An der Dreikönigstagung hat der Präsident des Verbandes Schweizer Presse, Hanspeter Lebrument, zum Reformvorhaben beim Pressevertrieb und dem Verzicht auf Bundessubventionen gesprochen. Aus zeitlichen Gründen verzichtete er darauf, das Thema "Presserat ade -- eigene Selbstkontrolle muss her" zu erläutern.
In "persönlich rot" holte Lebrument dies nach. Der Verlegerpräsident hält den Schweizer für einen einzigen Scherbenhaufen: Pleite und zerstritten sei das Gremium. Der Presserat sei ein "Mischmasch": Ethikrat für Journalisten, Kolloquium und Publikationsstelle für medienrechtliche und medienwissenschaftliche Fragen, "beliebig und geschwätzig" eben, so Lebrument.
Davon habe Schweizer Presse nun genug, schrieb Lebrument. Der Verband habe sich entschieden, eine eigene Selbstkontrolle aufzubauen und habe damit das Departement Ethik beauftragt. Eines scheine heute schon klar: "Wenn wir der Presse dienen wollen, dann müssen in dieser Selbstkontrolle Verleger Chefredaktoren, Journalisten und Medienrechtler eine Rolle spielen."Erst dies garantiere echte Unabhängigkeit und leiste einen Beitrag zur Glaubwürdigkeit der Zeitungen und Zeitschriften.
Guido Blumer, Mitglied des Präsidiums und Leiter Departement Ethik des Verbandes Schweizer Presse, widerspricht dieser Darstellung und schreibt in einem Brief an "persönlich rot" seine Sicht der Dinge. "persoenlich.com" publiziert den Brief in ungekürzter Form:
"Der Text von Hanspeter Lebrument zum Presserat kann nicht unwidersprochen bleiben. Der Präsident des Verbandes Schweizer Presse pflegt seine Gedanken ganz im Sinne Ihrer Publikation persönlich zu formulieren, und sie entsprechen klar nicht der Meinung des Präsidiums. Das Kollegium hat an seiner Sitzung vom 15. Dezember 2004 einstimmig beschlossen, ein Dienstleistungs- beziehungsweise Selbstkontrollorgan als Ergänzung zum Presserat aufzubauen, und zwar gemeinsam mit dem Presserat und anderen Institutionen, die sich in der Schweiz für Qualitiät und Ethik in der Publizistik einsetzen. Ihr Titel "Presserat ade -- eigene Selbstkontrolle muss her" impliziert also unzutreffend, dass wir etwas basteln wollen, was den Presserat zum Verschwinden bringen will.

