Montag neu. Nach ersten Serverproblemen präsentiert sich SF auch im Internet mit einem ausgebauten Newsauftritt. In die Online-Aktivitäten eingebunden ist auch SF-Chefredaktor Ueli Haldimann: Er sucht mit einem eigenen CR-Weblog den direkten Dialog mit den Zuschauern. "persoenlich.com" sprach mit Haldimann über die Rolle des Internets im publizistischen Gesamtangebot des Schweizer Fernsehens und seine neue Beschäftigung als Blogger.
Herr Haldimann, welche neuen Inhalte bietet SF unter www.tagesschau.sf.tv an?
Unsere News-Seite hat eine klassische Aufteilung in die Bereiche Schweiz, International, Wirtschaft, Kultur, Vermischtes und Sport. Das sind die gleichen Themenbereiche, die wir auch in unsern Sendungen abdecken.
Wie unterscheidet sich der Auftritt von anderen Newsportalen?
Wenn immer möglich, reichern wir die Meldungen mit Videomaterial an. Zum Teil sind es bereits ausgestrahlte Beiträge, zum Teil auch Rohmaterial. Dabei nutzen wir sehr viel Synergie mit den bestehenden Redaktionen der Abteilung Information, insbesondere mit "Schweiz aktuell", "Tagesschau" und "10vor10". Die Multimedia-Newsredaktion arbeitet mitten im Newsroom der Tagesschau. Wir dürfen mit Freude feststellen, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sehr gross ist; es gibt -- anders als in vielen Printhäusern -- keine Feinseligkeit zwischen den Redaktoren und Redaktorinnen der Sendungsredaktionen und den Onlinern.
Weshalb ist sf.tv gegenwärtig -- am Montag Nachmittag -- nicht zu erreichen?
Ich höre, dass wir vorübergehend ein Problem mit dem Server haben. Die News-Seite www.tagesschau.sf.tv und das Sportportal www.sport.sf.tv funktionieren, aber www.sf.tv harzt.
Vor einem Jahr sprachen Sie davon, SF DRS wolle mittelfristig das führende Newsportal der Schweiz werden. Halten Sie an dieser Zielsetzung fest?
Nein, wir haben uns vorgenommen, ein absolut mieses und dilettantisches Newsportal zu machen. Im Ernst: Natürlich haben wir den Anspruch, gute Arbeit zu leisten. Wir sich die Besucherzahlen entwickeln, werden wir sehen.
Ihre Ankündigung eines Führungsanspruchs hat aber gerade bei den Verlegern Entrüstung ausgelöst. Erwarten Sie, dass der Widerstand der Verleger anhält?
Ich bin hier als Chefredaktor und nicht als Wahrsager angestellt. Ich weiss es nicht.
Sie haben zuvor nicht ausgeschlossen, dass der neue Auftritt teilweise werbefinanziert sein wird. Wie ist Ihre Haltung dazu heute?
Die SRG SSR hat von sich aus entschieden, dass die SRG-SSR-Internetangebote keine Werbung haben. Es gibt also keine Banner, keine Skyscraper und erst recht keine Popup-Werbung auf unseren Seiten.
Wie viele Personen arbeiten auf der Newsredaktion?
Zur Zeit sind es sechs Vollzeitstellen, was uns eine minimale Präsenz an 18 Stunden pro Tag ermöglicht. Nur ein Teil der Stellen ist zusätzlich, weil die Multimedia-Newsredaktion auch gewisse Aufgaben übernommen hat, die bisher die Tagesschau-Redaktion erledigt hat.
Wo sehen Sie online für das Schweizer Fernsehen noch Nachholbedarf?
Wir haben seit heute ein stark ausgebautes Angebot. Im Frühsommer wird ein Teil der Teletext-Leute aus Biel nach Zürich kommen. Dann werden wir nochmals einen Schritt machen können.
Welche Ausbauschritte sind im Newsbereich geplant?
Wenn die Teletext-Leute hier sind, werden wir eine durchgehende 24-Stunden-Präsenz haben. Die gleichen Personen werden Meldungen für den Teletext und für das Newsportal schreiben. Wir möchten auch die spezielle, zum Teil interaktive Angebote ausbauen. Da kann man sicher noch mehr machen und gezielt die Möglichkeiten nutzen, die das Internet in Kombination mit dem Fernsehen bietet. Bereits jetzt haben wir zum Beispiel die Rubrik "Schon vergessen?", die jeden Tag einen Tagesschau-Bericht zu einem Ereignis bringt, das an diesem Kalendertag passiert ist. Heute ist es zum Beispiel der Tagesschau-Bericht vom 5. Dezember 1972 zur Abschaffung der Kavallerie.
In der Navigationsspalte ist ein Chefredaktoren-Weblog aufgeführt. Was ist da zu erwarten?
Ich werde in diesem Blog auf Themen eingehen, die die Zuschauerinnen und Zuschauer in Zusammenhang mit unsern Newssendungen beschäftigen. Zunächst werden ich auch Fragen oder Kritik beantworten, die via Mail reinkommen. Ich werde aber auch publizistische Fragen aufgreifen. Es ist meines Wissens der erste Blog eines Chefredaktors in der Schweiz. Ich habe keine Ahnung, wie sich das entwickeln wird und wieviel Aufwand dieser Blog gibt
Zum Thema: Die Empörung der Schweizer Presse über den neuen Newsauftritt im Internet unter https://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=56576

