Im Raum steht vor allem der Vorwurf mangelnder Transparenz von Seiten der Konzernleitung: "Wir FuW-ler wurden teils mit Halbwahrheiten abgespeist, überdies wurden einige Punkte bewusst verschwiegen oder beschönigt", sagt ein Mitarbeiter der FuW gegenüber "persoenlich.com". So soll die Personalleitung an der Präsentation der neuen Anstellungsverträge den Anschluss an die Tamedia-Pensionskasse mit dem Versprechen schmackhaft gemacht haben, dass die Angestellten fortan von besseren Bedingungen profitieren können.
Nach einigen Nachforschungen von Seiten der Redaktion habe sich jedoch herausgestellt, dass die Unternehmensführung noch gar keine Bedingungen festgelegt habe und diese zum Zeitpunkt der Unterschrift gar nicht transparent gemacht werden können. Ebenso soll an der Informationsveranstaltung, welche die Personal- und Kommunikationschefin Franziska Hügli leitete, ein falsches Bild der Spesenregelung vermittelt worden sein. Dass die Spesenpauschale vom bisherigen Lohn abgezogen werde, sei aus der Präsentation nicht hervorgegangen.
Erst vergangenen Dienstag -- fast zwei Wochen nach der Präsentation durch die Konzernleitung -- sei überdies der Redaktion klar geworden, dass nicht nur die Tochtergesellschaften der Tamedia, sondern auch der Tages-Anzeiger neue Angestelltenverträge erhalten würde, sagt ein Angestellter der FuW. An der Präsentation der Konzernleitung habe das gesamte Haus den Eindruck erhalten, die neuen Verträge seien lediglich im Zuge der Integration der FuW in den Tamedia-Konzern aufgesetzt worden.
Victor Breu, FuW-Chefredaktor kann den Unmut über die neuen Anstellungsverträge nachvollziehen: "Ich verstehe, dass meine Mitarbeiter verunsichert und zum Teil auch verärgert sind über das kurzfristige Vorgehen." Auch ihm ist nicht entgangen, dass der Belegschaft "noch keine en Detail ausgereifte Lösung" vorgelegt wurde. "Alles ist sehr schnell gegangen. Viele fühlten sich überrumpelt", so Breu.
Im Gegensatz zu Tages-Anzeiger-Chefredaktor Peter Hartmeier hat Breu selbst schon seine Unterschrift unter den umstrittenen Vertrag gesetzt. Derweil gärt es innerhalb der Redaktion. Die Stimmung sei sehr schlecht, ist zu vernehmen. Zu einer konzentrierten Aktion ist es jedoch noch nicht gekommen, sagt Victor Breu. Man habe sich am Mittwoch Morgen an der Redaktionssitzung über die Anstellungsverträge unterhalten. "Meine Leute holen zuerst fachmännischen Rat darüber ein, was passiert, wenn die Verträge nicht unterschrieben werden", so Breu. Erst nach sachgerechter Abklärung werden Anfang kommender Woche innerhalb der Redaktion weitere Schritte ins Auge gefasst. Die Zustellung der Anstellungsverträge an die Redaktoren soll in diesen Tagen erfolgen.
Viele Fragen bleiben indessen offen. Weshalb hat es die Konzernleitung derart eilig, die Verträge unter Dach und Fach zu bringen? Weshalb werden Mitarbeiter unter Androhung einer Änderungskündigung gezwungen teilweise unvollständige Arbeitsverträge innert einer Frist von zehn Tagen nach Erhalt zu unterschreiben?
Diese und andere Fragen hätte "persoenlich.com gerne der Konzernleitung gestellt. Doch die zahlreichen, seit Montag Nachmittag per E-Mail und per Telefon unternommenen Versuche, der Unternehmenskommunikation eine Stellungnahme abzuringen, blieben erfolglos, sämtliche Fragen unbeantwortet. Bei "persoenlich.com" bleibt deshalb der Verdacht haften, dass Tamedia nach innen ebenso intransparent kommuniziert, wie nach aussen. Und dass es eine unglückliche Konstellation ist, wenn die Leiterin der Unternehmenskommunikation zugleich als Personalchefin amtet.
Nicht nur beim Tages-Anzeiger und bei der FuW hat die Mitarbeiter-Kommunikation der Tamedia für Irritationen gesorgt. Auch aus anderen Redaktionen der Tamedia ist zu vernehmen, dass die jeweils unmittelbar einberufenen Informationsveranstaltungen zu den neuen Anstellungsverträgen vor allem zur Verunsicherung der Angestellten beigetragen haben. Es ist deshalb kaum anzunehmen, dass bei der Tamedia in den kommenden Wochen Ruhe einkehren wird.

