07.06.2010

Wikileaks

US-Militär verhaftet Informanten von Skandalvideo

Soldat spielte brisante Infos einem Hacker zu.

Ein Soldat, der das Aufsehen erregende Video von einem Einsatz amerikanischer Kampfhubschrauber im Irak an die Web-Seite WikiLeaks weitergegeben haben soll, wurde verhaftet. Das hat das US-Militär am Montag offiziell bestätigt, nachdem die Zeitschrift "Wired" es publik machte. Ein US-Soldat, der in der Nähe von Bagdad als Nachrichtendienst-Spezialist Zugriff auf geheime Informationen hatte, vertraute das brisante Video dem ehemaligen Star-Hacker Adrian Lamo an und brüstete sich in einem Chat damit, das Video an die Öffentlichkeit gebracht zu haben.

Außerdem kündigte er gegenüber Lamo weitere Enthüllungen an, so etwa ein Video eines angeblichen Massakers in Afghanistan. Adrian Lamo, der in der Vergangenheit Wikileaks unterstützt hatte und vermutlich deshalb ins Vertrauen gezogen wurde, bekam Gewissensbisse, als der Soldat ankündigte, 260'000 geheime Dokumente von US-Botschaften via Wikileaks zu veröffentlichen, so "Wired". Daraufhin kontaktiere Lamo das US-Militär und händigte seine Chat-Protokolle aus: "Ich hätte das nicht getan, wenn nicht Menschenleben in Gefahr gewesen wären", sagt Lamo. "Er war im Kriegsgebiet und hat soviele Geheiminformationen wie möglich in sich aufgesaugt", so der Ex-Hacker. Daraufhin sei der US-Soldat verhaftet worden. Bisher liegt aber noch keine Bestätigung durch US-Behörden für die "Wired"-Geschichte vor. Das von Wikileaks veröffentlichte Video zeigt einen Hubschrauber-Angriff im Irak aus dem Jahr 2007, bei dem ein Dutzend Menschen umkam, darunter zwei Mitarbeiter von Reuters.

WikiLeaks ("leak" ist Englisch für "lecken, Leck schlagen") ging im Januar 2007 online. Die Seite gibt Insidern eine Plattform, die Geheimnisse ausplaudern wollen. Die Dokumente, die Quellen auf der Seite der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, behandeln ein weites Themenspektrum von Giftmüll-Verklappung in Afrika bis zu Enthüllungsberichten über Scientology. 2008 wurde die Seite vom britischen "Economist"-Magazin mit dessen Preis für Neue Medien ausgezeichnet. Ende vergangenen Jahres hatte WikiLeaks erhebliche Geldprobleme und stellte zwischenzeitlich alle Aktivitäten ein.


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