04.03.2009

"Unsere Selektion ist härter geworden"

Das MAZ – die Schweizer Journalistenschule in Luzern – ist längst erwachsen geworden: keine Romantik mehr, dafür Effizienz und Leistungsbereitschaft, eine richtige Schule halt. Am 13. März feiert das MAZ sein 25-jähriges Bestehen. Wie sieht MAZ-Direktorin Sylvia Egli von Matt die Zukunft des Journalismus in wirtschaftlich schwierigen Zeiten? Egli von Matt gibt Antworten. Gleichzeitig erinnert sie sich, warum sie den Brand der Luzerner Kapellbrücke buchstäblich verschlafen hat. Das Interview:
"Unsere Selektion ist härter geworden"

Frau Egli von Matt, viele Medienbetriebe bauen aus konjunkturellen, aber auch aus strukturellen Gründen Stellen ab. Warum wollen trotzdem immer noch so viele Menschen in den Journalismus einsteigen?

Das ist wirklich ein interessantes Phänomen. Trotz der schwierigen Situation scheint Journalismus nichts an Attraktivität eingebüsst zu haben. Journalismus ist und bleibt eine wichtige Aufgabe in einer Demokratie, und es ist schön, diese erfüllen zu können. Als Journalist ist man nahe am Puls der Zeit, kann immer wieder neue Themen bearbeiten und kennt praktisch keine Routine. Deshalb ist Journalismus nach wie vor ein Traumberuf – auch wenn er anspruchsvoll und kräfteraubend ist.

Gemäss deutschen Studien werden die deutschen Zeitungsredaktionen in den nächsten Jahren um einen Drittel reduziert. Wie sieht es in der Schweiz aus?

Genaue Zahlen habe ich keine. Schon jetzt aber sind in sehr vielen Redaktionen Stellen gestrichen worden – und es werden wohl leider noch mehr verschwinden. Neue werden jedoch in neuen Medien auch hinzukommen.

Welches sind für Sie Voraussetzungen für einen guten Journalisten?

Fundiertes Wissen in mindestens einem Sachgebiet, kritisches Denken, Sprachbegabung, Leidenschaft für den Beruf und Offenheit für Neues. Daran ändert sich auch nichts, wenn die Zeiten härter werden.

Wie viele Bewerber haben Sie pro Jahr?

Diese Zahl schwankt. Die meisten unser Studiengänge sind berufsbegleitend. Das heisst, die Studierenden brauchen bereits eine Anstellung in den Medien. Dazu mindestens eine Berufsmaturität. Für die berufsbegleitende Diplomausbildung melden sich durchschnittlich etwa 70 Bewerber. Die zweitägige Aufnahmeprüfung ist die zweite Selektionshürde. In der Regel nehmen wir rund 40 Teilnehmende pro Jahr auf, ins Masterstudium 10 bis 12.

Nun bietet das MAZ im Gegensatz zu anderen Fachhochschulen, wie derjenigen in Winterthur, keinen Hochschulabschluss an. Was nützt dann überhaupt ein solcher Diplomabschluss?

Da gilt es zu unterscheiden. Viele unserer Studierenden haben bereits einen Hochschulabschluss und sind interessiert daran, das journalistische Handwerk möglichst praxisnah und effizient zu lernen. MAZ-Studierende können aber durchaus einen akademischen Hochschulabschluss erwerben, wenn sie das praxisorientierte Masterstudium absolvieren, das wir zusammen mit der Hamburg Media School und der Universität Hamburg anbieten. Im ersten Jahr studieren sie in Hamburg, im zweiten am MAZ, den universitären Titel verleiht die Uni Hamburg, hinzu kommt ein Diplom des MAZ. Anders ist es bei der Diplomausbildung: Diese Absolvierenden – viele ebenfalls mit Hochschulabschluss bzw. -erfahrung – suchen noch mehr die journalistische Praxis. Ihnen eröffnet das in der Branche anerkannte Diplom gute Arbeitsmöglichkeiten.

Inwiefern ist ein Diplom im Journalismus notwendig?

Formal ist es sicher nicht unbedingt notwendig. Wichtig ist der Nachweis der journalistischen Kompetenz, zum Beispiel mit dem Diplom einer journalistischen Ausbildung. Können zählt im Journalismus mehr als ein Papier. Allerdings höre ich von vielen Redaktionsverantwortlichen, dass eine ausgewiesene Ausbildung Türen öffnet bei der Selektion der oft sehr grossen Zahl von Bewerbungen.

Das MAZ wurde vor 25 Jahren von den Verlegern der SRG und dem damaligen Journalistenverband gegründet. Heute sind alle drei Berufsverbände sowie die Schweizer Chefredaktorenkonferenz dabei. Nun steht die Branche unter gewaltigem Kostendruck. Inwiefern wirkt sich dies auch auf Ihre Arbeit aus?

Wir stellen fest, dass immer mehr Absolventen einen grösseren Teil der Ausbildung selbst berappen müssen. Indirekt wird dieser Spardruck auf einzelne Personen abgewälzt und nicht auf das MAZ selbst. Wir haben das neue Jahr mit einer Rekordklasse von 57 gut qualifizierten Studierenden begonnen. Alle absolvieren ein Volontariat, werden dort von einem Mentor begleitet und sind also nicht als billige Arbeitskräfte eingesetzt.

Wirkte sich die aktuelle Situation auch auf das Programm und die gesamte Entwicklung des MAZ aus?

Wir passen unser Programm laufend an, unter Berücksichtigung der Medienentwicklung. Unsere Selektion ist härter geworden, wir dürfen und wollen nicht Leute ausbilden, die 30 000 Franken aus der eigenen Tasche bezahlen und hinterher chancenlos sind. Klar ist, dass alle MAZler alle Grundkompetenzen in allen Medien haben. Die Abschlussarbeit ist bimedial. Dem multimedialen Storytelling kommt grosse Bedeutung zu. Ebenso überzeugt sind wir aber, dass Recherche, Reflexion Sprache, Recht und Ethik weiterhin absolut zentral bleiben.

(Interview: Matthias Ackeret)

--> Das vollständige Interview mit Sylvia Egli von Matt ist in der März-Ausgabe von "persönlich rot" zu finden.


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